Trumps Handelskrieg: Ist das Defizit der USA nur erschummelt?

Donald Trumps Devise lautet „America First“. Ist er deshalb auch bereit, ein wenig zu tricksen? (Bild: Getty Images)

Seit Jahren beklagt Donald Trump, dass die USA im Welthandel über den Tisch gezogen werden. Doch stimmt das mit der Realität überein? Finanzanalysten sagen Nein. Die Vereinigten Staaten würden in Wahrheit einen enormen Überschuss erwirtschaften.

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil: So könnte man etwas flapsig eine Analyse betiteln, die kürzlich von Ökonomen der Deutschen Bank erstellt wurde. Wie das US-Nachrichtenportal „Bloomberg“ berichtet, sind die Finanzexperten des Kreditinstituts zu dem Schluss gekommen, dass die USA einen jährlichen Handelsüberschuss von 1,4 Billionen Dollar (1,2 Billionen Euro) erzielen.

Aber warum spricht US-Präsident Donald Trump dann immer wieder von 550 Milliarden Dollar (468 Milliarden Euro) Verlust pro Jahr? Laut den Fachleuten der Deutschen Bank hat das einen recht einfachen Grund: In Trumps Berechnung finden sich nur Güter, die aus den USA exportiert werden. In diesem Fall stimmt die Zahl von 550 Milliarden Dollar Verlust per annum.

iPhones, die von US-Firmen in China abgesetzt werden, fehlen in der Handelsbilanz. (Bild: Getty Images)

Diese Rechenmethode führe jedoch in die Irre, so die Experten. Denn man müsse auch jene Produkte in die Handelsbilanz miteinbeziehen, die von US-Firmen im Ausland verkauft werden. Der Deutsche-Bank-Analyst Zhang Zhiwei sagte gegenüber dem Fernsehsender n-tv: „US-Unternehmen haben dem Rest der Welt in den vergangenen zehn Jahren mehr verkauft, als andere Länder den USA verkauft haben.“

Als Beispiel führt der Ökonom an, dass die USA mehr iPhones in China verkaufen würden, als in den Vereinigten Staaten selbst. Da der Handel über Tochterfirmen abgewickelt wird, und die Mobiltelefone deshalb nicht als Exporte gezählt werden, finden sich die immensen Absatzzahlen nicht in der Handelsbilanz. Bei etlichen anderen Produkten sieht es genauso aus, etwa in der Automobilbranche.

In den USA will man diese Rechenart aber nicht hinnehmen. Ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem US-Finanzministerium namens Brad Setzer sagte gegenüber „Bloomberg“, mit solchen Kalkulationen würde man mehr Probleme als Lösungen schaffen.