TV-Journalistin reagiert live auf rassistische Zuschauer-Mail

Während der Live-Berichterstattung zur Bürgermeisterwahl in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, wandte sich Moderatorin Sharon Reed direkt an eine Zuschauerin. (Bild: WGCL-TV via AP)

Die afroamerikanische Moderatorin Sharon Reed erntet für ihre deutliche und dennoch besonnene Antwort auf eine rassistisch motivierte Hass-Mail Beifall im Netz.

Die Bürgermeisterwahl in Atlanta, Georgia, sorgte in den USA für erhitzte Gemüter: Die Afroamerikanerin Keisha Lance Bottoms trat dabei gegen die Weiße Mary Norwood an – und siegte schließlich knapp.

Während der Live-Berichterstattung zur Wahl am Dienstag sprachen die Nachrichtenmoderatoren Sharon Reed und Ben Swann in der Sendung „CBS46“ auch über ein viel diskutiertes Thema während des Wahlkampfs: Den Einfluss, den die Hautfarbe der Kandidatinnen auf den Ausgang der Abstimmung hatte.

Einer Zuschauerin der Sendung schien dies jedoch überhaupt nicht zu passen. Noch während der Sendung schickte sie eine Mail an Moderatorin Sharon Reed, nicht jedoch an ihren weißen Kollegen Ben Swann, der sich ebenfalls zu dem Thema geäußert hatte. Die Nachricht wurde noch während der Sendung gezeigt. „Es ist nur fair, dass die Leute sehen, was sie geschrieben hat“, erklärte die TV-Journalistin und las vor:

„Sie müssen für Ihren rassenhetzenden Kommentar gefeuert werden, den Sie heute gemacht haben. Ist es wirklich okay, wenn Schwarze bestimmte Dinge ansprechen, aber nicht Weiße? Sie sind, was ich einen Niger [sic] nenne, keine schwarze Person. Sie sind ein rassistischer Niger. Sie sind das, was an der Welt falsch ist.“


Während Reed die Mail vorlas, erklärte sie nicht nur ruhig, dass die Zuschauerin das N-Wort falsch geschrieben hatte, sondern auch, dass sie im Gegensatz zur Darstellung der Zuschauerin nichts dagegen habe, dass Weiße sich zu Themen wie Rasse äußern und es eine „authentische Diskussion“ sei, die man führen sollte.

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„Ich denke, wenn man mit jemandem debattiert, muss man vorsichtig sein, seinen Standpunkt nicht falsch aufzufassen. Also werde ich auch Ihre Ansicht nicht falsch wider geben, Kathy Rae“, sagte die Moderatorin in die Kamera. „Am 5. Dezember 2017 denken Sie, es sei in Ordnung, diese Journalistin als ‚Nigger’ zu bezeichnen. Ich nicht. Ich könnte zurückschlagen und Ihnen einige Dinge sagen. Aber stattdessen lasse ich Ihre Worte, Kathy Rae, für sich sprechen. Und das ist das letzte Wort.“

In den sozialen Medien erntet Sharon Reed mit ihrer Reaktion viel Lob und Anerkennung. „Sharon Reed ist ein Nationalheiligtum. Das ist das neueste Beispiel dafür, dass Rechtsextreme einen als Rassisten bezeichnen, wenn man das Thema anspricht“, kommentiert ein Twitter-Nutzer. „Klasse. Ein Rassist sitzt hinter einem verdammten Computerbildschirm und nennt sie so. Sie ist gut damit umgegangen“, schreibt eine Userin. Eine andere postet: „Ich kannte Sharon Reed bis vor ungefähr drei Minuten nicht, und jetzt bin ich ein Fan.“




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