Trumps Feldzug gegen Obamacare

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Trumps Feldzug gegen Obamacare

Donald Trump lässt trotz seiner Abstimmungsniederlage im US-Senat nicht locker: Er will die Gesundheitsreform von Barack Obama kippen. Was wären die Folgen, wenn er sich damit am Ende doch noch durchsetzt?


Schafft US-Präsident Donald Trump die Gesundheitsreform seines Vorgängers ab oder nicht? Die Reform der  Krankenversicherung und des Affordable Care Act (besser bekannt als „Obamacare“) ist das politische Thema, das in den Vereinigten Staaten die Gemüter momentan am stärksten bewegt.  Ein entscheidender Faktor in der Debatte ist dabei die offizielle Schätzung der Anzahl von Menschen, die bei den bisher präsentierten Vorschlägen aus der Krankenversicherung herausfallen.


Das Haushaltsbüro des Kongresses schätzt, dass bei einem Aus für Obamacare  20 Millionen Menschen ihren formalen Versicherungsschutz verlieren. Das ist verständlicherweise ein großes Hindernis für eine  Reform. Dass viele Menschen ihren Versicherungsschutz verlieren würden, liegt vor allem daran, dass die Medicaid-Abdeckung zurückgehen würde. Medicaid ist das gemeinsame Gesundheitsprogramm der Bundesstaaten. Wer darauf Anrecht hat und welche Leistungen es gibt, bestimmt die Regierung des jeweiligen Bundesstaats. Die Finanzierung erfolgt über eine Formel, laut der Bundesstaaten mit unterdurchschnittlichem Einkommen einen größeren Anteil an den gesamtstaatlichen Geldern bekommen.

Menschen, die Anrecht auf Medicaid haben, erhalten deutlich mehr Gesundheitsleistungen als diejenigen ohne formale Versicherung – mehr Arztbesuche, Verschreibungen, Krankenhausgenehmigungen.  Auch ist ihre Selbstbeteiligung erheblich niedriger als bei Unversicherten, deren Zuzahlungen oft katastrophal hoch sind. So ist die Gefahr für Medicaid-Versicherte, aufgrund von Arztrechnungen andere Rechnungen nicht mehr zahlen zu können oder Besuch vom Gerichtsvollzieher zu bekommen, deutlich geringer.


Würden die Medicaid-Zahlungen verringert, hätten die Betroffenen weiterhin ein Recht auf kostenlose Behandlung in Ambulanzen, Notaufnahmen und Krankenhäusern. Dies wird meist von den Bundesstaaten im Rahmen ihrer „Gratisversorgungsprogramme“ bezahlt. Und diejenigen, die selbst bezahlen müssen, wissen, dass die Träger normalerweise nicht versuchen, die Schulden von Geringverdienern einzutreiben. Darüber hinaus können diejenigen, die nicht mehr im Medicaid-Programm sind, immer noch von den vielen Ärzten behandelt werden, die sich momentan – aufgrund der schlechten Honorare innerhalb des Programms – weigern, Medicaid-Patienten zu behandeln.

Die für das Thema wichtigste Tatsache ist allerdings, dass Medicaid-Mitglieder nicht signifikant gesünder sind als alle anderen. Dies war das Ergebnis eines großen „natürlichen Experiments“, das von der Zentralregierung unterstützt wurde.



Krankenhäuser & Bundesstaaten wären Verlierer der Kürzungen

Dieses Experiment wurde durchgeführt, als der Bundesstaat Oregon 2008 nach vielen Jahren erstmals wieder Medicaid-Anträge annahm. Da der Bundesstaat nicht genügend Geld hatte, um alle 90.000 Antragsteller aufzunehmen, führte er eine Lotterie durch.30.000 Personen erhielten dadurch den Zugang zu Medicaid.

Ein staatlich finanziertes Forscherteam von Ärzten und Gesundheitsökonomen untersuchte die Aufzeichnungen der Krankenhäuser und andere klinische Daten. Ebenso sprachen sie mit den Medicaid-Berechtigten und jenen, die nicht zugelassen wurden. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass sich die selbst eingeschätzte allgemeine Gesundheit unter den Medicaid-Teilnehmern verbessert hatte.

Dies spricht dafür, dass die vorgeschlagenen Kürzungen bei der zentralstaatlichen Finanzierung von Medicaid keinen negativen gesundheitlichen Einfluss auf diejenigen haben, die ihren Versicherungsschutz verlieren. Durch die Kürzungen wären die Bundesstaaten gezwungen, die Ausgaben für ihre Gratisprogramme zu erhöhen. Ebenso würden die Kürzungen zu höheren Kosten für Krankenhäuser führen, die ihre Pflegekosten nicht erstattet bekommen.


Durch die Kürzung der Medicare-Aufwendungen würden also die Kosten von zig Millionen Patienten den Bundesstaaten und Krankenhäusern aufgebürdet. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gouverneure und Krankenhausleiter in den Bundesstaaten gegen diese Vorschläge protestieren. Aber für die Öffentlichkeit und die Kongressmitglieder ist es wichtig, den wahren Grund für ihren Widerstand zu kennen.