Tschechien erwirbt umstrittenen Schweinemastbetrieb auf KZ-Gelände

Aktivisten forderten Schließung der Schweinefarm

Tschechien hat einen umstrittenen Schweinemastbetrieb auf dem Gelände eines ehemaligen NS-Konzentrationslagers erworben. Um den Mastbetrieb in Lety schließen zu können, zahlte die Regierung 450 Millionen tschechische Kronen (18 Millionen Euro) an den Agpi-Agrarkonzern, wie sie am Donnerstag mitteilte. Zusätzlich wolle Tschechien weitere 120 Millionen Kronen für die Reinigung des Geländes bereitstellen, auf dem im Zweiten Weltkrieg hunderte Roma starben.

"Nach gut 20 Jahren haben wir es endlich geschafft, dieses schädliche Erbe der Vergangenheit loszuwerden", erklärte Kulturminister Daniel Herman. Dem Kaufvertrag muss nur noch die Hauptversammlung von Agpi zustimmen, die für den 4. Dezember angesetzt ist.

Auch Jana Horvathova, die Leiterin des Museums für Roma-Kultur in Brünn (Brno), zählt zu den Vertragsunterzeichnerinnen. Ihre Einrichtung soll das Gelände wieder auf Vordermann bringen, sobald der Mastbetrieb vollständig abgebaut worden ist.

Begrüßt wurde der Schritt unter anderem von der Europäischen Antirassistischen Bewegung (Egam), die von einem "historischen Tag für die Roma" sprach. "Jetzt liegt die Herausforderung darin, das Gelände von einem ehrlosen Ort in einen Ort der Würde zu verwandeln", sagte der Egam-Vorsitzende Benjamin Abtan der Nachrichtenagentur AFP.

Tschechische und ausländische Menschenrechtsaktivisten hatten seit Jahren die Schließung der Agpi-Schweinefarm gefordert. Im August hatte der Konzern dann erklärt, ein entsprechendes Angebot der Regierung angenommen zu haben.

Der Schweinemastbetrieb war zu Zeiten des Kommunismus in den 1970er Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Lety südlich der Hauptstadt Prag errichtet worden. Zwischen August 1942 und Mai 1943 waren in dem NS-Lager etwa 1300 Roma und Sinti interniert.

Die meisten von ihnen wurden anschließend in das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Knapp 330 Roma, darunter über 240 Kinder, starben bereits in Lety, viele an Typhus. Insgesamt wurden unter den Nationalsozialisten etwa 90 Prozent der tschechischen Roma getötet.