Erfahrener Diplomat Huntsman soll US-Botschafter in Moskau werden

Jon Huntsman soll nach Moskau gehen

Angesichts der schwierigen Beziehungen zu Russland soll künftig der erfahrene Diplomat und Politiker Jon Huntsman die US-Interessen in Moskau vertreten: US-Präsident Donald Trump nominierte den Ex-Gouverneur von Utah am Dienstag (Ortszeit) für den Botschafterposten in Moskau.

Huntsman zeichne sich durch eine "außerordentliche Karriere als Politiker, Diplomat und Geschäftsmann" aus, begründete das Weiße Haus die Nominierung des 57-Jährigen für den Botschafterposten. Seine Nominierung muss noch vom US-Senat gebilligt werden.

Huntsman war unter Ex-Präsident George Bush bereits US-Botschafter in Singapur. Unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama diente der Republikaner, der fließend Mandarin spricht, von 2009 bis 2011 als US-Botschafter in China. Trump hatte Huntsman im Wahlkampf vorgeworfen, auf diesem Posten nicht im Interesse der USA gehandelt zu haben. Dennoch war der gemäßigte Republikaner auch als Trumps Außenminister gehandelt worden.

Den Botschafterposten gab Huntsman auf, um sich 2012 um die Kandidatur der Republikaner für die Präsidentschaftswahl zu bewerben. Dabei konnte er auch auf seine zwei Amtszeiten als Gouverneur in Utah verweisen.

Derzeit leitet Huntsman das außenpolitische Institut Atlantic Council. Neben seiner politischen Karriere ist der verheiratete siebenfache Vater auch in der Wirtschaft aktiv: Er gehört unter anderem den Aufsichtsräten des Energiekonzerns Chevron, des Autobauers Ford und der Hotelkette Hilton an.

Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter Druck. In der Affäre ermitteln derzeit mehrere Kongressausschüsse sowie die Bundespolizei FBI und der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Sie gehen dem Verdacht möglicher Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der Führung in Moskau während des Präsidentschaftswahlkampfes im vergangenen Jahr nach.

Zuletzt war der Druck auf Trump nochmals gewachsen. Sein Sohn Donald Trump junior gab zu, sich 2016 mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja getroffen zu haben - in der Erwartung, belastendes Material über die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu erhalten.

Vor diesem Hintergrund werden Kontakte der US-Regierung zu Russland kritisch beäugt. Die Mitteilung des Weißen Hauses, dass Trump und Putin beim G20-Gipfel Anfang Juli ein weiteres Gespräch geführt hatten, löste am Dienstag daher Spekulationen aus. Nach einer kurzen gegenseitigen Begrüßung zu Beginn des Gipfels vor anderthalb Wochen sowie einem gut zweistündigen Gespräch hätten die beiden Staatschefs sich beim späteren Abendessen erneut ausgetauscht, hieß es.

Das US-Außenministerium teilte derweil mit, dass seine Nummer drei, Thomas Shannon, und der russische Vize-Außenminister Sergej Riabkow, am Montag "harte" Gespräche zur Beilegung von Streitpunkten geführt hätten. Das dreistündige Treffen sei vom beiderseitigen Willen zur Einigung geprägt gewesen.

Dabei ging es auch um die Einschränkung von Russlands Zugangs zu zwei Geländen in den USA, die der frühere Präsident Obama wegen der russischen Wahlkampfeinmischung verfügt hatte. Auf die Frage von Journalisten, ob es dazu eine Einigung gebe, antwortete Riabkow: "Fast, fast."