TV-Kritik: Böser Psycho-Tatort aus Frankfurt

Haben sich in diesem Fall nicht viel zu sagen: Die Frankfurter Kommissare Janneke und Brix. (Bild: HR/Bettina Müller)

Eine vorhersehbare Handlung, recht überzeichnete Charaktere und eine depressive Grundstimmung, die einem den gemütlichen Fernsehabend verhageln konnte. Der Frankfurt-Tatort überzeugte hauptsächlich durch seine Besetzung – der Rest blieb leider auf der Strecke. Ein kleines Lob hat sich die Folge aber dennoch verdient.

In der Episode mit dem Titel „Unter Kriegern“ bekamen es die Frankfurter Kommissare Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) mit einigen Soziopathen zu tun. Hinzu kam, dass das Ermittler-Duo diesmal äußert wortkarg, emotionslos und stoisch agierte. Als Zuschauer bekam man neunzig Minuten soziale Kälte vorgesetzt.

Worum ging es? Im Keller eines Sportleistungszentrums wurde ein Junge namens Malte Rahmani tot aufgefunden. Nach einigem Hin und Her führte die Spur zu dem kaltherzigen und skrupellosen Investmentbanker Joachim Voss (Golo Euler), der auch die Sporteinrichtung leitet. Nicht nur beruflich, auch privat führte Voss ein eisernes Regime. Mit seinem Sohn Felix (Juri Winkler) trainierte er beispielsweise an der Rudermaschine, bis das Kind sich übergeben musste. Die Ehefrau (Lina Beckmann), eine eigenbrötlerische Pferdenärrin, wurde von Voss und dem gemeinsamen Sohn aufs Übelste gedemütigt und gemobbt.

Vater und Sohn duellieren sich – auch in punkto Sadismus. (Bild: HR/Bettina Müller)

Eine Psychopathen-Familie als Dreh- und Angelpunkt eines Krimis? Das hätte funktionieren können, wären die Figuren nicht von Anfang an derart überzeichnet gewesen. Der Horror liegt bekanntlich im Subtilen, doch die Drehbuchautoren haben sich – bewusst oder unbewusst – für holzschnittartige Figuren entschieden, die so extrem agieren, dass der Tatort stellenweise zu seiner eigenen Satire verkam. Die Darsteller holten jedoch das Beste aus ihren Charakteren heraus.

Steht nicht nur unter der Fuchtel ihres Ehemannes: Meike Voss. (Bild: HR/Bettina Müller)

In Kombination mit dem Gelb-Filter, der fast die gesamte Episode lang als ästhetisches Stilmittel eingesetzt wurde, führte die fast flächendeckende Eindimensionalität der Figuren zu einem unfreiwilligen Effekt: Als Zuschauer dachte man in den ersten Minuten, dass es sich um eine Traumsequenz handelte. Denn so übersteigert würden sich glaubhafte Figuren eigentlich nicht verhalten. Etwa als Felix zu Beginn mit seinem Klassenlehrer über eine Note verhandelte: Weder ein Kind – selbst ein Psychopathenkind wie Felix – würde wohl kaum so abgebrüht mit seinem Lehrer sprechen, noch würde ein Lehrer seinen Schüler einerseits derart von oben herab behandeln und andererseits dem Drängen um eine bessere Note so schnell nachgeben.

Psycho-Felix war aber trotz allem ein Lichtblick in diesem sonst schwachen Tatort. Wie er einem Mädchen aus seiner Schule hinterherspionierte und Notizen über sie machte, wie er seine Mutter zusammenbrüllte, wie er mit seinem Vater darum wetteiferte, wer der größere Psychopath ist – das war schon eine ziemlich starke schauspielerische Leistung von Darsteller Juri Winkler. Am Ende stellte sich dann auch heraus, dass es Felix war, der den Jungen verhungern ließ. Weil sein Vater viel Zeit mit Malte Rahmani verbrachte, wurde Felix eifersüchtig und beseitigte den Jungen kurzerhand.

Die gelungenste Szene dieses Tatorts spielte sich übrigens in der Protzvilla von Joachim Voss ab: Als Kommissar Paul Brix mit Frau Voss kurz über deren großes Hobby, das Reiten, sprach, hatte man kurz das Gefühl, es mit echten, fühlenden, leidenden, interessierten, trauernden, empathischen – kurz: menschlichen – Charakteren zu tun zu haben. Was die Drehbuchautoren größtenteils versäumten: Nicht nur das Gute, auch das Böse kann man menschlich präsentieren.

Fazit: Ein Tatort, der weder dramaturgisch noch thematisch punkten konnte. In den ersten Minuten war bereits klar, dass Felix der Täter sein muss, da seine Rolle sonst keinen Sinn ergeben hätte. Das Ermittler-Duo blieb seltsam blass, trieb weder die Handlung voran, noch zeigte es irgendwelche Gefühle oder Regungen – bis auf das eben erwähnte Intermezzo von Brix mit Frau Voss. Psychojunge Felix sorgte aber zumindest für die Ehrenrettung.

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