TV-Arzt Hirschhausen trifft Impfgegnerin, die nennt Hass-Post "Ehr-Auszeichnung"

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Eine militante Impfgegnerin beschimpfte Eckart von Hirschhausen auf Facebook. Im Rahmen einer "Sünden"-Reportage bat der TV-Arzt die zornige Userin zum klärenden Gespräch. Das Ergebnis: Dampf ablassen kann helfen, wohl aber weniger dem Empfänger.

Eckart von Hirschhausen traf eine Userin, die ihn bei Facebook hart attackiert hatte, zum persönlichen Gespräch. (Bild: ZDF)
Eckart von Hirschhausen traf eine Userin, die ihn bei Facebook hart attackiert hatte, zum persönlichen Gespräch. (Bild: ZDF)

Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und - nicht zu vergessen: Trägheit. Das waren einst die "sieben Todsünden", ein "moralischer Wegweiser der Gesellschaft", wie es der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen in einer neuen ZDF-Reportage ausdrückt. Und heute? Ist der allgemeinen Enthemmung in Zeiten von "Wutbürgern" und "All you can eat" Tür und Tor geöffnet?

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"Der Sünde auf der Spur" hat Hirschhausen seinen Beitrag zur ethischen Verfassung der Menschheit genannt. Spannend ist vor allem, wie der meinungsstarke Mediziner dem Phänomen Zorn auf die Schliche kommen will. Um dessen Auswüchse zu besichtigen, musste er nicht lange suchen, die findet er zigfach auf seinem eigenen Facebook-Profil. Und siehe da: Nach einiger "Recherche" fand sich eine Userin, die sich nach ihrem Hass-Kommentar zu einem persönlichen Treffen vor der Kamera bereiterklärte.

Impfgegnerin Maria wünscht sich einen offeneren Diskurs. Eckart von Hirschhausen entgegnet:
Impfgegnerin Maria wünscht sich einen offeneren Diskurs. Eckart von Hirschhausen entgegnet: "Es wird nicht besser, wenn Sie mich beschimpfen. (Bild: ZDF)

 

"Es wird nicht besser, wenn sie mich beschimpfen"

Maria heißt die junge Frau, von der Hirschhausen vor dem Treffen nichts kennt als den Namen. Und natürlichen ihren Kommentar. Aus dem zitiert der TV-Arzt: "Das ist Nötigung zum Selbstmord. Wie ekelhaft. Ich empfehle Fachlektüre, bevor man solche widerwärtige Werbung mithilfe emotionaler Erpressung für kriminelle Pharmakonzerne macht. Echt krank, was hier betrieben wird."

Was die junge Frau so aufgeregt hat: dass Eckart von Hirschhausen die Corona-Schutzimpfung als solidarischen Akt bezeichnet hat. Ob sie ihr Missfallen daran heute noch mal so drastisch ausdrücken würden? "Es sind harte Worte, aber vom Inhalt meine ich das schon so. Ich stehe zu dem, was ich schreibe", sagt sie wacker auf der Sitzbank vor dem Brandeburger Tor.

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Hirschhausen lächelt zugewandt: "Was würden Sie gerne erreichen mit so einem Post?" Die Impf-Gegnerin: "Ich würde gerne erreichen, dass es einen offeneren Diskurs gibt." Das leuchtet ihrem prominenten Gegenüber nicht ein: "Aber es wird ja nicht besser, wenn Sie mich beschimpfen." Da hat Maria, deren Nachnamen nicht genannt wird, ihre eigene Logik: "Das ist ja auch eine Ehr-Auszeichnung. Weil bei Menschen, die mir völlig egal sind, da kann ich gar nicht wütend sein." Emotionen würden gesellschaftlich unterdrückt, glaubt sie, "jeder spielt eine Rolle nach außen hin, keiner kennt sich mehr richtig". Dabei sei es gut, auch negativen Gefühlen freien Lauf zu lassen, dann gehe es einem hinterher besser.

Auf der FFF-Kundgebung in Köln befragt Eckart von Hirschhausen die jungen Demonstrierenden nach den Sünden der Elterngeneration. (Bild: ZDF/Anna Baranowski)
Auf der FFF-Kundgebung in Köln befragt Eckart von Hirschhausen die jungen Demonstrierenden nach den Sünden der Elterngeneration. (Bild: ZDF/Anna Baranowski)

 

Alles nicht persönlich gemeint ...

Zumindest dem, der die Wut rausgelassen hat, ergänzt man innerlich beim Zuschauen. Doch Eckart von Hirschhausen ist offenbar seelisch robust und empathisch genug - man wechselt sogar ins freundschaftliche Du. Maria sagt: "Ich bin nicht böse auf dich persönlich, nur auf die öffentliche Person. Es betrifft nur die Propagandaperson, die Werbung macht, auf die bin ich böse. Ich mochte dich immer als Mensch." Kein Widerspruch mehr vonseiten des TV-Stars. Nur Kaffee aus der Thermoskanne. Wenn sich nur alle Wutexzesse so leicht auflösen ließen.

Eckart von Hirschhausen recherchiert zum Thema Sünden. Früher spielten sie gesellschaftlich eine noch bedeutendere Rolle. Und heute? (Bild: ZDF))
Eckart von Hirschhausen recherchiert zum Thema Sünden. Früher spielten sie gesellschaftlich eine noch bedeutendere Rolle. Und heute? (Bild: ZDF)

Der Film "Eckart von Hirschhausen - Der Sünde auf der Spur" ist abrufbar in der ZDF-Mediathek und wird am Montag, 24.05., 18.15 Uhr, im Zweiten ausgestrahlt. Gesprächspartner sind unter anderem die Bischöfin Kirsten Fehrs und der Astrophysiker Harald Lesch. Auch auf einer "Friday's For Future"-Demo sammelte von Hirschhausen Stimmen.

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