Bullenstimmung dank Trump

Der September gilt als der schwierigste aller Handelsmonate. Doch für 2017 irrt die Börsenweisheit. Mit dem Aufschlag von heute kommt der Dax auf ein Plus von sechs Prozent. Bis zum Rekordhoch fehlen keine 150 Punkte.


Donald Trumps Steuerpläne sorgten am Donnerstag für gute Stimmung auf dem Frankfurter Parkett. Mit der größten Abgabenreform seit mehr als drei Jahrzehnten will der US-Präsident die amerikanische Mittelschicht finanziell entlasten. Der Dax schloss, ebenso wie die zweite Frankfurter Reihe, mit einem leichten Plus von 0,4 Prozent bei 12.704 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging mit einem Zugewinn von 0,2 Prozent und 3.563 Punkten aus dem Handel.

Bisher ließ Trump nicht durchblicken, wie sich die Finanzierung der Reform zusammensetzen wird. „Fest steht, dass die Entlastung ordentlich ausfallen soll – wohl im Bereich von drei bis sieben Billionen Dollar in den nächsten zehn Jahren“, sagte Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Die Regierung erhoffe sich davon ein höheres Wirtschaftswachstum und eine breitere Steuerbasis und halte eine Gegenfinanzierung für überflüssig. „Allerdings lehrt die Erfahrung, dass diese Idee häufig utopisch ist“ – insbesondere mit Hinblick auf das bereits bestehende Haushaltsdefizit der USA.

Marktanalyst Milan Cutkovic beim Broker AxiTrader erkennt jedoch: „Die Anleger sind zufrieden allein über die Tatsache, dass sich Trump wieder mit der US-Konjunktur beschäftigt anstatt einen Wortkrieg mit Nordkorea zu führen“.


Analysten gehen davon aus, dass die Steuerpläne den Dollar tendenziell stärken und den Euro schwächen werden. „Grundsätzlich sollte die US-Fiskalpolitik mittelfristig für den Dollar sprechen“, sagte Analyst Tobias Basse von der NordLB. Der Euro verteuerte sich am Donnerstag leicht auf 1,1787 Dollar, lag damit aber noch weiter unter dem Mitte September erreichten Zweieinhalb-Jahres-Hoch von mehr als 1,20 Dollar. Die exportfördernde Schwäche der Gemeinschaftswährung verlieh dem Dax somit ebenfalls Auftrieb.

Zudem passierte der deutsche Leitindex die Marke von 12.670 Punkten. Für den CMC-Markets-Experten Jochen Stanzl ein charttechnisch entscheidender Schritt: „Der Markt steht damit in den Startlöchern für eine mögliche Herbstrallye in den doch eigentlich schwachen Börsenmonaten September und Oktober.“ Nun könne es sehr schnell in Richtung 13.000 Punkte gehen. Die vermutlich zähen Verhandlungen über ein neues Regierungsbündnis in Berlin seien schon wieder in den Hintergrund gerückt, fügte ein Händler hinzu.


Inflation trübt die Verbraucherlaune


Auch bei den Konjunkturnachrichten herrschte Bewegung: Am Morgen wurde der Gfk-Konsumklimaindex für Oktober mit einem Rückgang von 0,1 Punkten vorgestellt. Nach GfK-Experte Rolf Bürkle leide die Stimmung deutscher Verbraucher derzeit unter der angezogenen Inflation. Mit 1,8 Prozent liegt diese über dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 1,5 Prozent. Gemessen am Verbraucherpreisindex erfuhr die Teuerungsrate damit im Vergleich zum August einen Anstieg von 0,1 Prozent.

Ihre Einkommensaussichten schätzten Verbraucher im September erstmals seit mehreren Monaten pessimistischer ein. Die Konjunkturerwartung hingegen legte zu – und zwar um drei Zähler auf 33,4 Punkte.

Mit Blick auf die Einzelwerte des deutschen Leitindex zeigte sich ein deutlicher Zugewinn im Finanzsektor. Dank anziehender Zinsen konnten Bank-Aktien ihr Vortagesplus weiter ausbauen. Die Deutsche Bank führte den Dax mit einem Plus von 2,7 Prozent an. Scheine der Commerzbank legten zeitweise um 1,9 Prozent zu. Als kursstützend werteten Börsianer den Anstieg der Renditen an den Kapitalmärkten, gerade in den USA. Damit verbessern tendenziell sich die Ertragsaussichten der Banken im Geschäft mit Anleihen und Krediten.


