Trumps Anwalt verliert die Beherrschung

Der Anwalt Marc Kasowitz arbeitet seit 15 Jahren für Donald Trump

Unter dem Druck der Russland-Affäre hat US-Präsident Donald Trump schon öfter seinen Frust herausgelassen - nun tat dies auch sein Anwalt. Und Marc Kasowitz ging dabei sogar noch weiter als sein Mandant, indem er einen Kritiker mit einem Schwall vulgärer Beschimpfungen und Drohungen überschüttete. Nachdem dies am Donnerstag (Ortszeit) öffentlich wurde, entschuldigte er sich.

Der anonyme Kritiker hatte Kasowitz in einer E-Mail aufgefordert, den Präsidenten nicht mehr zu vertreten. Der Anwalt antwortete darauf mit zwei Mails, in denen er den Kritiker wüst beleidigte und ihn warnte, er solle "achtgeben". Kasowitz drohte: "Ich weiß bereits, wo Du wohnst. Ich habe Dich im Blick. (...) Du wirst mich sehen. Das verspreche ich. Bruder."

Die Mails wurden von der Website "ProPublica" veröffentlicht. Der Kasowitz-Kritiker sagte der Plattform, er sei derart alarmiert über die Mails gewesen, dass er die Bundespolizei FBI kontaktiert habe. Bei dem Mann handelt es sich nach Angaben der Website um einen pensionierten PR-Experten.

Kasowitz entschuldigte sich in einer Mail, die sein Sprecher an "ProPublica" sandte. Er hätte nicht "in dieser unangemessenen Weise" auf die Kritik reagieren sollen, hieß es darin. Er würde gerne "die Uhr zurückdrehen, aber natürlich kann ich das nicht". Kasowitz kündigte an, er wolle sich bei dem Mann auch noch persönlich in einer Mail entschuldigen.

Der Kasowitz-Sprecher fügte hinzu, dass die E-Mail mit der Kritik seinen Chef am Ende eines langen Tages erreicht habe, "der um 22.00 Uhr noch nicht vorbei war". Aber natürlich sei dies keine Entschuldigung.

Der Druck auf Trump und damit auch seinen Anwalt war in den vergangenen Tagen durch die Enthüllungen über den ältesten Präsidentensohn nochmals gewachsen. Heraus kam, dass sich Donald Trump junior im vergangenen Jahr inmitten des Wahlkampfs mit einer russischen Anwältin getroffen hatte - in der Erwartung, belastendes Material über die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu erhalten, das angeblich vom russischen Generalstaatsanwalt stammen sollte.

Nach Informationen der Zeitung "New York Times" sollen diese Enthüllungen zu Spannungen zwischen Trump und Kasowitz geführt haben. Der Anwalt vertritt Trump seit 15 Jahren. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte ihn kürzlich als "Pitbull" des Präsidenten beschrieben.

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