TV-Review: Markus Lanz über Recht und Gerechtigkeit

Markus Lanz sprach mit Andreas Bourani über Gewalt gegen Kinder . (Bild: ZDF/ ddp Images)

Markus Lanz’ Talkrunde stand am gestrigen Abend unter einem übergreifenden Thema: Wo ist Rechtsprechung wirklich gerecht? In der Expertenrunde saßen an diesem Abend unter anderem Richter Jens Gnisa, Gerichtsreporterin Elke Spanner sowie der Journalist und Autor Alexander Gorkow. Zudem berichtete Cornelia Zohr über ihren Sohn, der durch Schütteln lebensgefährlich verletzt wurden – und Sänger Andreas Bourani, der die Kampagne „Schreien kann nerven. Schütteln kann töten“ unterstützt, kam ebenfalls zu Wort.

Das zweite Urteil in den Prozessen um die G-20-Krawalle ist gefallen – sechs Monate Haft auf Bewährung. Wie schon beim ersten Urteil von zwei Jahren Haft soll es ein Berufungsverfahren geben. Die Gerichtsreporterin Elke Spanner berichtete über ihre Eindrücke während der Prozesse um die beiden Steinewerfer. Spanner ist überzeugt davon, dass das Urteil zu hart ausgefallen sei. Jeder Angeklagte dürfe wirklich nur für das verurteilt werden, was er selbst getan habe – und nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was im großen Kontext der Straftat passierte.

Elke Spanner findet das G20-Urteil zu hart. (Bild: ddp Images)

Richter Jens Gnisa – seit 2016 Vorsitzender des Deutschen Richterbundes – bestätigte, dass man als Richter häufig dem Dilemma ausgesetzt sei, zwischen der Abschreckung potenzieller Straftäter und einer neutralen Bewertung der eigentlichen Tat zu entscheiden. Generelle Schuld und Generalprävention müssten auseinandergehalten werden. Doch insgesamt, so seine Prognose, werde die Präventionsrechtsprechung wichtiger werden.

Jens Gnisa prognostoziert mehr Präventionsrechtsprechung. (Bild: ddp Images)

Sänger Andreas Bourani sah darin grundsätzlich eine positive Tendenz. Er verurteilte die G-20-Krawalle scharf, und äußerte Unverständnis, warum man blindlings das Hab und Gut Unbeteiligter demoliere oder Polizisten angreife. Harte Urteile können ihm zufolge tatsächlich zukünftig abschreckend wirken. Doch noch ein anderes Thema lag dem Musiker am Herzen: Der Schutz von Kindern vor Gewalt. Er berichtete im Gespräch mit Moderator Markus Lanz sichtlich bewegt von der Gewaltschutzambulanz der Berliner Charité und seinen persönlichen Erfahrungen während eines dortigen Besuchs. „Wenn ich mir Gewalt gegen Kinder vorstelle, stoße ich wirklich an meine Grenzen“, so Bourani.

Andreas Bourani und Cornelia Zohr sprachen über Gewalt gegen Kinder. (Bild: ddp Images)

Im Anschluss berichtete Cornelia Zohr über den Fall ihres Sohnes Valentino, der 2008 in ihrer Abwesenheit von seinem Vater so stark geschüttelt wurde, dass er bis heute an den Folgen des Schütteltraumas leidet. Das milde Urteil der Bewährungsstrafe von zwei Jahren wurde dann noch einmal von Jens Gnisa kommentiert. Juristisch gesehen seien die Tatbestände richtig beurteilt worden. Und innerhalb des Strafrahmes sei die Strafe angemessen, so der Richter. Der emotionale Aspekt, den Opfer und Angehörige als viel wichtiger einschätzen, werde dabei leider oftmals komplett übersehen, sagte der Autor und Journalist Alexander Gorkow: „Das verstehe ich nicht. Wo doch die Beweislage, glaub’ ich, relativ klar ist, dass man so ein Urteil fällt. Das ist doch […] schlichtweg Wahnsinn.“