Twitter verliert eine Million aktive Nutzer – Aktie verliert über 18 Prozent


Der Kurznachrichtendienst Twitter hat im zweiten Quartal einen Rückgang der Zahl der Nutzer verzeichnet, die mindestens einmal im Monat den Dienst nutzen. Die Kennzahl fiel um eine Million auf 335 Millionen. Die Zahl der Nutzer dürfte weiter fallen, erklärte das Unternehmen, das derzeit gegen Spam, gefälschte Accounts und Hassbotschaften kämpft. An der Börse wird der Nutzerrückgang kritisch gesehen. Im vorbörslichen Handel verlor die Aktie bis zu 17 Prozent, bei Handelsauftakt der Wall Street blieb zunächst ein Minus von elf Prozent. Doch der Exit der Anleger setzte sich fort, im Verlauf betrug der Verlust zwischenzeitlich mehr als 18 Prozent.

Twitter führt den Rückgang vor allem auf eine stärkere Löschung von zweifelhaften Nutzerkonten zurück. „Wir sind zuversichtlich, dass dies auf lange Sicht im besten Interesse der Plattform ist und langfristiges Wachstum ermöglichen wird“, erklärte Twitter dazu. Außerdem habe man zusätzliche Ressourcen für die Vorbereitung der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verwendet. Bereits am 9. Juli hatte die Aktie deutlich auf Medienberichte reagiert, laut denen Twitter zahlreiche Nutzerkonten gelöscht hatte. Der Kurs fiel damals zeitweise um bis zu neun Prozent.

Dank steigender Werbeumsätze und einem Steuereffekt verbuchte Twitter aber einen Quartalsgewinn von 100 Millionen Dollar nach einem Verlust von 116,5 Millionen im Vorjahr. Die Fußball-WM half, den Umsatz um 24 Prozent auf 711 Millionen Dollar zu schrauben, während Analysten lediglich 696 Millionen erwartet hatten. Für das dritte Quartal rechnet Twitter mit einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 235 Millionen Dollar – das ist aber deutlich weniger, als am Markt erwartet worden war.


Twitter hat ähnliche Problemen wie Facebook, das ebenfalls unter der manipulativen Nutzung seines Angebots und einer verstärkten Skepsis gegenüber dem Einfluss von Social Media auf die Gesellschaft leidet. Weil der Konzern für das abgelaufene Quartal die Erwartungen an das Nutzerwachstum verfehlt hatte, wurde Facebook am Donnerstag an der Börse abgestraft.

Twitter-Chef Jack Dorsey hat beleidigenden Botschaften auf der Plattform den Kampf angesagt. Algorithmen, die sich auf maschinelles Lernen stützen, identifizierten dabei jede Woche über neun Millionen potenzielle Spam- oder Roboter-Accounts. Zuletzt hatte der Kurznachrichtendienst gesperrte Accounts von den Abonnenten-Zahlen abgezogen, wodurch viele Nutzer Follower verloren.