"Tut mir wirklich leid": Zverev entschuldigt sich

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Alexander Zverev hat sich kurz vor Beginn der French Open für seinen Satz bei der aufsehenerregenden Pressekonferenz nach seinem Masters-Triumph in Madrid entschuldigt.

"Es tut mir wirklich leid für die Journalisten, das war echt nicht böse gemeint. Ich habe einfach nur gesagt, was in dem Moment in meinem Kopf war. Ich hatte das Finale gewonnen, aber aus meiner Heimat wollte niemand was von mir wissen", sagte Zverev der Bild.

Zverev hatte im deutschsprachigen Teil der Pressekonferenz keine Frage gestellt bekommen. Daraufhin sagte er: "Keine? Ich gewinne ein Masters und es kommen keine Fragen auf Deutsch? Wie man sieht, bin ich den Deutschen wirklich egal."

Zverev: "Das ist doch langweilig"

Dennoch kann der Hamburger nicht nachvollziehen, warum es nach einer unglücklichen Formulierung immer sofort so viel Kritik an ihm gibt: "Ich könnte auch eine ruhige Karriere haben. Aber soll ich immer politisch korrekt sein und immer dasselbe sagen? Das ist doch langweilig."

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Für den 24-Jährigen sei es "doch nichts Kriminelles, seine Meinung zu sagen. Ich kritisiere ja auch mich selbst. Warum wird das falsch wahrgenommen?"

Der US-Open-Finalist von 2020 fordert daher: "Wollen wir einen ehrlichen Dialog für die nächsten zehn, 15 Jahre? Aber dann behandelt mich fair und redet mit mir. Oder ich werde politisch korrekt und langweilig sein. Dann macht, was ihr wollt."

Zverev: "Muss erwachsener werden"

Zverev gibt in dem Gespräch auch zu, dass er sich in der Vergangenheit Fehler geleistet hat - wenngleich er nicht unerwähnt lässt, dass immer er dabei rausgepickt wird.

"Klar, dass ich während Corona am Strand Party gemacht habe, war nicht schlau. Da muss ich erwachsener werden und verstehen, dass auf ein bekanntes Gesicht geschaut wird, auch wenn da noch 5000 andere Leute sind", sagte Zverev.

Er fühlt sich jedoch nicht gehasst in Deutschland - auch wenn er nicht die Beliebtheitswerte von Boris Becker erreicht: "Boris ist Boris und hat alle Achtung und jeden Respekt verdient. Ich muss ja erst mal annähernd schaffen, was er geschafft hat."

Mit Becker spricht er allerdings nicht über diese Dinge, sondern "über Lebenssituationen, über Tennis. Wir wissen beide: In Deutschland kommt alles mit dem Erfolg." So denkt Zverev über eine mögliche Steigerung seiner Popularität: "Das einfachste, aber auch das schwerste Mittel ist, einen Grand Slam zu gewinnen."

Deutschland rückt für Zverev in den Fokus

An etwas anderem arbeitet er ebenfalls bereits. Nachdem sein Management zu Beginn der Karriere Zverev vor allem international vermarkten wollte, wird seit seinem Management-Wechsel zu Team 8 Anfang 2019 Deutschland wieder mehr in den Fokus gerückt.

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"Die haben da einen tollen Job gemacht", sagte Zverev und erklärte: "Team 8 sagte mir: Du bist Deutsch. Und nach dem Tennis bist du das immer noch. Aber in den USA interessiert sich dann keiner mehr für dich. Die haben genug eigene sensationelle Sportler."

Obwohl es Anfang des Jahres zur Trennung von Team 8 gekommen war, gilt dieser Kurs für ihn auch weiterhin: "Ich bin jetzt einbezogen in alle Entscheidungen. Früher wurden alle Entscheidungen für mich getroffen." Zverev fühlte sich damals "wie ein Bauer beim Schach, der einfach nur platziert wird".

Zverev: "Bin 100 Prozent deutsch in allem"

Auch wenn seine Eltern Russen sind, hat er wenig Verbindung mit der russischen Kultur. "Ich bin ja auch in Hamburg geboren und aufgewachsen. Ich halte bei der EM für Deutschland. Ich bin 100 Prozent deutsch in allem, was geht", erklärte Zverev.

Dass er trotzdem auf Russisch flucht, hat einen einfachen Grund: "Es ist einfacher und viel schöner. In Deutsch kann man nur 'Sch...' sagen. Im Russischen gibt es so viele Ausdrücke, die man nicht annähernd übersetzen kann. So schlimm, dass ich es zu Hause nicht sagen darf."

Am besten wäre es allerdings, wenn man ihn bei den French Open nicht allzu häufig Russisch fluchen hört. Denn dann läuft es in Paris womöglich so gut für ihn, dass sich die Beliebtheits-These bei einem Grand-Slam-Sieg in Kürze auf die Probe stellen lässt.

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