Dax-Schlusslicht war der Pharmakonzern Merck. Die Anteilsscheine des Unternehmens gaben um 2,7 Prozent nach. „Die zurückhaltenden Aussagen zum Gesamtjahresausblick lasten auf der Aktie“, sagte ein Börsianer. Der Vorstand glaube zwar immer noch, dass das Unternehmen 2017 im Rahmen seiner Prognose abschneiden werde, sagte Finanzchef Marcus Kuhnert am Donnerstag auf einem Kapitalmarkttag mit Analysten – „Aber es ist verdammt schwierig.“

Gegenwind kommt vor allem von Währungseffekten und einem schwächeren Geschäft mit Flüssigkristallen. Merck hatte Anfang August die Umsatzprognose wegen geänderter Wechselkursannahmen auf 15,3 bis 15,7 Milliarden Euro von zuvor 15,5 bis 16 Milliarden gesenkt. Das Ziel eines bereinigten Betriebsgewinns (Ebitda) von 4,4 bis 4,6 Milliarden Euro aber bekräftigt. Damals hatte Kuhnert jedoch schon gewarnt, dass der Weg dorthin „kein Spaziergang im Park“ werde.

Ein Ruck ging am Donnerstagmorgen durch die Startup-Branche: Das Beteiligungsunternehmen Rocket Internet verkaufte die Hälfte seiner Delivery Hero-Anteile für 600 Millionen Euro an die Medien- und Internetgruppe Naspers. Im SDax – dem Index der Nebenwerte – zogen die Papiere von Rocket Internet um 4,9 Prozent an; die von Delivery Hero gewannen 0,5 Prozent.

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KONTEXT

Welche politische Risiken Anlegern 2017 noch drohen

Mueller-Ermittlungen

Die andauernden Untersuchungen des US-Sonderermittlers Robert Mueller stellen eine latente Bedrohung für die Aktienmärkte dar. Seit dem 17. Mai geht der frühere FBI-Direktor möglichen Verbindungen von US-Präsident Donald Trump zu russischen Regierungskreisen nach. Über den momentanen Stand der Ermittlungen lässt sich nur mutmaßen - Mueller gibt keine öffentlichen Stellungnahmen ab.

Quelle: Die japanische Bank Nomura hat die politischen Risiken für die Märkte in den kommenden Monaten erfasst.

politischen Risiken für die Märkte

Bundestagswahl

Auch wenn ein Kanzlerwechsel hierzulande derzeit unwahrscheinlich erscheint: Die Bundestagswahl am 24. September wird an den Börsen genau beobachtet werden. Denn eine Veränderung der bestehenden Regierungskoalition sowie das Erstarken populistischer Kräfte könnte auf Anlegerseite ebenso zu Unsicherheiten führen.

EZB-Sitzungen

Tagt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), spitzen alle Börsianer ihre Ohren. Was EZB-Chef Mario Draghi bei der obligatorischen Pressekonferenz verkündet, hat mitunter gravierende Auswirkungen auf den Kursverlauf. Derzeit steigt der Druck auf die Notenbanker ihre ultralockere Geldpolitik - ob der guten Wirtschaftslage - zu beenden. Konkrete Ankündigungen werden im Herbst erwartet, nachdem Draghi Anleger auf der Sitzung Anfang September erneut vertröstet hatte.

BoE Inflation Report

Im Zuge der Brexit-Verhandlungen kommt den Berichten der Bank of England (BoE) besondere Bedeutung zu. Der nächste vierteljährliche Inflationsreport der britischen Zentralbank erscheint am 2. November. Laut dem Finanzinstitut würden die Auswirkungen des Brexit für britische Bürger schon jetzt durch steigende Lebensmittelpreise spürbar. Zuletzt hatte die Bank die Aussicht auf Wirtschafts- und Einkommenswachstum zurückgeschraubt und die Inflationsprognose auf 2,7 Prozent erhöht.

OPEC-Sitzung

Am 30. November findet die nächste Tagung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) statt - ein Schicksalstag für alle Anleger. Zuletzt hatte die OPEC eine gemeinsame Produktionskürzung beschlossen, um den Ölpreis zu stabilisieren und eine Übersättigung zu verhindern. Die Vereinbarung - mit einer Laufzeit bis Ende März 2018 - wurde jedoch nicht von allen Ländern eingehalten.

Fed-Spitze

Die erste Amtszeit der derzeitigen Fed-Chefin Janet Yellen endet im Februar 2018. Ob US-Präsident Donald Trump ihr eine zweite zugesteht, ist ungewiss. Lange Zeit galt Trump als harscher Kritiker von Yellens Niedrigzinspolitik. Neben Yellen wird der Ex-Vizechef von Goldman Sachs, Gary Cohn, als aussichtsreicher Kandidat für den Fed-Chefposten gehandelt.