Die acht wichtigsten Fragen und Antworten zum historischen Trump-Kim-Gipfel

Der historische Gipfel zwischen dem US-Präsidenten und Nordkoreas Diktator steht bevor. Wie der Zeitplan aussieht und was bei einem Scheitern passieren könnte.


In Singapur beginnt in der Nacht zu Dienstag der historische Gipfel von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Was sind die Streitpunkte? Wann gibt es Ergebnisse? Und was passiert im Fall des Scheiterns? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Worum geht es?

Die USA sind wegen Atomprogramms der Nordkoreaner besorgt. Raketen mit Nuklearsprengköpfen aus dem Land können nach Meinung von Experten mittlerweile so weit fliegen, dass sie auch US-Metropolen erreichen könnten.

Die Regierung von Präsident Donald Trump forderte deshalb ursprünglich eine komplette, verifizierbare und unumkehrbare Denuklearisierung Nordkoreas. Außerdem sollte es schnell gehen.


Inzwischen hat Trump seine Erwartungen gesenkt. Er bezeichnete den Gipfel als ersten Schritt eines längeren Prozesses. Im Gegenzug gegen Abrüstung will er Nordkorea Sicherheitsgarantien geben und Bedingungen für eine wirtschaftliche Entwicklung des armen Landes schaffen. Was Nordkorea genau will, ist noch weniger bekannt und umstritten. Einige Experten glauben, dass Nordkorea nie seine Atomwaffen aufgeben werde.

Denn sie gelten als Sicherheit gegen Versuche, das Regime zu stürzen, und Angriffe der USA. Andere glauben, dass Nordkoreas Führer Kim Jong Un verhandlungsbereit ist, da er seine Wirtschaft entwickeln will. Allerdings werde er für Zugeständnisse einen hohen politischen und wirtschaftlichen Preis verlangen.

Wie läuft der Gipfel ab?

Läuft alles nach Plan, dann wird es in Singapur um 9 Uhr morgens Ortszeit (3 Uhr in Deutschland) zum ersten Treffen zwischen einem amtierenden US-Präsidenten und einem nordkoreanischen Machthaber kommen. Nach einer offiziellen Begrüßung soll es nach Angaben des Weißen Hauses ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Donald Trump und Kim Jong Un geben, bei dem nur die Übersetzer anwesend sein werden.

Trump sagte am Wochenende, er werde schon in der ersten Minute wissen, ob Kim es mit der nuklearen Abrüstung ernst meine.

Nach dem Gespräch der Staatschefs soll es im Tagungsort, dem Luxushotel Capella auf der Insel Sentosa, ein erweitertes bilaterales Treffen zwischen den Delegationen aus Amerika und Nordkorea geben. Aufseiten der US-Regierung werden daran auch Außenminister Mike Pompeo, Stabschef John Kelly und der Nationale Sicherheitsberater John Bolton teilnehmen.


Anschließend kommt es zu einem Arbeitsmittagessen, bei dem auch Pressesprecherin Sarah Sanders, der US-Diplomat Sung Kim sowie Trumps Asienberater Matt Pottinger anwesend sein sollen.

Weitere Programmpunkte nannte das Weiße Haus nicht. Der Gipfel könnte damit also bereits zur Mittagszeit in Singapur – am Morgen in Deutschland – zu Ende sein. Medienberichten vom Wochenende zufolge plant Kim seine Abreise für 14 Uhr. Um 16 Uhr (10 Uhr in Deutschland) will Trump Fragen der Presse beantworten und Singapur dann um 20 Uhr verlassen – früher als ursprünglich geplant. Die Verhandlungen gingen schneller voran als erwartet, hieß es aus dem Weißen Haus.

Was erwarten die Experten?

Es herrscht noch große Spannung, was Trump und Kim an Offerten und Konzessionen in die Verhandlungen bringen werden. Trump hat bisher keine konkreten Details durchsickern lassen. Nicht einmal ein Scheitern wollen die Experten gänzlich ausschließen. Allerdings wäre ein vollständiger Fehlschlag nach den Vorbereitungen eine riesige Überraschung.

Ein Erfolg gilt daher als wahrscheinlicher, gekrönt von einer gemeinsamen Erklärung. Danach könnte ein schrittweiser Prozess folgen, in dem Zugeständnisse Nordkoreas mit Gegenleistungen der USA belohnt werden. Experten schließen aber nicht gänzlich aus, dass Kim mit drastischen Gesten wie der Abgabe von einigen Raketen, Bomben oder spaltbarem Material seinen Willen unterstreicht.

Was gilt als Erfolg?

Die Erwartungen gehen an diesem Punkt weit auseinander. Viele Nordkorea-Experten meinen allerdings, dass Trump und Kim zusätzlich zu einer gemeinsamen Erklärung mindestens einen Zeitplan für die weiteren Verhandlungen vereinbaren müssten, damit der Gipfel als Erfolg gewertet werden kann.


Je konkreter die Vereinbarungen sind, desto mehr kann Trump das Treffen als Erfolg verbuchen. Ob es seinen Kritikern reicht, die bisher in alter Manier eine vollständige und rasche Abrüstung Nordkoreas fordern, würden in dem Fall die kommenden Tage und Wochen zeigen.

Was passiert bei einem Scheitern?

