Trump vs. Amazon: So besessen ist der US-Präsident von dem Online-Versandhändler

Immer wieder attackiert Donald Trump den Online-Giganten Amazon. (Bild: Getty Images)

Der US-amerikanische Präsident holt erneut gegen den Online-Riesen Amazon aus. Dabei geht es ihm angeblich nur um die Marktmacht des Händlers. Ein Medienbericht enthüllt nun aber weitere Gründe für Trumps Wut und legt offen, wie besessen der Präsident von dem Online-Shop wirklich ist.

Am Osterwochenende ließ Donald Trump seiner Wut auf den Tech-Giganten Amazon wieder einmal freien Lauf und warf dem Konzern auf Twitter vor, er würde der amerikanischen Post und den Einzelhändlern schaden.


„Nur Dummköpfe oder Schlimmere sagen, dass unsere Post, die wirtschaftliche Einbußen verzeichnet, mit Amazon Geld verdient. Dabei verliert die Post ein Vermögen, aber das wird sich ändern. Außerdem schließen unsere Einzelhändler ihre Geschäfte im ganzen Land, obwohl sie voll Steuern zahlen … keine ausgeglichenen Wettbewerbsbedingungen!“

Dies war nicht die erste Attacke des Präsidenten gegen Amazon und womöglich auch nicht die letzte: Laut einem Bericht des US-Magazins „Vanity Fair“ wolle Trump dem Tech-Giganten wirtschaftlich schaden. Dabei beruft sich das Magazin auf vier anonym bleibende Personen, die dem Weißen Haus nahe stehen. Trump sei besessen von seiner Wut auf Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezos und soll gefragt haben: „Wie kann ich ihm blöd kommen?“ „Das ist Krieg“, zitierte Vanity Fair eine der Personen aus dem Weißen Haus, die ebenfalls angab, Trump sei „außer Kontrolle“.

Trump will Amazon angeblich schaden

Trumps angeblicher Plan, dem Konzern wirtschaftlich zu schaden, könnte womöglich aufgehen. Tatsächlich fiel der Amazon-Aktienkurs nach Trumps Tweet vom Samstag um bis zu fünf Prozent. Schon in der letzten Woche gab der Kurs nach einer Twitter-Attacke Trumps deutlich nach:


„Ich habe meine Bedenken mit Amazon schon lange vor der Wahl bekannt gemacht. Im Gegensatz zu anderen zahlt der Versandhändler nur geringe oder keine Steuern an die Bundesstaaten und Kommunen, sie benutzen unser Postsystem als ihren Lieferjungen (was enorme Verluste für die Vereinigten Staaten bedeutet) und sie drängen Tausende Einzelhändler aus dem Geschäft.“

Der Tweet erschien letzten Donnerstag, einen Tag nach dem Bericht des Online-Portals „Axios“. Laut Bericht wolle der US-Präsident die steuerliche Behandlung von Amazon ändern und dessen Marktmacht begrenzen. Er habe demzufolge gefragt, ob mittels Wettbewerbs- und Kartellrecht gegen den Konzern vorgegangen werden könne. Auch hier stützte sich der Bericht auf fünf anonyme Quellen aus dem Weißen Haus.

Sarah Sanders, Sprecherin des Weißen Hauses, sagte bei der täglichen Pressekonferenz am selben Tag jedoch, dass die Trump-Regierung hinsichtlich Amazon keinen politischen Kurswechsel erwäge.

Warum ist Trump wütend auf Amazon?

Als Grund für die Angriffe auf Amazon wird Trumps Wut auf den Gründer und Chef des Unternehmens Jeff Bezos vermutet. Dieser besitzt neben Amazon auch die „Washington Post“, welche kritisch über den Präsidenten berichtet. Trump warf der Zeitung in der Vergangenheit des Öfteren vor, „Fake News“ zu verbreiten.

Amazon-Gründer Jeff Bezos kaufte 2013 die „Washington Post“. (Bild: AP Photo)

In seinem Tweet vom vergangenen Donnerstag gab Trump selbst an, dass er schon vor der Wahl „Bedenken gegenüber Amazon“ äußerte. Tatsächlich lässt sich seine Wut gegenüber Jeff Bezos bis zum Beginn seiner Wahlkampagne 2015 zurückverfolgen. Immer wieder warf er Bezos vor, die „Washington Post“ als „Steuerschlupfloch“ zu nutzen. Die Zeitung sei laut Trump lediglich ein Vehikel, mit deren Verluste die Gewinne von Amazon kleingehalten werden sollten. Im Dezember 2015 schrieb er:


„Die @washingtonpost, die ein Vermögen verliert, gehört @JeffBezos, um die Steuern bei seiner No-Profit-Firma Amazon niedrig zu halten.“


„Wenn @amazon faire Steuern zahlen müsste, würden dessen Kurse crashen und es würde in sich zusammenfallen wie eine Papiertüte. Der @washingtonpost-Betrug rettet es.“

Jeff Bezos kaufte die „Washington Post“ 2013 für 250 Millionen US-Dollar, was Trump ganz und gar nicht gefiel. Er fühlte sich von der Zeitung nicht ins richtige Licht gerückt. Neben seinen Twitter-Attacken wetterte er auch auf dem US-Sender „Fox News“ gegen Bezos.
Im Mai 2016 sagte er gegenüber dem Sender, dass Bezos steuerlich gesehen mit Mord davonkommen würde und weiter: „Er hat die Zeitung praktisch für nichts bekommen und benutzt sie jetzt als politisches Mittel gegen mich und andere Leute und ich sag Ihnen eines: Wir dürfen ihn so nicht davonkommen lassen.“

Seither scheint Trumps Wut auf Bezos immer wieder aufzuflammen. Im Sommer 2017 nahm Trump erneut Anlauf auf Twitter und kritisierte Bezos, die „Washington Post“ und Amazon:


„Amazon fügt steuerzahlenden Einzelhändlern großen Schaden zu. Ortschaften, Städte und Bundesstaaten in den gesamten Vereinigten Staaten sind davon betroffen – viele Jobs gehen verloren!“


„So viele Storys über mich in der @washingtonpost sind Fake News. Sie sind genauso schlecht wie das quotenschlechte @CNN. Nur Lobbyist für Amazon und Steuern?“

Vor seiner Kampagne zur US-Präsidentschaft im Dezember 2011 schlug Trump allerdings noch ganz andere Töne gegenüber Amazon an:


„Mein neues Buch #TimeToGetTough ist eine großartige Geschenkidee. Einfach zu ordern bei Amazon.“