Türkei veröffentlicht Liste geheimer US-Stützpunkte in Syrien

Gepanzerte US-Patrouille in Rojava (Bild: AFP)

Es ist ein unter NATO-Verbündeten beispielloser Vorgang: Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu hat in einem Bericht die Standorte von zehn geheimen Militärbasen der USA im Norden Syriens veröffentlicht und damit ihre Sicherheit gefährdet.

Die Reporter von Anadolu räumen ein, dass die Standorte aus Sicherheitsgründen weitgehend geheimgehalten werden, machen aber dennoch zum Teil genaue Angaben zur jeweiligen Truppenstärke, den Schutzmaßnahmen und den Aufgaben der einzelnen Stützpunkte. Diese bestehen zumeist in der Unterstützung der lokalen kurdischen Verbündeten. Bei zwei Standorten wird zudem auf die Präsenz französischer Spezialeinheiten verwiesen.

Streit um kurdische US-Verbündete

Die Veröffentlichung wird weithin als neue Eskalationsstufe im andauernden Streit zwischen Ankara und Washington über die US-Unterstützung kurdischer Kräfte in Nordsyrien bewertet. Die USA setzen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien vornehmlich auf die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), in denen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) eine führende Rolle spielen.

Die SDF bekämpfen derzeit den IS in seiner syrischen “Hauptstadt” Rakka, vor kurzem vermeldeten sie die Befreiung der Hälfte des Stadtgebiets. Dabei erhält das Bündnis Luftunterstützung durch die internationale Anti-IS-Koalition. Am Boden helfen die USA mit Waffenlieferungen und Ausbildern aus, zudem operieren Spezialkräfte und Artillerieeinheiten zusammen mit den SDF.

Die Türkei betrachtet die YPG/YPJ aufgrund ihrer Nähe PKK seit jeher als Feind und kritisiert die USA für deren Unterstützung scharf. Unter anderem behauptet Ankara, dass über Syrien bereits US-Waffen in die Hände der PKK gelangt sein sollen. Die USA weisen den Vorwurf von sich. Präsident Trump sagte seinem Amtskollegen Erdogan bei einem Treffen geheimdienstliche Unterstützung bei der Bekämpfung der PKK zu, hält aber an den kurdischen Verbündeten in Syrien fest.

Die Zusammenarbeit der USA mit der YPG ist Erdogan ein Dorn im Auge (Bild: AFP)

Der Bericht wurde von Anadolu bereits am Montag auf Türkisch veröffentlicht, internationale Aufmerksamkeit erregte vor allem die englische Version, die am Mittwoch erschien. Am selben Tag postete Anadolu auf Twitter zudem eine Karte, auf der die Stützpunkte verzeichnet sind. Bereits einen Tag zuvor veröffentlichte die “Bild”-Zeitung in Deutschland Details zu einem US-Militärflughafen in der Nähe von Kobanê, dessen Existenz jedoch schon vorher relativ gut bekannt war.

Die USA reagierten auf die Bekanntgabe der Standorte erwartungsgemäß verärgert. Die Veröffentlichung setze die Soldaten einem “unnötigen Risiko” aus und könne die Fortsetzung des Kampfes gegen den IS gefährden, sagte Pentagon-Sprecher Adrian Rankine-Galloway laut AFP am Mittwoch. “Wir können die Quellen dieses Berichts nicht verifizieren. Sollte jedoch ein NATO-Verbündeter mit Absicht unsere Truppen durch die Weitergabe sensibler Informationen gefährden, wäre dies sehr besorgniserregend,” erklärte Rankine-Galloway. “Wir haben diese Besorgnis bereits der türkischen Regierung mitgeteilt.” US-Medien wurden aufgefordert, die Informationen nicht weiterzuverbreiten.

Türkische Angriffe auf Kurdengebiet nehmen zu

Im Grenzgebiet nehmen die Feindseligkeiten zwischen der Türkei und dem kurdisch kontrollierten Teil Syriens (Rojava) seit Wochen zu. Die türkische Armee und verbündete syrische Milizen beschießen regelmäßig den im Westen Rojavas gelegenen Kanton Afrin mit Artillerie, dabei starben bereits Dutzende Zivilisten.

An der Grenze werden türkische Truppen und verbündete Kräfte zusammengezogen, der erwartete Einmarsch blieb unterdessen bisher aus. Afrin wird vom Rest Rojavas durch einen Korridor getrennt, der von protürkischen Verbänden der Freien Syrischen Armee (FSA) kontrolliert wird. Zwischen diesen türkischen Hilfstruppen und der YPG kam es in den letzten Wochen vermehrt zu kleineren Gefechten.

Die Kurden zeigen sich weiter entschlossen zum Widerstand: “Wir schwören einmal mehr, dass wir uns keiner anderen Macht unterwerfen, egal wie groß die Schwierigkeiten und wie heftig die Angriffe sein mögen”, heißt es in einem Statement der SDF zum fünften Jahrestag der Revolution in Rojava am 19. Juli 2012.

Sehen Sie auch: Streit zwischen Türkei und Deutschland spitzt sich zu