Ein Scheitern des Gipfels birgt die Gefahr, dass die Aggressionen zwischen den USA und Nordkorea, die im vergangenen Jahr in Form gegenseitiger Beschimpfungen von Trump und Kim zu beobachten waren, wieder neu aufflammen. Damals hatten beide Länder mit Atomangriffen gedroht. Der Friedensprozess könnte damit zurückgeworfen werden. Donald Trump bezeichnete den Gipfel als einmalige Chance für Nordkorea.

Beobachter dürften den Gipfel aber auch als ein Scheitern interpretieren, wenn er über einen freundlichen Fototermin hinaus keine substanziellen Ergebnisse bringen dürfte. Dies würde Kim Jong Uns Macht in der Heimat vermutlich stärken: Dann hätte er ohne wesentliche Zugeständnisse ein Treffen mit dem US-Präsidenten errungen – ein Erfolg, der ihm im In- und Ausland Legitimität verschaffen könnte.

Gleichzeitig könnte er damit rechnen, dass seine Schutzmacht China und Südkorea versuchen werden, den Friedensprozess doch noch zu retten.

Wie geht es weiter bei einem Erfolg?

Sollten Trump und Kim mit Blick auf die nukleare Abrüstung zu einer prinzipiellen Einigung kommen, dürften dann die entscheidenden Verhandlungen über die Details beginnen. Entscheidend ist sowohl der Umfang als auch der Zeitplan für die Abrüstung. Beatrice Fihn, Generalsekretärin der Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung, geht davon aus, dass die technische Umsetzung der Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel mehrere Jahre dauern könnte. Die USA werden auf Inspektionen bestehen, die die Abrüstung überwachen.


Dieser Prozess ist hochbrisant. Wie in der Vergangenheit können die Verhandlungen an vielen Streitfragen jederzeit zusammenbrechen. Im besten Fall erwartet die Welt daher eine Achterbahnfahrt mit vielen Aufs und Abs.

Aber wenn die Unterhändler die Probleme nicht lösen könnten, droht der Konflikt in wenigen Monaten wieder aufzuflammen. Die Vereinten Nationen bieten bereits ihre Hilfe an. Die UN seien bereit, bei der Verifizierung der Abrüstung eine Rolle zu spielen, sagte am Montag UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Was will die Schutzmacht China?

Ein wichtiger Mitspieler im Atompoker ist Nordkoreas Schutzmacht China. Die Beziehungen zwischen dem Reich der Mitte und Nordkorea galten allerdings lange als angespannt. Lange versuchte China dennoch, den Handel mit Nordkorea nicht zu sehr abzuschnüren. Denn Peking war ein atomarer Pufferstaat lieber, der die USA ärgert und die Allianz zwischen Südkorea und den USA schwächen könnte, als ein kollabierendes Regime.

Erst mit Trumps Druckkampagne setzte China die Sanktionen immer schärfer um, um Kim an den Verhandlungstisch zu bewegen. Gleichzeitige behielt Peking seine Forderung bei, die Krise durch Dialog und Diplomatie zu lösen, am besten unter chinesischer Führung.

Die Ironie des US-Nordkorea-Gipfels ist nun, dass China in dieser Runde keinen Platz am Pokertisch hat. Kurzfristig sitze es dieses Spiel daher aus, meint Kim Joon Hyung, Professor an der südkoreanischen Handong Global University of Korea. „Aber die Chinesen sind bereit, nach einem Erfolg oder einem Misserfolg wieder mitzumischen.“ Außerdem sind Chinas Strategen nicht nur erleichtert über die innerkoreanische Annäherung. „Sie wollen die Atomfrage lösen, sorgen sich aber, was passiert, wenn Nordkorea in dem neuen Zeitalter auf einmal stärker zu den USA tendiert.“

Welche Rolle spielt der Nachbarstaat Südkorea?

Der stille Held der Annäherung zwischen Trump und Kim fehlt auf diesem Gipfel: Südkoreas Präsident Moon Jae In hat seit seinem Amtsantritt im Mai auch dann noch beharrlich auf Dialog gedrängt, als die USA und Nordkorea die Spannungen immer höher schaukelten.


Dahinter stand nicht etwa blinde Liebe zu Nordkorea, wie viele konservative Südkoreaner dem linksliberalen Präsidenten unterstellten. Vielmehr wollte er einen neuen Krieg verhindern und die Lage zwischen den beiden Staaten der seit 70 Jahren geteilten Nation verbessern. Der alte, verbleichende Traum einer Wiedervereinigung lebt unter Moon wieder etwas auf.

Die vorübergehende Absage des Gipfels durch Donald Trump zeigte allen Moons Bedeutung. Erst telefonierte er mit Kim. Einen Tag später reiste er zu einem Geheimgipfel mit dem Führer, um den Gipfel mit Trump zu retten – mit Erfolg. Diese Rolle wird er jetzt bei Erfolg oder Misserfolg weiter spielen. Bei einem Erfolg wird es in den Verhandlungen weiterhin viele Krisen zu bewältigen geben.

Bei einem Misserfolg ist Moon noch stärker gefordert, den Frieden zu wahren. Und er wird sich der Verantwortung stellen, meint John Delury, Korea- und Chinaexperte an der südkoreanischen Yonsei-Universität. Präsident Moon setze konsistent um, was er für richtig hält. „Bei einem Scheitern wird er sich sofort engagieren und Chinas Präsident Xi wahrscheinlich auch.“ Denn beide hätten schon viel in die Entspannung investiert. „Ein Scheitern ist nicht unbedingt ein Ende des Prozesses“, meint Delury.