Wie Trump den US-Sport gegen sich aufbringt

Stefan Schnürle
LeBron James (l.) und zahlreiche NFL-Spieler teilen gegen US-Präsident Donald Trump aus

Egal ob NFL, NBA oder MLB: Viele Stars des US-Sports haben nach dessen jüngsten Äußerungen die Nase voll von US-Präsident Donald Trump. Während lange Zeit nur vereinzelt Spieler protestierten, kriegt Trump nun die komplette Breitseite aus drei US-Ligen.

NBA-Superstar LeBron James beschimpfte Trump als "Penner", NFL-Star LeSean McCoy sogar als "Arschloch" - und nun bezieht auch erstmals die MLB öffentlich Stellung gegen den US-Präsidenten.

Am Wochenende kniete mit Bruce Maxwell von den Oakland Athletics erstmals ein Baseballspieler während der US-Hymne. Sein Mitspieler Mark Canha legte zudem als Zeichen der Unterstützung seine Hand auf die Schulter von Maxwell.

Maxwell verriet, dass er bereit seit langer Zeit über diese Aktion nachgedacht hatte: "Meine Entscheidung ist seit langer Zeit gereift. Ich war lange Zeit unentschlossen, weil ich wusste, dass noch niemand im Baseball das je getan hatte."

Trump entfacht Stürm der Entrüstung

Der MLB-Spieler dürfte nicht der einzige Sportler sein, der insgeheim schon länger von Trump enttäuscht war, seine Meinung jedoch nicht öffentlich kundtat.

Mit seinen jüngsten Attacken hat Trump nun aber einen Sturm der Entrüstung entfacht, den er kaum mehr stoppen kann.


Bei einer Veranstaltung in Alabama hatte Trump am Freitag Abend die NFL-Teambesitzer aufgefordert, Spieler zu feuern, die aus Protest bei der US-Hymne knien: "Würdet ihr es nicht lieben, wenn jemand unsere Flagge verachtet und der Eigner darauf sagt, 'nehmt den Hurensohn vom Feld. Er ist gefeuert. Er ist gefeuert'."

NFL-Teambesitzer kritiseren Trump

Die Antwort zahlreicher Teambesitzer folgte prompt. "Die herzlosen und beleidigenden Kommentare des Präsidenten sind widersprüchlich zu dem, für das dieses großartige Land steht", heißt es zum Beispiel in der Mitteilung des Besitzers der San Francisco 49ers, Jed York.

Sogar der bekannte Trump-Unterstützer und Patriots-Besitzer Robert Kraft kritisierte das Staatsoberhaupt scharf: "Ich bin zutiefst enttäuscht vom Ton der Aussagen, die der Präsident am Freitag tätigte. Es gibt nichts, das dieses Land so sehr verbindet wie der Sport. Und unglücklicherweise nichts, das es so spaltet wie die Politik."

Auch Shahid Khan, mehrfacher Milliardär und Jaguars-Eigentümer, beteiligte sich am Hymnen-Protest, indem er mit den Spielern seines Teams einhakte - und das, nachdem er Trumps Wahlkampf mit einer Summe in Millionenhöhe unterstützt hatte.


Ermutigt von der Untersützung ihrer Besitzer folgte am Sonntag dann der Massenprotest der NFL-Spieler. Insgesamt saßen oder knieten mehr als 100 Spieler - einige Teams wie die Pittsburgh Steelers erschienen während der Hymne sogar nicht einmal im Stadion, sondern bleiben gleich in der Kabine.

Trump legt erneut nach

Eine klare Botschaft an Trump, der sich daraufhin erneut auf Twitter zu Wort meldete. Stehen mit eingehakten Armen sei "gut", knien "nicht akzeptabel", schreibt Trump. Später legte er nach: "Sportfans sollten keine Spieler dulden, die nicht stolz auf ihrer Land sind. Die NFL sollte ihren Grundsatz ändern."


Die NFL-Spieler gehen mit ihrem Protest dabei durchaus ein Risiko ein. Initiator Colin Kaepernick, der den Protest vor etwa einem Jahr begonnen hatte, als er während der US-Hymne kniete, sucht bis heute ein neues Team.

Trump ist auch bei weitem nicht der einzige US-Amerikaner, der in dieser Aktion eine Respektlosigkeit gegenüber der amerikanischen Flagge sieht. In vielen Stadien hörte man an diesem Wochenende Pfiffe, als sich die Spieler hinknieten.


NBA wird zum Problem für Trump

Doch auch für Trump birgt es Gefahren, wenn Sportstars öffentlich gegen ihn Stellung beziehen. Diese sind schließlich oftmals Idole von Millionen Menschen und können somit Einfluss auf die Entscheidung von potenziellen Wählern nehmen.

Sein größtes Problem hat sich Trump am Wochenende dabei wohl mit der NBA geschaffen, in der - anders als in der NFL und MLB - die absoluten Superstars ihrer Sportart gegen Trump austeilen.

Ins Rollen brachte dies Trumps dünnhäutige Reaktion am Samstag, die Einladung ins Weiße Haus für den NBA-Champion Golden State Warriors zurückzuziehen. Zuvor hatte der zweimalige MVP Stephen Curry angekündigt, Trumps Einladung nicht anzunehmen.


LeBron beschimpft Trump als "Penner"

Daraufhin reagierten mit LeBron James, der mit knapp 39 Millionen in etwa so viele Twitter-Follower wie der US-Präsident hat, und Kobe Bryant die größten Basketball-Superstars der letzten 20 Jahre voller Zorn.

Während Bryant dem US-Präsidenten vorwarf, "Zwietracht" und "Hass" zu schüren, wurde LeBron noch deutlicher: "Du Penner. Stephen Curry hat schon gesagt, dass er nicht kommt. Also gibt es keine Einladung. Ins Weiße Haus zu kommen, war eine große Ehre, bis du aufgetaucht bist".


Fast anderthalb Millionen Menschen versahen diesen Tweet innerhalb eines Tages mit einem Herzchen.

Nur Robin Lopez, Center der Chicago Bulls, sah die Ausladung der Warriors entspannt. Er glaubt, dass Einladungen von Trump ins Weise Haus sowieso bald wertlos sind: "Das ist schon ok, Warriors. In einigen Monaten wird Donald Trump vermutlich selbst nicht mehr das Weiße Haus besuchen können."