Trump ruft bei asiatisch-pazifischem Gipfel zu mehr Protektionismus auf

US-Präsident Donald Trump hat beim asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgipfel seine "America First"-Doktrin mit Nachdruck verteidigt. "Wir werden nicht mehr zulassen, dass die USA ausgenutzt werden", sagte Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam

Ein Aufruf zu mehr Protektionismus auf der einen Seite, ein Lob für die Globalisierung auf der anderen: US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping haben am Freitag ihre gegensätzlichen Vorstellungen vom globalen Handel deutlich gemacht. Beim Apec-Gipfel in Vietnam verteidigte Trump mit Nachdruck seine "America First"-Doktrin und wetterte gegen unfaire Handelspraktiken. Xi nannte die Globalisierung "ununmkehrbar". Allerdings räumte er ein, dass sie gerechter gestaltet werden müsse.

"Wir werden nicht mehr zulassen, dass die USA ausgenutzt werden", sagte Trump in seiner Rede vor den Staats- und Regierungschefs der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Danang. "Ich werde Amerika immer den Vorzug geben, genau so wie ich von Ihnen allen hier im Raum erwarte, dass Sie Ihrem Land den Vorzug geben."

Trump überhäufte die Teilnehmerstaaten des Gipfels in seiner Rede zwar immer wieder mit Lob. Zugleich warf er ihnen aber vor, mit ihren Handelspraktiken den US-Interessen zu schaden. Die USA würden "chronischen Handelsmissbrauch nicht tolerieren", sagte der US-Präsident. Trump wirft vor allem China seit langem vor allem sein hohes Außenhandelsdefizit und den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Am Donnerstag hatte Trump bei seinem Staatsbesuch in Peking allerdings versöhnliche Töne angeschlagen und gesagt, er mache China für sein hohes Handelsdefizit keinen Vorwurf. "Wer kann es schließlich einem Land vorwerfen, in der Lage zu sein, zum Wohle seiner Bürger von einem anderen Land zu profitieren?" Der Fehler liege bei früheren US-Regierungen.

Xi, der nach Trump vor die Gipfelteilnehmer trat, sagte, die Globalisierung sei ein "unumkehrbarer historischer Trend". Allerdings müsse der Freihandel "offener, ausgewogener, gerechter und nützlicher für alle" werden. China war dank der Globalisierung innerhalb von drei Jahrzehnten zur Handelsmacht aufgestiegen. Aber das Wachstum ist inzwischen gebremst, Arbeitsplätze gingen verloren, und die soziale Ungleichheit nahm zu.

Am Freitag kündigte China an, seine Finanzmärkte stärker für ausländische Firmen öffnen zu wollen - damit erfüllt das Land eine Hauptforderung der USA und anderer weltweiter Kapitalanleger.

Trump hatte sein Amt im Januar mit der Parole "Amerika zuerst" angetreten und schon nach wenigen Tagen das in jahrelangen Verhandlungen abgeschlossene Freihandelsabkommen TPP gekündigt - nach seiner Auffassung benachteiligt es die USA. Das Abkommen war maßgeblich von Washington vorangetrieben worden. Die zwölf beteiligten Pazifik-Anrainerstaaten wollten damit ein Gegengewicht zu China schaffen.

Verhandlungen der elf verbliebenen TPP-Staaten über eine Rettung des Abkommens steckten in Danang am Freitag fest. Chiles Außenminister Heraldo Munoz sagte nach drei Verhandlungstagen, Kanadas Premierminister Justin Trudeau habe in letzter Minute eine nahezu unterschriftsreife Vereinbarung blockiert und gesagt, er brauche mehr Zeit. Kanada verlange unter anderem mehr Maßnahmen für den Schutz geistigen Eigentums.

Unklar war am Freitag zunächst, ob es am Rande des Apec-Gipfels zu einer direkten Begegnung Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kommen würde. Das Weiße Haus erklärte zu entsprechenden Verlautbarungen aus dem Kreml, ein solches Treffen sei nie bestätigt worden und werde wegen Terminschwierigkeiten auch nicht stattfinden. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte in Danang, ein bilaterales Gespräch zwischen den beiden Präsidenten "am Rande des Gipfels" sei nach wie vor möglich.

Zwischen beiden Staaten bestehen klare Differenzen etwa im Syrien- und Ukraine-Konflikt. Zugleich stehen mehrere Vertreter des Trump-Teams im Verdacht, eng mit Moskau zusammengearbeitet zu haben, um Trump im vergangenen Jahr zum Wahlsieg zu verhelfen.