Früherer Finanzinvestor Powell soll Chef der US-Notenbank werden

Von ihm ist eine weiterhin moderate Zinspolitik zu erwarten: Der frühere Finanzinvestor Jerome Powell soll nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump der neue Chef der Notenbank Fed werden

Von ihm ist eine weiterhin moderate Zinspolitik zu erwarten: Der frühere Finanzinvestor Jerome Powell soll nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump der neue Chef der Notenbank Fed werden. Trump stellte den 64-Jährigen am Donnerstag als seinen Kandidaten für den mächtigen Posten vor. Powell gehört bereits seit 2012 dem Gouverneursrat der Federal Reserve an und hat die lockere Geldpolitik der bisherigen Vorsitzenden Janet Yellen stets unterstützt.

Trump pries Powell bei einem gemeinsamen Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses als herausragende Führungspersönlichkeit: "Er ist stark. Er ist entschlossen. Er ist schlau." In seinen bisherigen fünf Jahren bei der Fed habe Powell parteiübergreifenden Respekt erworben. Er sei ein "Konsensstifter für die vernünftige Geldpolitik, an die er glaubt".

Trump hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er sich eine lockere Geldpolitik zur Stimulierung der US-Konjunktur wünscht. Powell kündigte nun bei seiner Nominierung an, er wolle alles in seiner Macht Stehende tun, um "stabile Preise und ein Maximum an Beschäftigung zu erreichen".

Zugleich betonte der sichtlich bewegte Kandidat, seine Entscheidungen wolle er auf Grundlage "der langen Tradition geldpolitischer Unabhängigkeit" der Notenbank treffen. Powells Nominierung kommt nicht überraschend - US-Medien hatten sie vorausgesagt. Seine Ernennung muss nun noch vom Senat bestätigt werden. Yellens Amtszeit läuft Anfang Februar ab.

Mit der Ernennung Powells bricht Trump abermals mit einer Washingtoner Tradition - jahrzehntelang war es üblich, dass die Präsidenten die von ihrem jeweiligen Vorgänger ernannten Fed-Vorsitzenden im Amt belassen. Trump hätte also die Option gehabt, Yellen nach vier Jahren auf ihrem Posten für eine weitere Amtszeit zu nominieren.

Im Wahlkampf hatte Trump die Fed-Chefin noch als Erfüllungsgehilfin von Präsident Barack Obama attackiert, seit seinem Amtsantritt fand er aber nur noch freundliche Worte für sie. Auch bei der Präsentation des designierten Nachfolgers rühmte er die 71-Jährige als "wunderbare Frau, die einen blendenden Job gemacht" habe.

Zwar hat die Fed seit Trumps Wahlsieg vor einem Jahr den Leitzins bereits drei Mal erhöht, allerdings nur moderat. Der Zins verharrt weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau von 1,0 bis 1,25 Prozent. Auf der Zinssitzung diese Woche hatte die Fed die Rate unangetastet gelassen.

US-Experten mutmaßten, dass Trump sich aus dem einfachen Grund gegen eine weitere Amtszeit Yellens entschied, weil sie von Obama nominiert worden war. Der Präsident ist von dem Ehrgeiz besessen, mit Hinterlassenschaften seines Vorgängers aufzuräumen. Yellen ist Demokratin, ihr designierter Nachfolger wie Trump Republikaner.

Yellen zeigte sich zuversichtlich, dass Powell sich der "zentralen öffentlichen Mission" der Notenbank verpflichtet fühle. In einem knappen schriftlichen Statement ließ sie offen, ob sie weiterhin dem Gouverneursrat der Fed angehören will. Wenn sie will, kann sie bis 2024 in dem Gremium bleiben.

Im Gegensatz zu Yellen und ihren Vorgängern bringt Powell keinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften mit. Er verfügt aber über Berufserfahrung an den Finanzmärkten und im Regierungsapparat. Der studierte Jurist war als Investmentbanker und Abteilungsleiter im Finanzministerium tätig. Später war er Partner der Anlagefirma Carlyle Group und machte in dieser Zeit ein zweistelliges Millionenvermögen.

Die Entscheidung über den Fed-Chef hatte Trump im Stil einer Casting-Show inszeniert. Er machte kein Geheimnis daraus, wen er für den Posten in Betracht zog und zu einem Jobgespräch empfangen hatte. In einer Dramaturgie, die an seine frühere TV-Serie "The Apprentice" erinnerte, schürte der Präsident mit öffentlichen Äußerungen die Spannung. Alle würden von seinem Kandidaten "sehr beeindruckt" sein, kündigte er etwa vergangene Woche an.