Trumps Handelspolitik sorgt für Verunsicherung bei deutschen Unternehmen

Die deutsche Industrie wird 2018 nach Einschätzung des DIHK so viel im Ausland investieren wie nie zuvor. In Nordamerika planen allerdings weniger Unternehmen als 2017 ein Engagement - vor allem wegen der Handelspolitik von Präsident Donald Trump

Die deutsche Industrie wird in diesem Jahr nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) so viel im Ausland investieren wie nie zuvor. Für 2018 werde ein "Rekordjahr für deutsche Auslandsinvestitionen" erwartet, erklärte der DIHK am Donnerstag. In Nordamerika planen demnach allerdings weniger Unternehmen als 2017 ein Engagement - vor allem wegen des handelspolitischen Kurses der US-Regierung von Präsident Donald Trump.

"Die neue US-Administration sorgt für Verunsicherung", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier dem "Handelsblatt", das zuerst über die DIHK-Umfrage berichtet hatte. "Der protektionistische handelspolitische Kurs könnte internationale Produktionsketten kappen."

Zwar habe die US-Steuerreform die Investitionsneigung gefördert - ausgleichen konnte sie die Zurückhaltung jedoch nicht. "Die Ankündigung und teilweise Einführung von amerikanischen Zöllen auf Stahl und Aluminium sowie mögliche Gegenreaktionen machen Teile des positiven Wirkens der Steuerreform wett", sagte Treier der Zeitung.

Der Umfrage des DIHK liegen die Antworten von 5200 Unternehmen zugrunde. Demnach planen 36 Prozent der international aktiven Betriebe für 2018 mit höheren Budgets als noch im vergangenen Jahr. Für 2017 hatten dies noch 33 Prozent der Unternehmen angegeben. Nordamerika verliert als Investitionsstandort für deutsche Unternehmen hingegen an Attraktivität: Dort wollten lediglich 35 statt wie im Vorjahr 37 Prozent der Firmen neu investieren.

Investitionen in den USA seien "aktuell schwerer planbar", erklärte der DIHK. So stelle etwa die Neuverhandlung des Freihandelsabkommens Nafta zwischen den USA, Kanada und Mexiko den Freihandel in der gesamten Region in Frage - und damit eine zentrale Prämisse zahlreicher Investitionsprojekte in Nordamerika. Eine Einigung der drei Staaten über die zukünftige Ausgestaltung des Handelsvertrags scheine "noch immer weit entfernt".

Besonders beliebt bei Investoren ist der Umfrage zufolge Europa: 63 Prozent der Betriebe mit Auslandsaktivitäten planen Investitionen in der Eurozone, vor zwei Jahren waren es nur 55 Prozent. "Je stärker der Gegenwind durch protektionistische Tendenzen weltweit zunimmt, desto mehr gewinnt Europa an Bedeutung", sagte Treier.

Treier erwartet, dass deutsche Unternehmen weltweit in diesem Jahr 200.000 neue Jobs schaffen. Auch Deutschland profitiere: Allein in der Industrie würden 80.000 neue Arbeitsplätze entstehen, in der Gesamtwirtschaft 600.000. Auch in China will die deutsche Industrie 2018 ihre Ausgaben für Investitionsprojekte steigern: Nach 37 Prozent im vergangenen Jahr sagen dies nun 39 Prozent der befragten Unternehmen, die international aktiv sind, wie der DIHK herausstellte.

Zuletzt hatte sich vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter hochgeschaukelt. Als Antwort auf von Washington angekündigte massive Strafzölle kündigte Peking am Mittwoch an, ebenfalls hohe Zölle auf zahlreiche US-Produkte wie Sojabohnen und Autos erheben zu wollen.

Diese Entwicklung müsse "insgesamt ernst" genommen werden, sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Matthias Machnig (SPD), im ARD-"Morgenmagazin". Zugleich habe die US-Seite zuletzt auch Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Ich hoffe, dass die Gesprächskanäle jetzt genutzt werden", sagte Machnig. "Am Ende ist es immer ein Verlust für alle Beteiligten, wenn es zu Handelskonflikten kommt."