Der US-Präsident fordert ein Verbot von Schnellfeuerkolben. Der Vorstoß erntet Kritik. Und die Webseite eines Händlers bricht zusammen.


Einen solchen Andrang verzeichnete die Webseite Slide Fire Solutions wohl nicht einmal am Presidents' Day. Der größte Händler von Schnellfeuerkolben für halbautomatische Waffen in den USA, im Englischen „Bump Stocks“ genannt, nutzte den amerikanischen Feiertag am Montag als Gelegenheit, um Waffenfreunden einen Preisnachlass auf seine Dauerfeuer-Vorrichtungen zu geben.

Wer einen Gutschein mit dem Code „MAGA“ einlöst, bekommt zehn Prozent Rabatt. Das Akronym steht für „Make America Great Again“, Donald Trumps Wahlkampfslogan.

Nur einen Tag später könnte der US-Präsident erneut unfreiwillig für erhöhte Zugriffe auf der Webseite von Slide Fire Solutions gesorgt haben. Nachdem Trump am Dienstag gefordert hatte, ein Verbot von Schnellfeuerkolben für halbautomatische Waffen durchzusetzen, brach die Webseite des „Bump Stock“-Händlers zusammen. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Slide Fire Solutions von sehr hohen Zugriffszahlen, die zu Problemen bei der Stabilität seiner Webseite führten. Darunter häuften sich die Kommentare. Manch einer befürchtete, kein Presidents'-Day-Schnäppchen mehr machen zu können.


Eine Woche nach dem Massaker an einer Schule in Florida mit 17 Toten ist in den USA erneut eine Debatte um eine Verschärfung des Waffenrechts entbrannt. Vielerorts kam es zu Protesten. Schüler kritisierten in TV-Interviews die mangelnde Bereitschaft der US-Regierung, die Waffengesetze zu verschärfen und so für sichere Schulen zu sorgen.

Unter diesem Druck erklärte Trump am Dienstag, er habe das Justizministerium angewiesen, eine entsprechende Verordnung auszuarbeiten, um Schnellfeuerkolben zu verbieten. Mit „Bump Stocks“ können halbautomatische Waffen so schnell schießen wie Maschinengewehre. Einen solchen Aufsatz hatte im Oktober 2017 etwa der Attentäter von Las Vegas benutzt und so 58 Menschen getötet.

Das Justizministerium hat in der Vergangenheit allerdings darauf hingewiesen, dass es das Verbot solcher Waffenumbauten zwar empfehlen, aber nicht selber durchsetzen könne. Dies sei Aufgabe des Gesetzgebers.

Im US-Kongress war das Verbot von Schnellfeuerkolben nach der Tat in Las Vegas kurz behandelt worden. Dann geriet es in Vergessenheit. Geschehen ist seither nichts.

Trump macht sich für Hintergrund-Checks stark

Trumps nun unternommener Vorstoß halten Anti-Waffen-Organisationen nicht für ausreichend. „Diese Aktion alleine geht nicht weit genug", sagte John Feinblatt, Vorsitzender von Everytown for Gun Safety, eine Organisation, die sich gegen Waffengewalt einsetzt, den „Daily News“.

Ein bloßes „Bump-Stock“-Verbot sehen Waffengegner zwiespältig: Einerseits könnte damit verhindert werden, dass Waffennarren aus halbautomatischen Waffen so etwas wie vollautomatische Maschinengewehre machen, deren Besitz selbst in den USA nicht legal ist. Gleichzeitig sehen sie aber auch die Gefahr, dass damit der Druck abnimmt, etwa Waffen aus dem Verkehr zu ziehen, die mit der Vorrichtung noch gefährlicher gemacht werden.

Menschen überall in Amerika verlangten, dass die politische Führung konsequent dafür eintritt, die Zahl der Waffendelikte zu reduzieren, sagte Feinblatt. „Das Weiße Haus und der Kongress müssen viel mehr tun, das beginnt mit Gesetzen, die Hintergrund-Checks bei jedem Waffenkauf vorschreiben.“


Ob Trump ihn gehört hat? Am Dienstagabend jedenfalls twitterte der US-Präsident: „Egal ob Republikaner oder Demokraten, wir müssen nun den Fokus auf eine Stärkung von Hintergrund-Checks legen.“

Fast zeitgleich mit der Attacke des US-Präsidenten gegen Schnellfeuer-Vorrichtungen erteilte das Parlament von Florida einer Verschärfung des Waffenrechts eine klare Absage. Dabei ging es um ein Gesetz, das ein Verbot bestimmter halbautomatischer Gewehre etwa des Typs AR-15 und großer Magazine eingeleitet hätte. Auf der Tribüne des Parlaments in Tallahassee brachen Schüler der attackierten Schule in Parkland daraufhin in Tränen aus.

Am Mittwoch wollen Überlebende des jüngsten Massakers in Floridas Hauptstadt für schärfere Gesetze demonstrieren. In verschiedenen anderen Bundesstaaten kündigten Schüler Streiks mit dem gleichen Ziel an. Aus Maryland wollen sich am Mittwoch Gruppen auf den Weg in die Hauptstadt Washington DC machen, um Abgeordnete im Kongress zur Rede zu stellen. Für den 20. April wurde zu einem nationalen Schulausstand aufgerufen.

Zu den Unterstützern der Proteste gehören auch US-Schauspieler George Clooney und seine Ehefrau Amal. Sie spenden eine halbe Million Dollar für die Demonstrationen gegen Waffengewalt und wollen selbst an Protestmärschen, die für den 24. März in Washington und anderen Städten geplant sind, teilnehmen. Auch US-TV-Star Oprah Winfrey kündigte an, 500.000 Dollar an die Bewegung zu spenden.

Das Weiße Haus kündigte am Dienstag ein Treffen des US-Präsidenten mit Schülern und Lehrern an, an dem auch Vertreter der Schule in Parkland teilnehmen sollen.

Mit Material von DPA