Schweres Erdbeben erschüttert Mexiko: Dutzende Tote

Soldaten entfernen Schutt von einem teilweise zusammengebrochenen Gebäude in Juchitan in Oaxaca. Foto: Luis Alberto Cruz

Mitten in der Nacht werden rund 50 Millionen Mexikaner von einen enormen Erdbeben erschüttert - es gibt Dutzende Tote, rund 1,5 Millionen Menschen sind ohne Strom. Und die Erde bebt weiter.

Mexiko-Stadt (dpa) - Ein Jahrhundert-Erdbeben der Stärke 8,2 hat Millionen Mexikaner im Schlaf überrascht und mindestens 58 Menschen das Leben gekostet. Dutzende Häuser stürzten ein.

Das Beben ereignete sich im Pazifik, 137 Kilometer südwestlich von Tonalá im Bundesstaat Chiapas in 19 Kilometern Meerestiefe. Rund 50 Millionen Menschen spürten die heftigen Erdstöße, auch in der Hauptstadt Mexiko-Stadt.

Zeitweise waren 1,5 Millionen Menschen ohne Strom. «Es handelt sich um ein Beben großen Ausmaßes», sagte Staatspräsident Enrique Peña Nieto. «Das ist das stärkste seit fast einem Jahrhundert», betonte er. Für die Pazifikregion wurde eine Tsunamiwarnung ausgegeben, aber die zunächst befürchteten über vier Meter hohen Wellen blieben aus.

Nach Angaben der Behörden starben mindestens 58 Menschen, davon 45 im südlichen Bundesstaat Oaxaca, zehn in Chiapas und drei in Tabasco. Wie Peña Nieto mitteilte, gab es mindestens 200 Verletzte, rund 1800 Soldaten wurden in die Katastrophenregion geschickt. Für ein Beben mit so großer Stärke waren die Folgen fast noch glimpflich.

Das Seismologische Institut des Landes hatte zunächst eine Stärke von 8,4 ermittelt, später wurde diese auf 8,2 gesenkt. Damit wäre dies das womöglich bisher stärkste Erdbeben in der jüngeren Geschichte Mexikos. 1932 gab es ein Erdbeben, dessen Stärke vom Seismologischen Institut auch mit 8,2 angeben wurde, andere Quellen sprechen von 8,1.

Im Bundesstaat Tabasco starb ein Baby, weil ein Beatmungsgerät im Krankenhaus wegen eines Stromausfalls nicht mehr funktionierte, ein weiteres Kind wurde beim Einsturz einer Mauer getötet, wie der dortige Gouverneur Arturo Núñez mitteilte. Am schlimmsten wurde die Stadt Juchitán im Bundesstaat Oaxaca getroffen. Dort stürzte auch das Rathaus ein. Es kam zu hunderten Nachbeben. Peña Nieto warnte die Bürger, es seien Nachbeben bis zu einer Stärke von 7,0 möglich. 

«Gott, unser Herr, hat uns das Überleben geschenkt, das Beben war sehr, sehr stark», sagte die 70 Jahre alte Ricarda Jiménez Cordero der Deutschen Presse-Agentur. Sie wohnt in der stark betroffenen Stadt San Cristóbal de las Casas in Chiapas. Chiapas liegt an der Grenze zu Guatemala im Südosten. 

Zahlreiche Gebäude stürzten ein, Autos wurden unter Trümmern begraben. Präsident Peña Nieto berief Krisensitzungen ein, «um die Lage zu überwachen, zu bewerten und um Maßnahmen zu ergreifen».

Der Leiter des Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, warnte die Menschen an der Küste vor Wellen von bis zu 4,20 Meter Höhe - doch diese Befürchtungen bestätigten sich nicht. Vielerorts rannten verängstigte Menschen auf die Straßen. In vielen Regionen fiel am Freitag der Unterricht in den Schulen aus, um Gebäude auf Schäden zu überprüfen. 

Eines der folgenreichsten Erdbeben in der Geschichte Mexikos ereignete sich am 19. September 1985 (Stärke 8,1). Es traf vor allem die Hauptstadt Mexiko-Stadt schwer. Damals gab es rund 10 000 Tote.

Das aktuelle Beben war auch in Mexikos Nachbarland Guatemala stark zu spüren und hatte dort eine Stärke von 7,7. Die betroffene Region liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der immer wieder von heftigen Erdbeben erschüttert wird. Im Golf von Mexiko ist derzeit außerdem der Hurrikan «Katia» unterwegs. Im Osten Mexikos könnte es am Freitag und am Wochenende zu heftigem Regen und Sturmböen kommen.

Die Stärke von Erdbeben wird mit Seismographen gemessen. Die Geräte zeichnen die Stärke von Bodenbewegungen auf, die sogenannte Magnitude. Weltweit kommen jährlich etwa 100.000 Beben der Stärke 3 vor. Rund 1600 haben die Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben hat mindestens den Wert 8 und tritt etwa einmal im Jahr auf. Das heftigste bisher auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile. Erdbeben können je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise in der Region unterschiedliche Auswirkungen haben.