TU Berlin bereut Ehrendoktorwürde für türkischen Ministerpräsidenten Yildirim

Ministerpräsident Binali Yildirim

Angesichts der Repressionen gegen regierungskritische Wissenschaftler in der Türkei bereut die Leitung der Technischen Universität (TU) Berlin die Vergabe der Ehrendoktorwürde an Ministerpräsident Binali Yildirim. "Die TU bedauert die damalige Vergabe und betont ausdrücklich, dass Herr Yildirim heute keine solche Ehrung mehr erfahren würde", erklärte am Dienstag der Akademische Senat der TU. Für einen Titelentzug fehle aber die rechtliche Grundlage.

Der Ehrendoktortitel war im Jahr 2011 verliehen worden, als Yildirim noch nicht Regierungschef des Landes war. "Der Umgang der derzeitigen Regierung mit kritischen und nicht regierungstreuen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem Land ist nicht akzeptabel", erklärte der Senat weiter. Die Forscher werden demnach mit Disziplinarverfahren, Entlassungen, Festnahmen oder Ausreiseverboten drangsaliert. Das Verhalten Yildirims dabei sei "verwerflich".

Die Universität kündigte an, die Vergabe der Ehrendoktorwürde künftig individuell kritisch zu prüfen. "Wissenschaftliche exzellente Leistungen müssen der alleinige Ausgangspunkt für eine Vergabe der Ehrendoktorwürde sein", erklärte der Senat. Mit der aktuellen Stellungnahme wolle der Senat "dafür Sorge tragen, dass die Verhältnisse in der Türkei nicht aus dem öffentlichen Blickfeld geraten".

Nach dem gescheiterten Putschversuch im Sommer vergangenen Jahres war in der Türkei der Ausnahmezustand verhängt worden. Es wurden bislang mehr als 100.000 Staatsbedienstete entlassen, mehr als 50.000 wurden inhaftiert. Betroffen sind vor allem mutmaßliche Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen, dessen Bewegung von der Regierung in Ankara für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird. Aber auch kurdische Aktivisten, Oppositionsanhänger und Regierungskritiker wurden entlassen.