TV-Kritik zum „Tatort“ Weimar: Am Ende fragte sich der Zuschauer „Hä?“

Das Ermittler- und Liebespaar Kira Dorn und Lessing am Tatort. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer)

Noch nie gab es im Weimarer Klamauk-Tatort solch brutale Szenen: Gewalt gegen die Ermittlerin in einem Striplokal, zwei Brüder, die sich spinnefeind sind und ein Finale, das in seiner Dramatik an den Psychothriller „Sieben“ erinnert. Leider ging es aber auch wirr zur Sache.

Man mag sie oder man mag sie nicht: Im Vergleich zu anderen Tatort-Ermittlern steht bei Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) nicht immer nur der Kriminalfall im Vordergrund, sondern ebenso der trockene und manchmal schräge Humor des Kommissargespanns. In der sechsten Weimar-Folge „Der kalte Fritte“ ging es allerdings ungewohnt hart, blutig und perfide zur Sache.

Die Brüder Martin Schröder und Fritte nach dem Kampf im „Chez Cheriechen“. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer)

Die Ermittler bekommen es diesmal mit einem Fall zu tun, bei dem es um die Vergabe eines Standortes für ein Museum geht. Zu Beginn stirbt ein Kunstsammler in seiner Villa. Ermordet von einem Eindringling. Die Spur führt in das Striplokal „Chez Cheriechen“, wo die Witwe des Ermordeten jobbt.

Im folgenden Verlauf wird es extrem wirr: Das Striplokal wird von einem Mann namens Fritte (Andreas Döhler) betrieben. Der wiederum hat einen Bruder namens Martin Schröder (Sascha Alexander Geršak), der einen alten Steinbruch betreibt. Zwischen den verfeindeten Brüdern rumort es gewaltig. Als schließlich ein Architekturprofessor ins Spiel kommt, mit dem Cleo Schröder (Elisabeth Baulitz) – die Frau von Martin – eine Affäre hat, steigt man als Zuschauer beinahe aus. Endgültig den Faden verliert man, als sich die Familienverhältnisse und Affären weiter verschlingen.

Kira Dorn und Fritte entkommen der Explosion im Steinbruch nur knapp. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer)

Drastischer Höhepunkt der Folge: Ermittlerin Kira Dorn verkleidet sich gegen Ende als Prostituierte, die im Striplokal von Fritte anheuern will. Dort soll sie erst mal ihre Fähigkeiten als Tänzerin unter Beweis stellen, was weimartypisch äußert ulkig dargestellt wird. Schließlich wird sie von Fritte mit einem Freier in einen Raum gesperrt. Nachdem der Freier von Dorn abgewiesen wird, prügelt dieser mit äußerster Härte auf die verdeckte Ermittlerin ein.

Im Finale geht es heftig zu: Martin Schröder sprengt seinen Steinbruch, Ermittlerin Dorn und Fritte werden unter den Trümmern begraben. Ein Dilemma für Kommissar Lessing: Soll er sich an dem vermeintlichen Tod seiner Lebensgefährtin rächen? Die Szene erinnert an das Finale von „Sieben“, in dem Brad Pitt den Mord an seiner Frau rächen will und Kevin Spacey mit der Waffe bedroht. Doch im Gegensatz zu Brad Pitt drückt Lessing nicht ab – er merkt gerade noch, dass seine Partnerin die Sprengung überlebt hat.

Die Zuschauer reagierten unterschiedlich auf den Weimar-Tatort. Viele fanden die Handlung zu wirr und verschachtelt:






Andere wiederum lobten die in einigen Momenten aufblitzende Situationskomik der Hauptdarsteller:



Fazit: Ein handlungstechnisch wirrer Tatort, der die Aufmerksamkeitsspanne seiner Zuschauer ausreizt, mit seinen ironischen Seitenhieben und frechen Sprüchen aber dennoch punkten kann.