TUI-Aktie: Wirklich weitere 400 Mio. Euro?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
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Die TUI-Aktie (WKN: TUAG00) hält sich derzeit mit Liquiditätshilfen über Wasser. Für Investoren, die den Anteilsscheinen bereits seit einiger Zeit folgen, ist das natürlich nichts Neues. Das aktuelle operative Geschäftsumfeld lässt kaum Spielraum für Umsätze und Ergebnisse. Die Hoffnungen ruhen auf einem besseren Sommer 2021.

Können wir so in etwa die aktuelle Ausgangslage zusammenfassen? Vermutlich schon. Jetzt könnte sich die Ausgangslage jedoch wieder ein kleines bisschen verändern. Wieso, fragst du dich? Ganz einfach, weil die TUI-Aktie augenscheinlich vor weiteren Liquiditätshilfen steht. Im Raum stehen dabei 400 Mio. Euro. Schauen wir im Folgenden einmal, was du als Investor oder Interessierter dazu wissen solltest.

TUI-Aktie: Greift das Land Niedersachsen ein?

Wie jetzt in der Woche zwischen den Feiertagen berichtet wird, könnte TUI möglicherweise eine neue Finanzspritze bekommen. Diskutiert wird derzeit, ob das Land Niedersachsen dem angeschlagenen Reiseunternehmen unter die Arme greifen könnte. Mit dem Unternehmenssitz in Hannover ist die Nähe hier jedenfalls gegeben.

Im Raum steht dabei, dass das Land dem Reiseunternehmen mit einer Bürgschaft über 400 Mio. Euro unter die Arme greifen könnte. Allerdings ist dieses Vorhaben längst nicht durch. Oppositionsparteien wie die Grünen und die FDP argumentieren, dass man keine Landesmittel wie bei eigenen Beteiligungen verwenden dürfe. Ja, sogar von einem unverantwortlichen Risiko ist die Rede. Eine Entscheidung wird für den 13. Januar erwartet.

Mit dieser Liquiditätshilfe über 400 Mio. Euro würden sich die Hilfsmittel von der öffentlichen Hand und anderen Geldgebern bereits auf rund 5,2 Mrd. Euro belaufen. Definitiv kein kleines Sümmchen. Allerdings in Anbetracht der ersten, bundesstaatlichen Hilfskredite und Finanzhilfen natürlich eher ein kleines Pflaster.

Problem: Verschuldung!

Es bleibt für mich auch in Anbetracht dieser neuen Nachrichtenlage eigentlich beim Alten: Es ist für den Moment natürlich zielführend, das Unternehmen zu retten. Keine Frage, das besitzt Priorität. Für Foolishe Investoren könnte der Gesamtmix jedoch weiterhin unattraktiv sein.

Die Verschuldung des Unternehmens TUI ist durch die Corona-Krise hoch geworden. Aus dem im Vorfeld gesunden Unternehmen ist ein Sanierungsfall geworden, der auch künftige Erfolge nutzen muss, um die Schulden abzubauen. Für Investoren könnte dadurch wenig Raum für Rendite vorhanden sein.

Ist die TUI-Aktie eine Turnaround-Chance? Ja, möglicherweise. Allerdings vielleicht auch bloß für hartgesottene Contrarians, die hier engagiert sein wollen. Ob im kommenden Jahr der Turnaround kommt, ist zudem fraglich. Die Politik spricht derzeit schließlich auch davon, dass der kommende Herbst und Winter des Jahres 2021 nicht mehr unter dem Zeichen des Coronavirus stehen soll. Auch hier existieren entsprechend einige Fragezeichen.

TUI-Aktie: Unternehmensorientiert bessere Alternativen

Die TUI-Aktie kommt mir daher bis auf Weiteres nicht ins Depot. Unternehmensorientiert existieren bessere Chancen, die ich stärker in den Fokus rücke. Für ein hochverschuldetes Unternehmen gibt es in meinen Reihen einfach keinen Platz.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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