Trumps Strafzölle verschärfen Schwächephase des Dax

Ein Handelskrieg würde vor allem den deutschen Aktienmarkt treffen. Dabei hinkt der Dax anderen Indizes bereits hinterher.


Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Zölle auf Stahlimporte in Höhe von 25 Prozent zu erheben, zeigt schnell Wirkung. Aus Angst vor einem weltweiten Handelskrieg brechen die Aktienkurse deutlich ein.

Am deutschen Aktienmarkt gibt es am Freitag im Vergleich zu anderen europäischen Märkten das größte Minus: Der Dax hatte im Vormittagshandel rasch mehr als zwei Prozent verloren und rutschte somit erstmals seit August wieder unter die Marke von 12.000 Punkten. Der Euro Stoxx 50 als europäische Benchmark verlor 1,6 Prozent.

„Von Handelskriegen ist kaum ein Land so negativ betroffen wie das exportlastige Deutschland“, erläutert Robert Halver, Kapitalmarktstratege bei der Baader Bank. „Deutschland hängt an der Weltwirtschaft wie ein Insekt am Fliegenfänger.“


Bereits seit längerer Zeit entwickeln sich sowohl der deutsche Aktienmarkt als auch der europäische Euro Stoxx 50 im Vergleich zu den US-Indizes deutlich schwächer. So liegt der Dax im Vergleich zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr leicht im Minus, der Dow Jones hingegen hat in diesem Zeitraum ein Plus von 16 Prozent erzielt.

Seit einiger Zeit fällt der Dax sogar stärker als der Euro Stoxx 50. Bei einem weiter drohenden Handelskrieg würde sich auch die bereits eingesetzte Underperformance des deutschen Aktienmarkts im Vergleich zu denen anderer europäischer Länder fortsetzen, meint Halver.

Neues Jahrestief für den Dax

Und mit dem heutigen Handelstag haben sich die Aussichten für den deutschen Leitindex eher verschlechtert: Das deutsche Börsenbarometer hat mit dem Rutsch unter die Marke von 12.000 Punkte das bisherige Jahrestief (12.003 Punkte, Anfang Februar) unterboten – für Charttechniker ein negatives Zeichen.

Auch die 200-Tagelinie signalisiert, dass die Phase fallender Kurse länger dauern dürfte, als viele Anleger erwarten. Diese Linie wird von vielen längerfristigen Investoren beachtet. Eine steigende 200-Tagelinie signalisiert ein positives Aktienumfeld und umgekehrt. Doch seit einigen Tagen fällt diese Linie, die derzeit bei 12.733 Punkten liegt.

„Nachdem bislang bei Aktien ein ,Heile-Welt-Szenario‘ gespielt wurde, werden nun die überzogenen Erwartungen korrigiert“, schreiben die Analysten der Helaba. „Insgesamt scheint die Bereinigung an den Aktienmärkten noch nicht abgeschlossen zu sein. Anleger sollten sich daher mit Käufen vorerst zurückhalten.“

Salzgitter unter Druck

Eine weitere Belastung für die Aktienmärkte sind am heutigen Handelstag zwangsläufig die Aktien der europäischen Stahlwerte. Das größte Minus mit 4,7 Prozent muss das Papier von Salzgitter hinnehmen. Keine Unterstützung für den Aktienkurs ist, dass ein Sprecher des Unternehmens erklärte, zunächst die Details der Entscheidung abwarten zu wollen und dann zu prüfen, „welche konkreten Auswirkungen sich für uns ergeben“. Die Titel des niedersächsischen Unternehmens sind zweitgrößter Verlierer im MDax. Lediglich die Aktie des von einem Bilanzskandal betroffenen Möbelkonzerns Steinhoff verliert mit 13 Prozent mehr.


Eher überraschend ist das deutliche Minus von 4,2 Prozent bei Arcelor-Mittal, dem mit Abstand weltgrößten Stahlkonzern der Welt. Denn das internationale Unternehmen zeigt wenig Sorgen, dass eine protektionistische Politik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump das Geschäft ausbremsen könnte.

Arcelor-Mittal bedient nach eigenen Angaben das US-Geschäft aus den USA heraus. Der Konzern, der 2007 aus der niederländischen Mittal Steel Company und dem luxemburgischen Konzern Arcelor hervorging, hat mehr als zwei Dutzend Standorte im Land, darunter Stahlwerke und Minen.

Glimpflich davon kommen die Aktien von Thyssen-Krupp, die das Stahlgeschäft mit dem Mitbewerber Tata Steel fusionieren wollen. Die Titel verlieren ebenso wie der Papiere Stahlhändlers Klöckner & Co knapp zwei Prozent. Dieser Verlust liegt im Markttrend. Ansonsten gibt es auf europäischer Ebene aufgrund eines möglichen Handelskrieges keine großen Ausreißer.

Fast alle Werte verlieren deutlich. Im Euro Stoxx 50 liegen mit dem irischen Baustoffhersteller Cement Roadstone Holding (CRH) und dem Bierbrauer Anheuser-Busch InBev nur zwei Werte im Plus. Im Dax schafft das nur Beiersdorf.