Trump sucht den neuen Fed-Präsidenten


US-Präsident Donald Trump hat sich laut einem Insider mit dem Ökonomen Kevin Warsh getroffen, um über die künftige Besetzung der Zentralbankspitze zu sprechen. Die Information der Nachrichtenagentur Reuters deckt sich mit einem Bericht des „Wall Street Journal“ vom Freitag, das sich auf einen nicht näher genannten Vertreter des Weißen Hauses bezieht. Das Präsidialamt bestätigte lediglich das Treffen, ließ den Inhalt der Unterredung jedoch offen.

Warsh, ein früherer Direktor der US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, gilt als Vertrauter Trumps und wird bereits seit längerem als ein möglicher Kandidat für den Chef-Posten der Fed gehandelt. Der 47-jährige wurde 2006 von George W. Bush ins Direktoren-Gremium der Fed berufen und war der bisher jüngste Direktor. 2011 verließ er die Notenbank. Warsh gilt als Vertreter einer restriktiven Geldpolitik mit hohen Leitzinsen.


Aktuelle Fed-Präsidentin ist Janet Yellen, deren Mandat Anfang Februar 2018 ausläuft. Ob Trump Yellens Vertrag verlängern wird, ist offen. Der Republikaner hatte sie im Wahlkampf attackiert und als Erfüllungsgehilfin seines demokratischen Vorgängers Barack Obama bezeichnet. Zuletzt hatte er ihre Führungsrolle jedoch in zunehmend milderem Licht dargestellt und auch eine Verlängerung ihres Vertrags nicht ausgeschlossen.

Laut dem Wall Street Journal hat sich Warsh auch mit Finanzminister Steven Mnuchin getroffen. Neben Warsh seien noch weitere Kandidaten um das Fed-Chefamt im Rennen – auch Yellen, so das Blatt. Yellen hatte den Posten von Ben Bernanke im Jahre 2014 übernommen und gilt tendenziell als Taube, ein Verfechter lockerer Geldpolitik mit niedrigen Zinsen.

Lange Zeit galt Trumps oberster Wirtschaftsberater Gary Cohn als ein Favorit für den Fed-Führungsposten. Cohn, 57, fing Anfang der 1990er-Jahre bei Goldman Sachs als Rohstoffhändler an und arbeitete sich über die Jahre hoch bis zur Nummer zwei der weltgrößten Investmentbank. Er galt als Nachfolger von Langzeit-CEO Lloyd Blankfein, vor allem nachdem dieser krank geworden war. Doch das Warten auf den Chefposten zahlte sich nicht aus. Also ergriff er die Chance, strich die Segel und nahm den gewichtigen Beraterposten im Trump-Kabinett an.


In der engeren Wahl soll Cohn aber nicht mehr sein. Offenbar fiel er mit kritischen Äußerungen zu Reaktionen des Präsidenten auf rechtsextreme Ausschreitungen in Virginia in Ungnade. Medien hatten einhellig darüber berichtet, dass interne Quellen davon sprachen, Trump sei sehr erzürnt über die direkten Worte gewesen und habe gar eine sofortige Demission in Erwägung gezogen.

Im Kreis der Kandidaten für den Chefsessel der weltwichtigsten Notenbank fiel auch immer wieder der Name John Taylor. Der Stanford-Ökonom entwickelte die für den Leitzins lange Zeit maßgebliche Taylor-Regel und beriet bereits die Präsident Gerald Ford und George W. Bush. Weiterhin kursieren die Namen John Allison, ehemaliger CEO der Bank und Investmentgesellschaft BB & amp;T und Glenn Hubbard, Ökonom an der Universität Columbia. Trump sagte am Freitag in Washington er werde sich innerhalb der kommenden drei Wochen entscheiden.