Twitter-Theater: Wie Elon Musk sein Lebenswerk gefährdet

Elon Musk wird zum Sicherheitsrisiko für Anleger und Investoren. - Copyright: Getty Images/ Maja Hitij / Staff
Elon Musk wird zum Sicherheitsrisiko für Anleger und Investoren. - Copyright: Getty Images/ Maja Hitij / Staff

Die Übernahme von Twitter durch Elon Musk ist eine Katastrophe. Man muss sich die Frage stellen, wie es um die Managerqualitäten des reichsten Menschen der Welt bestellt ist. Kaum ein Tag vergeht, an dem Musk nicht Negativschlagzeilen produziert. Dass er die Twitter-Gemeinde gegen sich aufbringt, mag ja noch den ein oder anderen amüsieren, aber das Problem geht tiefer. Seine erratischen Ausbrüche lassen Werbekunden und Investoren ratlos zurück – mit erhebliche Konsequenzen. Auch stellt sich die Frage, wie Musk die Firmen führt, die das meiste Geld in seine Kasse spülen: Tesla und SpaceX.

Nicht hilfreich ist es, wenn sich Musk dann auch noch mit einflussreichen Politikern anlegt. In einem bemerkenswerten Dialog mit dem demokratischen US-Senator Ed Markey bezeichnete Musk den Account des Politikers als "Parodie", worauf Markey darauf hinwies, dass Musk sich besser um seine Firmen kümmern sollte, die schon jetzt von Bundesbehörden untersucht werden. Er drohte, dass sich andernfalls der Senat mit dem Thema befasst. Investoren dürfte das weiter verunsichern.

Elon Musk ist abhängig von China

Tatsächlich sorgt die Übernahme von Twitter durch Musk in der Politik für erhebliches Unbehagen. Der Grund dafür ist die Tesla-Gigafabrik in China. Die steht auf einem Grundstück, das der Staat zur Verfügung gestellt hat. Zudem verkauft Tesla ungefähr 25 Prozent seiner Fahrzeuge in China, ein Ausfall des Geschäfts, aus welchen Gründen auch immer, wäre für den Hersteller fatal. Dass Elon Musk nun völlig unkontrollierbaren Zugriff auf alle Twitter-Daten hat, besorgt mittlerweile auch den US-Präsidenten. Denn nicht wenige im Ausland lebende Dissidenten nutzen Twitter und die Befürchtung ist, dass die chinesische Regierung Musk zwingen könnte, die Daten der Dissidenten weiterzugeben.

Plugin-Hybride haben eine desaströse Öko-Bilanz. Für Hersteller sind sie dennoch lukrativ.
Plugin-Hybride haben eine desaströse Öko-Bilanz. Für Hersteller sind sie dennoch lukrativ.

Auch seine Mitarbeiterführung steht in der Kritik. Dass Elon Musk gegenüber seinen Angestellten eine harte Hand führt, ist weithin bekannt. Schon während der Corona-Zeit gab es Meldungen, dass Musk von den Maßnahmen wenig hielt. Auch, wie es um die Arbeitsverhältnisse in China steht, wird immer wieder hinterfragt. Der Druck auf Musk wächst von allen Seiten, auch weil er gerade vor Gericht steht: Es geht um einen womöglich unrechtmäßigen Bonus in Höhe von 56 Milliarden Dollar.

Tesla geht es im Moment an sich gut. Nach der Beinahe-Pleite 2017 ist das Unternehmen wirtschaftlich gesünder denn je. Umsatz und Gewinn wachsen explosionsartig, von Quartal zu Quartal. 2021 verkaufte Tesla noch knapp eine Million Fahrzeuge, dieses Jahr sollen es bereits 1,5 Millionen sein. Das entspräche dem Niveau von Audi. Die haben allerdings ein sehr breit gefächertes Portfolio, während Tesla den gesamten Umsatz fast ausschließlich mit den Modellen 3 und Y macht.

Die mangelnde Breite im Portfolio von Tesla macht vielen Investoren Sorgen. Zwar wächst der Elektroautomarkt und damit auch der Absatz von Tesla. Doch die Konkurrenz in der Premium-Mittelklasse schläft nicht. Allein VW dürfte Tesla schwer zu schaffen machen. Was Tesla weiterhin auszeichnet, ist die technische Überlegenheit bei Hard- und Software, mit der andere Hersteller gar nicht oder nur schwer konkurrieren können. Und das wird auch noch ein paar Jahre so bleiben.

Probleme mit dem Tesla Autopilot

Die rasante Entwicklung hat aber auch ihre Schattenseiten. Besonders die teil-autonomen Fahrdienste von Tesla stehen in der Kritik. Die Konkurrenz wirft Elon Musk schon seit Jahren vor, mehr oder weniger ungetestete Beta-Versionen an die Kunden auszuliefern. Was auch von der US-Behörden aufgrund der zahlreichen Unfälle untersucht wird.

Die Angst der Anleger ist also nicht nur, dass sich Elon Musk mit der Übernahme von Twitter komplett übernommen hat. Sie befürchten auch, dass er sich deswegen nicht mehr genug um Tesla kümmern kann, was dann zu einer Krise beim Autohersteller führen könnte. Das ist angesichts der lauernden Probleme bei Tesla nicht von Hand zu weisen. Musk sollte daher seine Twitter-Experimente beenden und sich wieder auf seine anderen Unternehmungen konzentrieren.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.