Trump stellt Corona-Impfstoff und Wirtschaftswunder in Aussicht

US-Präsident Trump (l.) bei Interview im Lincoln-Memorial

Ein Corona-Impfstoff bis Jahresende und eine beeindruckende Erholung der Wirtschaft - mit solchen Beteuerungen will US-Präsident Donald Trump offenbar die Gunst der Wähler zurückgewinnen. Er sei "zuversichtlich", dass sein Land bis Jahresende über einen Corona-Impfstoff verfüge, sagte Trump am Sonntag (Ortszeit) in einen Fernsehinterview im symbolträchtigen Lincoln Memorial in Washington. 2021 werde der Aufschwung nach der Corona-Krise den US-Bürgern ein "unglaubliches Jahr" bescheren.

Trump ließ sich im Lincoln Memorial zwei Stunden lang von zwei Moderatoren des konservativen Senders Fox News sowie von per Video zugeschalteten Bürgern befragen. Dabei drang er erneut auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. "Wir können nicht als Land geschlossen bleiben, wir werden dann kein Land mehr haben", warnte Trump.

Der US-Präsident setzt darauf, dass ein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus demnächst andere Schutzmaßnahmen überflüssig macht. "Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende des Jahres, bis Ende des Jahres einen Impfstoff haben", sagte Trump.

Zugleich räumte er ein, dass Experten seine Einschätzung in Zweifel ziehen könnten. "Die Ärzte werden sagen: 'Das sollten sie nicht sagen'", vermutete der US-Präsident. Er spreche aber aus, was er denke. Seiner Einschätzung nach seien einige Firmen "sehr nah" an einem Erfolg. Wenn ein anderes Land vor den USA einen Impfstoff entwickele, sei ihm das "egal, ich möchte nur einen Impfstoff bekommen, der funktioniert", fügte der Präsident hinzu.

An einem Corona-Impfstoff wird derzeit in aller Welt unter Hochdruck geforscht. Nur mit einigen wenigen Präparaten laufen bereits klinische Tests. Die EU-Kommission organisiert am Montag eine internationale Geberkonferenz für die Entwicklung eines Impfstoffs und andere Mittel gegen die Corona-Pandemie. Laut Weltgesundheitsorganistaion (WHO) dürfte die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs bis zur Marktreife mindestens zwölf bis 18 Monate dauern.

In seinem Interview forderte Trump eine Wiederaufnahme des Schulunterrichts und des Uni-Betriebs in den USA bis September. "Ich möchte, dass sie zurückkommen", sagte er. Auch sollten die Menschen wieder an die Strände gehen dürfen.

Von der US-Wirtschaft erwartet der Präsident nach eigenem Bekunden eine schnelle Erholung von der Corona-Krise. "Wir werden ein unglaubliches folgendes Jahr haben", prognostizierte er.

Die USA sind das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land weltweit. Mehr als 1,15 Millionen Infektionen sowie 67.674 Todesfälle wurden hier bereits registriert.

Nachdem Trump die Opferzahlen immer wieder klein geredet hatte, sagte er voraus, es werde maximal 60.000 Corona-Tote geben. In dem Fox-News-Interview sprach er nun von voraussichtlich mindestens 80.000 oder 90.000 Todesopfern.

Ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl steht Trump wegen seines Krisenmanagements in der Kritik und macht immer wieder mit umstrittenen Äußerungen über das neuartige Coronavirus von sich reden. So hatte der US-Präsident Ende April bei einer Pressekonferenz gesagt, Covid-19-Patienten könnten womöglich mit Lichtbestrahlung oder der Injektion von Desinfektionsmitteln behandelt werden. Später beteuerte er, diese Äußerungen seien "sarkastisch" gemeint gewesen.

In dem Fox-News-Interview kritisierte Trump erneut, die Medien behandelten ihn schlecht und träten ihm mit "Wut und Hass" entgegen. Seinen Umgang mit der Pandemie verteidigte der Präsident als "großartigen Job". "Ich denke, dass wir Millionen Leben gerettet haben", sagte er. Umfragen bestätigen Trumps Selbsteinschätzung allerdings nicht.

Trump äußerte in dem Interview die Hoffnung, drei oder zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl am 3. November wieder Wahlveranstaltungen abhalten zu können. Am Dienstag wollte Trump nach Phoenix im Bundesstaat Arizona fliegen, um eine Fabrik für Medizintechnik zu besuchen. Auch eine Reise nach Ohio ist geplant. Anders als der Präsident kann sein voraussichtlicher demokratischer Herausforderer Joe Biden wegen der Corona-Krise derzeit nicht mit potenziellen Wählern zusammentreffen.