Tschechien: Zemans knappe Wiederwahl zeigt gespaltene Gesellschaft

Miloš Zeman hat die Wahl um das Präsidentenamt nur knapp gewonnen. Mit 51,4 Prozent der Stimmen sicherte sich die kommende Amtszeit. Wähler mobilisieren konnte der Präsident vor allem in ärmeren ländlichen Gegenden. Im Wahlkampf hatte er Ängste vor Flüchtlingen und muslimischen Zuwanderern geschürt.

In Prag und anderen Großstäden des Landes gingen die meisten Stimmen an Zemans liberalen Herausforderer Jiří Drahoš.

Der Journalist David Binar erklärt, wer Zeman gewählt hat: "Die Menschen, die Zeman gewählt haben, sind meist diejenigen, die weniger als der Durchschnitt verdienen. Sie haben nichts zu verlieren, sie identifizieren sich nicht mit dem System, das wir haben, mit der Demokratie."

Zuletzt war in der tschechischen Republik die Minderheitsregierung des Populisten Andrej Babiš gescheitert. Er hatte das Misstrauensvotum des Parlaments verloren. Zeman beauftragte Babiš daraufhin erneut mit der Regierungsbildung, im Gegenzug rief Babisch seine Anhänger dazu auf, Zeman zu wählen.

Jiri Pehe, ein Politikwissenschaftler erklärt: "Es ist die Wahrnehmung, die in der Politik eine Rolle spielt. Dass Herr Zeman pro-russisch, pro-chinesisch und anti-westlich ist, wird eine Botschaft senden, die nicht so sehr positiv für die Tschechische Republik ist."

Gewinner und Verlierer der Wahl trennten am Ende nur rund 152.000 Stimmen.

"Es war erst das zweite Mal, dass die Menschen der tschechischen Republik ihren Präsidenten direkt wählen konnten. Mehr als 66 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Das zeigt, dass die Abstimmung eine sehr wichtige Anliegen für sie ist. Beatrix Asboth für Euronews aus Prag."