Im Wahlkampf unterstützte er Hillary Clinton. Jetzt überrascht der Goldman-Sachs-Chef mit einem provokanten Kurswechsel.


Lloyd Blankfein, der Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, ließ sich am Mittwoch am Rande eine Wirtschaftskonferenz zu einem brisanten Kurswechsel hinreißen. „Wenn der Präsident (Donald Trump) nicht gewonnen hätte… sondern Hillary Clinton, die Wirtschaft wäre heute nicht da, wo sie ist“, antwortete er auf die Frage einer CNN-Journalistin. Die lautete: Wie weit kann sich Trump die Wirtschaftsstärke zurechnen lassen?

Blankfein, während des Wahlkampfes ein Clinton-Unterstützer und von Trump stets als übler Globalisierer gebrandmarkt, der amerikanischen Wählern Arbeitsplätze koste, sieht sich angesichts eines 17-Jahrestiefs der Arbeitslosenrate und trotz Korrektur nahe am Rekordhoch liegender Aktienmärkte zu dieser Antwort genötigt. Allerdings könnte eine „Überdosis“ Trump der Wirtschaft auch schaden, warnt der Banker.

Dabei spielte er auf das Haushaltsdefizit an, das aufgrund der Steuersenkungen um 1,5 Billionen Dollar ausufern könnte, und weiteren geplanten Ausgaben von 300 Milliarden Dollar. „Die Risiken, dass es ein böses Ende geben könnte, sind gestiegen.” Damit sind auch die protektionistischen Anflüge Trumps gemeint, der nicht vor einem Handelskrieg mit China zurückschrecken könnte.


Anziehende Inflationsraten, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, weisen bereits auf eine mögliche Überhitzung der Wirtschaft hin. Auch die Zinsen langlaufender US-Staatsanleihen sind auf ein Vier-Jahreshoch gestiegen. Wirtschaftsexperten sehen jetzt die Verantwortung bei der US-Notenbank Fed, die das richtige Maß bei ihren geplanten Zinsanhebungen finden muss, sonst würgt sie den Wirtschaftsmotor wieder ab.

Es kann aber auch sein, dass Blankfein nichts anderes übrig blieb, als Trumps Wirtschaftserfolge zu loben. Schließlich hat der nach der Wahl sein Kabinett reichlich mit früheren Goldman-Bankern bestückt. Da kann das ja nicht alles falsch sein.