Afrin: Massenproteste gegen die türkische Militäroffensive

Tausende protestieren in Afrin gegen die türkischen Angriffe (Bild: The Public Relations Office of YPJ/Facebook)

Die Region Afrin im Nordwesten Syriens ist seit fast drei Wochen Schauplatz eines bewaffneten Konfliktes. Türkisches Militär will die in der Region lebenden Kurden vertreiben. Nun gehen die Menschen dort in Massen auf die Straße, um gegen den türkischen Angriff zu demonstrieren.

Seit dem 20. Januar greifen Truppen des türkischen Militärs die kurdische Enklave Afrin an. Unter dem Namen “Operation Olivenzweig” rollen Panzer über die Grenze nach Syrien, um die Gegend zu destabilisieren. An der Seite der türkischen Armee kämpfen teils dschihadistisch geprägte Verbände der Freien Syrischen Armee, die sich bereits einiger Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben.

Um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen, gehen nun zehntausende Menschen in der nordsyrischen Stadt auf die Straße. Für eine Großdemonstration am Dienstag reisten dazu zahlreiche Menschen aus den anderen Teilen der kurdisch kontrollierten Gebiete Syriens (Rojava) in das isolierte Afrin, neben Kurden auch Araber, Suryoye, Eziden und Tscherkessen. Der Konvoi der Demonstranten konnte dabei offenbar ungehindert durch das vom syrischen Regime kontrollierte Gebiet im Südosten Afrins einreisen. Nach allen anderen Seiten ist Afrin von der Türkei oder protürkischen Rebellengebieten umschlossen.

Unter den Demonstranten finden sich neben Kurden auch Vertreter der anderen Bevölkerungsgruppen Rojavas (Bild: The Public Relations Office of YPJ/Facebook)

Nach der Großdemo in der Stadt Afrin zogen die Demonstranten weiter zu der an der Front gelegenen Kleinstadt Jinderes, die kürzlich von türkischer Artillerie beschossen wurde.

Die Lage in Afrin spitzt sich unterdessen dramatisch zu. Laut eigenen Angaben will die türkische Armee bereits 1.000 “Terroristen” getötet haben, die Angaben von kurdischer Seite sind deutlich niedriger. Ankara stuft Angehörige der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) als Terroristen ein. Denn diese stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist.

Die Demonstranten kommen aus allen Teilen Rojavas (Bild: The Public Relations Office of YPJ/Facebook)

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte beklagt, dass immer mehr Zivilisten der Gewalt zum Opfer fallen. Eine Woche nach Start der türkischen Offensive sollen bereits mehr als 50 Zivilisten getötet worden sein. Dem Gesundheitsrat von Afrin zufolge sollen innerhalb der ersten zwei Wochen 298 Zivilisten verletzt und 150 getötet worden sein. “Wir vermuten, dass die eigentlichen Ziffern viel höher liegen”, sagte ein Sprecher der irakischen Nachrichtenseite “NRT News”.