Twitter verdoppelt Textlänge auf 280 Zeichen

Seit Beginn der Sondierungsgespräche haben die Jamaika-Parteien 472 Posts über den Kurznachrichtendienst Twitter abgesetzt und generierten so insgesamt mehr als 11.000 Tweets

Es ist eine kleine Revolution in der Online-Welt: Der Kurzbotschaftendienst Twitter verdoppelt seine Textlänge auf 280 Zeichen. "Wir möchten, dass sich jeder einfacher und schneller ausdrücken kann", teilte das US-Unternehmen am Dienstag in San Francisco mit. US-Präsident Donald Trump, der das Medium intensiv nutzt, probierte während seiner Asien-Reise gleich die neue Länge aus.

Die Länge der einzelnen Botschaften ("Tweets") war seit Gründung des Unternehmens im Jahr 2006 auf maximal 140 Zeichen beschränkt. Viele Nutzer umgingen in der Vergangenheit diese Begrenzung, indem sie Serien von Tweets aneinander hängten oder längere Texte als Foto in ihre Botschaften einbauten. Auch Trump machte von der Möglichkeit der Aneinanderreihung seiner oft polemischen Botschaften regen Gebrauch.

Die Änderung der Textbegrenzung gilt für alle Sprachen außer Japanisch, Koreanisch und Chinesisch - dort habe es mit der Länge kein Problem gegeben, teilte Twitter mit.

Eine kleine Gruppe von Nutzern hatte bereits in den vergangenen Wochen pro Nachricht maximal 280 Zeichen versenden können. Produktmanagerin Aliza Rosen erklärte in einem Blog, der Test habe gezeigt, dass die meisten Nutzer weiterhin nur 140 Zeichen oder weniger schrieben. Schnelligkeit werde weiter ein Merkmal von Twitter sein. "Unser Ziel war es, dies möglich zu machen und gleichzeitig sicherzustellen, dass wir die Schnelligkeit und Kürze beibehalten, die aus Twitter Twitter macht", schrieb Rosen.

Kommunikationsexpertin Jennifer Grygiel von der Syracuse-Universität erwartet hingegen, dass die neue Textlänge die Geschwindigkeit verlangsamen wird, mit der Nutzer Informationen konsumieren. Zugleich erlaube sie "mehr Klarheit". Dies sei nicht unbedingt schlecht in Zeiten, in denen "Weltenführer über die Plattform militärische Drohungen" aussendeten, fügte sie in Anspielung auf Trump hinzu.

Der US-Präsident nutzt Twitter nicht nur, um wichtige Entscheidungen zu verkünden, sondern auch um Verbündete zu kritisieren, Gegner zu schmähen und verfeindeten Staaten wie Nordkorea offen mit Zerstörung zu drohen.

Trumps erste längere Botschaft betrug am Dienstag 216 Zeichen: "Bereit für eine wichtige Rede vor der Nationalversammlung hier in Südkorea, dann steuere ich China an, wo ich mich sehr freue, Präsident Xi zu treffen, der gerade einen großen politischen Sieg gefeiert hat."

Damit meinte Trump offensichtlich die kürzliche Wiederwahl von Staatschef Xi Jinping als Chef der Kommunistischen Partei und den Beschluss, Xi namentlich in den Partei-Statuten aufzuführen - damit hat er das letzte Wort in allen politischen Fragen.

Gerade in Bezug auf Trump wurde auch Kritik an der neuen Textlänge laut: So erklärte der Autor und Vorreiter von Bürgerrechten, DaShanne Stokes, die Entscheidung gebe dem US-Präsidenten eine "größere Waffe, um mehr Leute zu verletzen". "Ich würde freudig meine zusätzlichen 140 Zeichen abgeben, wenn Twitter Trumps Konto löscht", schrieb Stokes in dem Kurzbotschaftendienst.

Twitter durchlebt wirtschaftlich schwierige Zeiten, trotz seiner weltweit intensiven Nutzung durch Politiker, Entertainment- und Sportstars sowie Journalisten. Seit seiner Gründung hat das Unternehmen noch nie Gewinn gemacht, die Nutzerzahlen steigen inzwischen nur noch langsam. Im ersten Halbjahr 2017 hatte Twitter nach eigenen Angaben 328 Millionen Nutzer, die Zahl stagniert. Der Botschaftendienst ist für seine Nutzer umsonst.