Trump vs. Bezos: Amazon-Aktionäre können aufatmen - oder doch nicht?

Martin Weiß
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Amazon: Diese Prognose darf nicht aufgehen

Die Sorge der Anleger vor einer Privatfehde zwischen US-Präsident Donald Trump und Amazon kostete die Aktie am Mittwoch rund 4,5 Prozent an Wert – und die Aktionäre mehrere zehn Milliarden Dollar an Börsenwert. Jetzt gibt es Entwarnung: Das Weiße Haus plant keine Strafaktionen. Noch nicht.

Amazon tendiert am Donnerstag im vorbörslichen Geschäft rund 0,3 Prozent fester bei 1.435 Dollar. Am Vortag war die Aktie  des E-Commerce-Schwergewichts ins Wanken geraten und hatte 65 Dollar an Wert eingebüßt. Dem Kursrutsch vorausgegangen war der Artikel eines amerikanischen Online-Portals, wonach US-Präsident mit verschiedenen Perosnen mögliche Strafaktionen gegen den Online-Händler diskutiert habe. 

Aus dem Weißen Haus hieß es zunächst dazu: Wir planen nichts in dieser Richtung.

Die Gretchenfrage: Was ist dieses Statement, obwohl offiziell, wert? Der US-Präsident hat bekanntermaßen ein eigenwilliges Verhältnis zur Wahrheit und was seine Aussagen, Zusagen und Ankündigungen betrifft, hält er es wohl mit Konrad Adenauers "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?".

Fakt ist: Trump mag Bezos nicht, weil dessen Washington Post in der Vergangenheit negativ über ihn schrieb. Dass der Selfmade-Milliardär – Bezos, nicht Trump – zudem viel reicher ist, dürfte ihm ebenfalls keine Sympathiepunkte einbringen. Abgesehen davon ist Trump überzeugt, dass das Wachstum bei Amazon zu Lasten des stationären Einzelhandels und kleiner Familienbetriebe geht und sich der Konzern um seine Steuerverpflichtung drückt. 

So weit, so bekannt. Wie geht es weiter? DER AKTIONÄR glaubt nicht, dass das Thema "Amazon" für Trump vom Tisch ist. Der US-Präsident ist eitel, kleinlich und außerdem nachtragend und dürfte deshalb jede Chance nutzen, um Bezos Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Der Tweet des erratischen Politikers am Donnerstag gibt die Richtung vor. Auf Twitter kritisierte er abermals die aus seiner Sicht zu geringen Steuerzahlungen und den Umstand, dass der Konzern die US-Post als (O-Ton) "Lieferburschen" missbrauche.

 

Was passiert jetzt?

An der gestern geschilderten Ausgangslage ändert sich insgesamt nichts. Die Aktie steht derzeit unter Druck und ist unter die horizontale Widerstandslinie bei 1.450 Dollar gerutscht. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursgewinn trotzdem noch immer auf 22 Prozent. Möglich, dass die Bären versuchen aus der negativen Presse Kapital zu schlagen und der Aktie weiter zusetzen. Die nächste Unterstützung findet sich bei 1.339 Dollar, hier verläuft das Korrektur-Tief vom Februar. Die 200-Tage-Line verläuft bei 1.156 Dollar.