TV-Kritik Tatort: Grausame Verbrechen an Kindern

Der Dresdner Tatort sorgt erneut für viel Gesprächsstoff. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato)

Der Dresdner Tatort „Déjà-vu“ nahm sich des brisanten, aber präsenten Themas Kindesmissbrauch an – und schockiert, wie er überzeugt: auf voller Linie.

Die Handlung: Der neunjährige Rico verschwindet spurlos. Später wird er tot am Ufer der Elbe gefunden – in einer Sporttasche. Ein heftiges Bild – das den Ton für einen intensiven und erschreckenden Tatort angibt. Damit beginnt für die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Katrin Gorniak (Karin Hanczewski) ein emotional höchst geladener Fall, der vor allem Kommissariats-Chef Schnabel (Martin Brambach) ans Äußerste treibt – ein ähnlicher Fall aus dem Jahre 2013 blieb nämlich ungelöst. In der Bevölkerung herrscht Aufruhr, schnelle Ergebnisse werden gefordert, die Polizei steht massiv unter Druck.

Als der Verdacht, durch einen anonymen Anruf, auf den Schwimmtrainer Micha Siebert (Niels Bruno Schmidt) fällt, wird dieser medial wie gesellschaftlich sofort an den Pranger gestellt. Der Stiefvater des Toten versucht einen Mordanschlag auf Siebert. Dabei wird Kommissarin Sieland verletzt. Trotz Krankenhausaufenthalt gönnt sie sich aber keine Verschnaufpause.

Wie sich durch einen DNS-Test herausstellt, ist aber nicht Siebert der Mörder des Jungen. Nach und nach wird klar, dass der Täter ein Techniker namens René Zernitz (großartig gespielt von Benjamin Lillie) war. Dessen Lebensgefährtin – eine Schulamtsbedienstete – war es wiederum, die der Polizei den anonymen Hinweis auf Siebert gab.

Benjamin Lillie liefert in „Déjà-vu“ eine grandiose schauspielerische Leistung. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato)

Auch die Zuschauer treibt dieser Tatort an den Rand der Belastbarkeit: Man sieht, wie Zernitz sein nächstes Opfer aufspürt, ihn zu seinem Auto und später in seine Wohnung lockt, betäubt – und zur Misshandlung schreitet. Als Zernitz’ Lebensgefährtin ihn bei frischer Tat ertappt, kommt es zum Showdown zwischen den beiden. Hier stellt sich heraus, dass sie von seinen Verbrechen gewusst hatte. Als die Polizei die Wohnung stürmen will, stürzt sich Zernitz aus dem Fenster.

Auf dem Handy des Täters finden sich pornografisches Bildmaterial sowie Bilder vom Todesort. Es stellt sich heraus, dass Zernitz auch für den zweiten, bis dato ungeklärten Mordfall verantwortlich ist.

Mit „Déjà-vu“ gelingt Regisseur Dustin Loose ein schockierender, abstoßender wie auch fesselnder Tatort. Das wahrhaft Grausame steckt im Namen – denn „Déjà-vu“ impliziert, dass sich solche abscheulichen Verbrechen an Kindern täglich wiederholen. War der Dresdner-Tatort vermehrt betont ulkig gehalten, gibt der 31-Jährige Regisseur dem Ganzen eine lange vermisste Schwere und Wucht. An diesen Tatort wird man sich definitiv noch lange erinnern.

Die einzige Schwäche ist vielleicht der Schluss: Da gesteht Sieland ihrer Kollegin, dass sie schwanger ist. Was etwas aus der Luft gegriffen wirkt, dürfte wohl dazu da sein, einen dramaturgischen Bogen zu spannen – Höfels beendet mit dem übernächsten Tatort nämlich ihre Kommissarinnen-Karriere.