Sex, Drogen und Verderben: Die TV-Serie „Bad Banks“ lässt kein Klischee aus. Warum man sie sich trotzdem nicht entgehen lassen darf.


Es gibt sie noch, die totgesagten Investmentbanker: „Seid hungrig, seid aggressiv, seid ehrgeizig“, schwört Gabriel Fenger sein Team in der neuen TV-Serie „Bad Banks“ ein. „I need your balls, I need your brains, I need your visions“, ruft er durch den Handelssaal.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise soll die Bank namens „Deutsche Global Invest“ endlich wieder so groß werden, wie sie einmal war. Das braucht Killerinstinkte.

Damit spricht Fenger (Barry Atsma) aus, was viele Manager in der Finanzbranche zwar denken, aber nie laut sagen würden. „Können wir endlich wieder Geld verdienen?“ Und doch dürfte die Serie „Bad Banks“ den meisten Investmentbankern so wenig gefallen wie ein unangekündigter Besuch durch die Finanzaufsicht.


Ihren Namen nimmt die sechsteilige Produktion von Arte und ZDF nämlich wörtlich: Hier wird Banking zum Höllentrip. Es wird gekokst, geprügelt und gefickt, dass daneben selbst Gordon Gekko aus „Wall Street“ als Ethikbanker durchgeht. Kein Vorurteil wird ausgelassen – und doch lohnt sich das Anschauen.

Im Mittelpunkt steht die junge Bankerin Jana Liekam (Paula Beer). Sie bekommt plötzlich zu spüren, dass ihre Cleverness allein sie nicht weiterbringt – erst Recht nicht im testosterongeladenen Handelssaal. Welches Glück, dass Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) ihr aus der Patsche hilft.

Die Grand Dame des Investmentbankings erklärt ihrer Schülerin, dass es bei der Karriere nicht auf die Loyalität zur Bank ankommt, sondern aufs richtige Netzwerk. Um ihren neuen Chef zu beeindrucken, muss Liekam den Deal ihres Lebens abschließen – und merkt schnell, dass im Hintergrund verborgene Kräfte wirken. Bei der „Deutschen Global Invest“ regiert die organisierte Verantwortungslosigkeit: Beim Maximieren des eigenen Vorteils stürzen die Protagonisten nicht nur ihr Haus ins Verderben, sondern das gesamte Finanzsystem.

Die enorme Verantwortung der jungen Banker, der ständige Zeitdruck, die ausgefeilten Intrigen in der Chefetage: Das alles setzen Regie und Produktion so gut in Szene, dass sich die Mischung aus Eau-de-Toilette und Angstschweiß im Handelsraum fast riechen lässt. Und doch schießt „Bad Banks“ leider oft über das Ziel hinaus, als hätten sich die Macher zu sehr am Stoff berauscht.


Eben noch hat die Mittzwanzigerin Liekam eine Katastrophenanleihe aufgelegt, schon übernimmt sie die Leitung eines milliardenschweren Immobilienprojekts, mit dem sich der Bürgermeister von Leipzig (Jörg Schüttauf) verewigen möchte.

Bilanzen werden so plump gefälscht, dass jedem Wald-und-Wiesen-Wirtschaftsprüfer vor Lachen der Taschenrechner aus der Hand fallen würde. Und davon, wie die Finanzaufsicht dargestellt wird, wollen wir hier lieber gar nicht reden. Oft wirkt die Welt, die sich in den Bankentürmen von „Bad Banks“ spiegelt, bis an die Grenze des Zumutbaren verzerrt.

Natürlich ist die Serie keine Dokumentation des Investmentbankings. Aber „Breaking Bad“ ist ja auch kein Telekolleg für angehende Chemielehrer. Trotzdem ist die Serie ein einziger Glücksfall. Sie macht anschaulich, was sich sonst kaum zeigen lässt. Wann haben Sie zum letzten Mal im Abendprogramm gesehen, wie eine Katastrophenanleihe aufgelegt wird? „Bad Banks“ gelingt das Kunststück fast mühelos.

Und war es nicht die Branche selbst, die uns nach der Finanzkrise bis an die Grenze des Erträglichen mit Plattitüden eingelullt hat? In „Bad Banks“ fliegen sie der Branche wie ein Bumerang um die Ohren.

Dass die Geschichte in den Zwillingstürmen der „Deutschen Global Invest“ spielt, ist natürlich als Gruß an die Deutsche Bank zu verstehen, die trotz eines versprochenen Kulturwandels verlässlich für neue Skandale sorgte.


Und wo die Commerzbank eine Vorzeige-Mitarbeitern im Kapuzenpulli durch Frankfurt joggen ließ, um über den Sinneswandel der Branche zu orakeln („Braucht Deutschland noch eine Bank, die einfach so weitermacht?“), knüpft „Bad Banks“ nahtlos an: Die Protagonistin trägt den Pulli zur Tarnung, um unerkannt zur Arbeit zu laufen, während um sie herum ein Bankrun ausbricht. Da kann der Finanzminister (der verdächtig an Peer Steinbrück erinnert) noch so oft betonen, dass die Einlagen der Sparer sicher sind – es glaubt ihm keiner mehr.

In solchen Momenten kann sich „Bad Banks“ mühelos mit amerikanischen Serienhits aus dem Streaming-Zeitalter messen. Ihre größte Stärke liegt darin, dass es hinter den glänzenden Fassaden um mehr geht als das tausendfach durchdeklinierte Klischee vom geldgierigen Finanzhai.

Natürlich will die junge Bankerin Liekam Karriere machen. Doch ihre Lehrmeisterin Leblanc bringt sie aus dem Konzept: „Wofür?“.

Die Frage, was die Protagonisten antreibt, wird in jeder Folge aufs Neue ausverhandelt. Soviel sei vorweggenommen: Aufs Geld kommt es bei „Bad Banks“ gar nicht an – es ist nur das Mittel zum Zweck als Projektionsfläche für Wünsche und Hoffnungen. Und das Bindeglied für eine atemberaubende Geschichte.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise sind Anlageempfehlungen schwierig geworden, aber diese sei erlaubt: Dass nach der letzten Folge nicht Schluss ist, darauf darf man wetten. Investmentbanker Fenger würde „long“ gehen.