Ton zwischen USA und Nordkorea deutlich verschärft

Im Atomkonflikt zwischen den USA und Nordkorea hat sich der Ton deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump schrieb am Mittwoch auf Twitter, das Nuklearwaffenarsenal der Vereinigten Staaten sei "schlagkräftiger als je zuvor"

Im Atomkonflikt zwischen den USA und Nordkorea hat sich der Ton deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump warnte am Mittwoch auf Twitter, das Nuklearwaffenarsenal der Vereinigten Staaten sei "schlagkräftiger als je zuvor". Zuvor hatte er gedroht, die USA würden auf Provokationen aus Nordkorea "mit Feuer und Wut" reagieren. Daraufhin drohte Nordkorea seinerseits mit einem Raketenangriff nahe einem US-Militärstützpunkt im Pazifik.

Trump betonte in dem Kurzbotschaftendienst: "Mein erster Befehl als Präsident war es, unser Atomwaffenarsenal zu erneuern und zu modernisieren. Es ist nun weitaus stärker und schlagkräftiger als je zuvor." Kurz zuvor hatte er Nordkorea eindringlich von weiteren Drohungen abgeraten. Ansonsten würden die USA auf eine Weise reagieren, "wie sie die Welt noch nicht gesehen hat".

Nordkorea drohte daraufhin damit, Raketen in die Nähe des US-Luftwaffenstützpunkts auf der Pazifik-Insel Guam abzufeuern, die gut 3000 Kilometer von Pjöngjang entfernt liegt. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldete, Mittelstreckenraketen vom Typ Hwasong-12 würden auf "Gebiete um Guam" abgefeuert, sobald Präsident Kim Jong Un den Befehl dazu gebe.

Die verbale Eskalation rief international Besorgnis hervor. Die Bundesregierung äußerte sich beunruhigt über das Gebaren der nordkoreanischen Führung. "Die Entwicklung um Nordkorea bereitet uns große Sorge", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe). Eine direkte Wertung von Trumps Äußerungen vermied sie.

Frankreich lobte dagegen die "Entschlossenheit" Trumps. Ein Regierungssprecher in Paris betonte, kein US-Präsident könne es akzeptieren, wenn Teile des Staatsgebiets mit atomar bestückten Raketen bedroht würden.

China als wichtigster Verbündeter Nordkoreas rief beide Seiten zur Mäßigung auf. Washington wie Pjöngjang sollten "Worte und Taten" unterlassen, die die Spannungen steigern könnten, erklärte die Regierung in Peking.

Laut einem Bericht der "Washington Post" hat Pjöngjang seine atomaren Fähigkeiten ausgebaut. Nordkorea habe einen Nuklearsprengkopf entwickelt, der klein genug für seine Interkontinentalraketen sei, heißt es in der Zeitung unter Berufung auf eine geheime Analyse des US-Militärgeheimdienstes (DIA). Allerdings ist laut dem Bericht unbekannt, ob Nordkorea die neuen Miniatur-Sprengköpfe bereits getestet hat.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte, Washington strebe weiterhin eine friedliche Lösung des Konflikts mit Nordkorea an. Die USA seien aber auch bereit, militärische Mittel einzusetzen, um sich selbst und ihre Verbündeten zu verteidigen. Auch Trump äußerte in seinem Tweet die Hoffnung, das eigene Atomwaffenarsenal "nie" einsetzen zu müssen.

Pjängjang treibt trotz internationaler Sanktionen sein Raketen- und Atomwaffenprogramm seit Jahren voran. Im Juli testete Nordkorea zwei Interkontinentalraketen, mit denen das Land nach Einschätzung von Experten das US-Festland treffen könnte. Der UN-Sicherheitsrat hatte erst am Samstag die Strafmaßnahmen gegen Nordkorea verschärft, um Pjöngjang zum Einlenken zu bewegen.

Am Mittwoch landete US-Außenminister Rex Tillerson auf der Pazifik-Insel Guam zwischen. Für das US-Außengebiet bestehe keine "unmittelbare Bedrohung", sagte Tillerson. Er wertete Trumps Drohung als "starke Botschaft" in einer Sprache, die der nordkoreanische Machthaber "verstehen" könne. Auf der Insel sind rund 6000 US-Soldaten stationiert.

Guams Gouverneur Eddie Calvo reagierte gelassen auf die Drohungen aus Pjöngjang. Das US-Außengebiet sei "auf alle Eventualitäten vorbereitet", sagte Calvo in einer Fernsehansprache. Guams Sicherheitsberater George Charfauros sagte, die 162.000 Inselbewohner sollten sich "entspannen und das Paradies genießen".

In den USA gab es jedoch auch Kritik an Trumps Äußerungen. Der republikanische Senator John McCain sagte, "große Führungspersönlichkeiten" drohten ihren Feinden nur, wenn sie auch zum Handeln bereit seien. "Ich bin mir nicht sicher, ob Präsident Trump bereit ist zu handeln", betonte er.