TV Kritik Maybrit Illner: Ist Trump nun gut, böse oder irgendwo dazwischen?

Der Trump-Talk brachte bei den Gästen unterschiedliche Positionen zum Vorschein. (Bild: ZDF/Harry Schnitger)

Ein Jahr nach Donald Trumps Amtsantritt als US-Präsident lässt sich eine erste Bilanz ziehen. Die Arbeitslosenquote in den USA ist mit 4,1 Prozent so niedrig wie seit 18 Jahren nicht, der Dow Jones seit Trumps Wahlsieg um 5000 Punkte gestiegen. Mit seiner Steuerreform sorgt Trump aktuell für einen weltweiten Wirtschafsaufschwung und ein Viertel aller amerikanischen Kleinunternehmen plant Neueinstellungen. Von ihren Gästen wollte Maybrit Illner daher wissen: „Der unterschätzte Egoist – kann Trump Erfolg haben?“

Im Studio diskutierten CDU-Politiker Norbert Röttgen, der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger, der stellvertretende AfD-Vorsitzende Georg Pazderski, Politikberater Peter Rough und der Moderator Jörg Thadeusz. Vom Weltwirtschaftsforum in Davos war zudem die Juristin und Finanzexpertin Sandra Navidi zugeschaltet.

Peter Rough (l.) und Wolfgang Ischinger sehen in Trump nicht den großen Unheilsbringer. (Bild: ZDF/Harry Schnitger)

Wie ist Trump also nach einem Jahr im Amt zu bewerten?

Der in den USA lebende und aus Österreich stammende Politikberater Peter Rough glaubt, dass Trump seine jahrzehntelange Tätigkeit im Baugewerbe zugutekommt. Der US-Präsident denke noch immer in diesen Kategorien: „Wenn die Infrastruktur bröckelt, wenn die Wirtschaft nicht wächst, wenn die Schulen nicht gut laufen, wenn Drogen verkauft werden in deiner Nachbarschaft, bringt er seine Projekt nicht an“, sagte der Polit-Fachmann. Dies alles spiele eine Rolle bei Trumps Politikgestaltung. Trump sei außerdem jemand, der sowohl den Anforderungen der Globalisierung als auch den Anliegen des Durchschnittsamerikaners gerecht werden wolle, so Rough. Mit dieser positiven Bewertung blieb der Experte am Abend aber allein.

Jörg Thadeusz kann in Trump nichts Gutes sehen: „Er setzt auf niedrige Affekte“, warnte der Moderator. Der US-Präsident agiere so unberechenbar, dass er „drei Militärs braucht, die auf ihn aufpassen“. Es gehe immer darum, „das Niedrige anzusprechen, das Ressentiment anzusprechen“. Trump mache sich laut Thadeusz keine Gedanken, wie es mit Amerika weitergehen solle. Es handle sich bei dem 71-Jährige lediglich um einen „großen, reichen Jungen. Etwas anderes war er noch nie.“

„Tabubrüche, Wertebrüche, Normbrüche und Rechtsbrüche“

Die aus Davos zugeschaltete Finanzexpertin Sandra Navidi zeigte sich ähnlich kritisch. Trump schlachte einen Wirtschaftsaufschwung, der auch ohne ihn so stattgefunden hätte, gnadenlos für sich aus. Die Ökonomie verlaufe zyklisch, zurzeit befinde sie sich in einem Aufwärtstrend. Langfristig könne Trumps Wirtschaftspolitik jedoch negative Folgen zeitigen. Trump sorge am laufenden Band für „Tabubrüche, Wertebrüche, Normbrüche und Rechtsbrüche“. Über 80 Prozent dieser Aussetzer würde in Deutschland gar nicht berichtet werden, sagte die in New York lebende Anwältin.

Jörg Thadeusz redete sich in Rage. Die Gäste Röttgen und Pazderski verfolgten den Ausbruch mit Interesse. (Bild: ZDF/Harry Schnitger)

Für CDU-Mann Norbert Röttgen ist vor allem Trumps Steuerreform ungerecht. Denn die würde nur Großunternehmen etwas nutzen. Die Reform werde „das Land weiter spalten und die Verschuldung weiter steigern“. Zudem kritisierte Röttgen, dass unter Trump ausländische Produzenten benachteiligt würden. Dies sei mit dem Geist von fairem und freiem Handel nicht vereinbar.

Trump bleibt wichtig

Georg Pazderski von der AfD sah genau darin eine Chance: „Ich denke, er will mit der Steuerreform amerikanische Unternehmen wieder in die USA holen, möglicherweise auch ausländische Investitionen in die USA holen. Und das halte ich schon für eine vernünftige Politik.“ Dem Politiker falle vor allem die deutsche Berichterstattung über Amerika negativ auf: „Es wird kein objektives Bild über die USA gezeichnet. Ich sehe nur Nachrichten, wo über Donald Trump geschimpft wird.“

Für Europa könne die Lösung aber nicht heißen, sich von den USA zu distanzieren, fand Wolfgang Ischinger. „Die transatlantische Verbindung bleibt wichtig. Trump hin oder Trump her“, mahnte der Sicherheitsexperte. Was die geopolitische Lage betrifft, sagte Ischinger: „Es ist ja nicht so, dass Donald Trump an allem Übel dieser Welt und an der miserablen sicherheitspolitischen Lage in der Welt schuld ist.“

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