Uber bekommt nach Rücktritt von Kalanick neuen Chef

Expedia-Chef Khosrowshahi geht zu Uber

Nach dem Rückzug des umstrittenen Uber-Chefs Travis Kalanick hat der US-Fahrdienstanbieter einen neuen Vorsitzenden. Der bisherige Leiter des Online-Reisebüros Expedia, Dara Khosrowshahi, wird neuer Uber-Chef, wie das Unternehmen am späten Dienstagabend (Ortszeit) in San Francisco mitteilte. Demnach votierte der Aufsichtsrat einstimmig für den 48-jährigen Khosrowshahi, der nun die schwierige Aufgabe hat, das angeschlagene Image des Fahrtenanbieters wieder aufzupolieren. Kalanick war im Juni zurückgetreten.

Uber sei "hocherfreut", die Nachricht verkünden zu können, dass Khosrowshahi neuer Chef des Unternehmens werde, schrieb die Firmenspitze in einer E-Mail an die Beschäftigten. Uber könne sich glücklich schätzen, einen so erfahrenen und talentierten Geschäftsführer zu bekommen. Schon am Mittwoch wollte der neue Chef am Firmensitz in San Francisco die Belegschaft treffen.

Der diplomierte Ingenieur und vierfache Vater Khosrowshahi stammt aus dem Iran und wurde dort in eine Industriellenfamilie geboren. Vor dem Beginn der Iranischen Revolution 1979 emigrierte er im Alter von neun Jahren mit seiner Familie in die USA und wuchs an der Ostküste auf. Seit 2005 leitete er Expedia und half mit, das Unternehmen weltweit auszubauen. Heute arbeiten bei dem Online-Reisebüro mehr als 20.000 Menschen.

Das Gerücht, dass Khosrowshahi das Ruder bei Uber übernehmen könnte, kursierte bereits mehrere Tage. Expedia-Aufsichtsratschef Barry Diller erklärte dazu am Montag, er wünsche Khosrowshahi alles Gute, wenn es sein Wunsch sei, zu Uber zu wechseln. Khosrowshahi wird ein ruhigeres Gemüt nachgesagt als seinem Vorgänger Kalanick. Außerdem gilt er als Verfechter einer gleichen Bezahlung von Männern und Frauen und als Kritiker von US-Präsident Donald Trump.

Kalanick war nach Berichten unter anderem über Sexismus und unfaire Arbeitsbedingungen massiv in Bedrängnis geraten. Auf Druck einflussreicher Investoren trat er im Juni zurück. Uber kämpft seit längerem mit Vorwürfen einer aggressiven und sexistischen Unternehmenskultur. Seit Jahresbeginn verlor der Fahrtenanbieter, der Taxiunternehmen weltweit ein Dorn im Auge ist, eine Reihe ranghoher Mitarbeiter.

Außerdem liefen interne Ermittlungen und es gab Beschwerden von Mitarbeitern über Diskriminierung und Schikane am Arbeitsplatz bis hin zur sexuellen Belästigung. Wie Uber am Dienstag bestätigte, leitete zudem das US-Justizministerium Ermittlungen dazu ein, ob das Unternehmen US-Gesetze gegen Korruption verletzt hat. Demnach geht es um die mögliche Bestechung ausländischer Regierungsvertreter, um eigene Geschäftsinteressen durchzusetzen.