Übereilte Aubameyang-Flucht: Fortschritt gleich Null

Borussia Dortmund verkauft Pierre-Emerick Aubameyang am letzten Tag des winterlichen Transferfensters an den FC Arsenal. Der Abgang des Gabuners wirkt übereilt und findet zum falschen Zeitpunkt statt. Ein Kommentar von Ben Barthmann. 

Pierre-Emerick Aubameyang verlässt Borussia Dortmund in Richtung London

Am Dienstagabend bestätigte Arsenals Manager Arsene Wenger das, was die Fußball-Welt schon lange zuvor wusste: Aubameyang verlässt Dortmund nach viereinhalb Jahren und schließt sich den Gunners an.

Nach einem langen Hin- und Her in den letzten Wochen und Monaten kommt somit endlich Klarheit in die Angelegenheit. Der Spieler selbst hatte sich in den letzten Tagen nicht gerade mit Ruhm bekleckert als er versuchte, einen Wechsel mit aller Macht anzuleiern.

Damit gelang es ihm nicht nur, für mediale Aufmerksamkeit sondern letztlich auch für das Interesse des FC Arsenal zu sorgen. Die Londoner hatten nach dem Verkauf von Alexis Sanchez zwei Dinge: Geld und Not am Mann.

Solide Lösung für Dortmund

Somit schien der Gabuner die logische Konsequenz zu sein. Aubameyang ist ein guter Stürmer und obendrein wechselwillig. Sein Klub musste obendrein verkaufen – und das aus mehreren Gründen.

Ein streikender Spieler im Klub sorgte für Unruhe, im Sommer wäre Aubameyang wohl so oder so gegangen. Dazu kommt der Status als Börsenunternehmen, was die Dortmunder ohnehin zu wirtschaftlichem Verhalten zwingt.

Somit sind 65 Millionen Euro – so wird es berichtet – ein guter Deal für beide Seiten. Dortmunds Kassen sind nach dem Abgang von Aubameyang und zuvor Ousmane Dembele prall gefüllt, Arsenal hat eine Schwachstelle schnell gestopft.

Aubameyangs Abgang wirkt übereilt

Was fraglich bleibt, ist die Absicht von Aubameyang. Sein Abgang im Januar wirkte improvisiert, schlecht vorbereitet und fast schon panisch. Er entschied sich für einen schnellen Abgang und setzte diesen mit all seinen Möglichkeit als arbeitnehmender Spieler durch.

Im Winter stehen für einen Transfer deutlich weniger Türen offen als im Sommer. War damals noch von Real Madrid, Manchester City oder Manchester United zu lesen, schließt sich Aubameyang nun dem zweitklassigen Top-Verein FC Arsenal an.

Nationale Titel oder der Sieg in der Champions League sind ähnlich schwer zu erreichen wie in Dortmund. Der sportliche Fortschritt beläuft sich mehr oder weniger auf Null, mit 28 Jahren hatte sich der Gabuner sicherlich einen anderen Sprung erhofft.


Spieler mit schlechter Verhandlungsposition

Ein echter Fortschritt zeigt sich vermutlich nur auf dem Gehaltsscheck, der ihm in London ausgestellt werden wird. Das Geld hätte es aber wohl auch einige Monate zuvor zu holen gegeben – auch damals war der BVB zum Verkauf bereit.

Nun nahm Aubameyang eine schlechte Verhandlungsposition gegenüber Arsenal ein. Die Gunners wussten: Wir nehmen ihn oder er muss in Dortmund bleiben – und das wollte er ganz offensichtlich nicht.

All das deutet auf eine Sache hin: Der Markt für Aubameyang war nie so groß wie gedacht. Somit wäre es letztlich die bessere Option gewesen, beim BVB eine gute Rückrunde zu spielen und anschließend mit mehr Argumenten auf der eigenen Seite auszuziehen.

Nächster Streik vorprogrammiert?

Wer 21 Tore in 24 Spielen einer derart inkonstanten Mannschaft wie der diesjährigen Borussia erzielt, hätte mehr herausholen können. Abgesehen davon, dass Aubameyang für den aufnehmenden Verein ein enormes Marketingpotenzial darstellt.

Nun hat Aubameyang durch seine Unsportlichkeit in Dortmund nicht nur an Achtung verloren, er hat sich auch zu einem unüberlegten Wechsel entschieden. Und hier entsteht schon das nächste Problem.

Arsene Wenger ist dafür bekannt, seine Spieler nicht gerne gehen zu lassen. Siehe den Fall Sanchez. Nicht unwahrscheinlich also, dass sich Arsenal über kurz oder lang in der gleichen Situation sieht wie Borussia Dortmund.