Biden steuert mit wachsendem Vorsprung in Schlüsselstaaten auf Wahlsieg zu

Fabian Erik SCHLÜTER
·Lesedauer: 3 Min.
Biden-Unterstützer in Arizona

Biden steuert mit wachsendem Vorsprung in Schlüsselstaaten auf Wahlsieg zu

Biden-Unterstützer in Arizona

Im Wahlkrimi um das Weiße Haus scheinen ein Sieg des US-Demokraten Joe Biden und eine Abwahl von Präsident Donald Trump immer näher zu rücken. Biden konnte am Freitag seinen Vorsprung im Schlüsselstaat Pennsylvania immer mehr ausbauen und lag auch in weiteren umkämpften Bundesstaaten vor Trump. Während der Präsident erneut von angeblichem Wahlbetrug sprach, wollte sein Herausforderer am Abend (Ortszeit) eine Rede halten.

Nach dem Wahltag am Dienstag hatte Trump in Pennsylvania zunächst weit vor seinem Herausforderer gelegen. In den folgenden Tagen holte Biden aber immer mehr auf, weil zunehmend Briefwahlstimmen demokratischer Wähler ausgezählt wurden. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) hatte der frühere Vizepräsident einen Vorsprung von mehr als 13.000 Stimmen oder 0,2 Prozentpunkten. Sollte Biden den Bundesstaat mit seinen 20 Wahlleuten tatsächlich gewinnen, wäre er auch Gesamtsieger der Präsidentschaftswahl.

Im mit seinen 16 Wahlleuten ebenfalls wichtigen Südstaat Georgia schob sich Biden ebenfalls an Trump vorbei und lag mit 1580 Stimmen vorn. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 hatte Trump den konservativ geprägten Bundesstaat noch gewonnen. Angesichts der äußerst geringen Differenz kündigte Georgias Wahlleiter Brad Raffensperger eine Wiederholung der Auszählung an. 

Vorn lag Biden auch in Arizona und Nevada, während Trump im Swing State North Carolina einen deutlichen Vorsprung hatte. Allerdings schrumpfte Bidens Vorsprung in Arizona im Verlauf des Freitags auf noch knapp 40.000 Stimmen.

Nach jetzigem Stand kommt Biden auf mindestens 253 der 270 Wahlleute, die er für einen Sieg braucht. Wird Arizona hinzugerechnet, wo ihn einige Medien bereits zum Sieger ausgerufen haben, sind es 264. Trump hat derzeit 213 oder 214 Wahlleute sicher.

Das Wahlkampfteam des Präsidenten zeigte sich aber kämpferisch. "Diese Wahl ist nicht vorbei", erklärte Wahlkampf-Anwalt Matt Morgan.

Anders sah es die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die Biden am Freitag bereits als Sieger der Präsidentschaftswahl bezeichnete. "Der gewählte Präsident (president-elect) Biden hat ein starkes Mandat", sagte Pelosi vor Journalisten. Als "president-elect" wird in den USA der Sieger der Präsidentschaftswahl bis zu seinem Amtsantritt bezeichnet.

Trump hatte zuvor seinen Vorwurf erneuert, die Demokraten wollten ihm den Wahlsieg "stehlen". "Wenn man die legalen Stimmen zählt, gewinne ich mit Leichtigkeit. Wenn man die illegalen Stimmen zählt, können sie versuchen, uns die Wahl zu stehlen", sagte der Präsident am Donnerstagabend in einer aufsehenerregenden Ansprache im Weißen Haus. 

Bei seinem Auftritt legte Trump keinerlei Belege für seine Betrugsvorwürfe vor. Mehrere Fernsehsender unterbrachen die Live-Übertragung nach kurzer Zeit. Auch Parteifreunde kritisierten den Präsidenten für seine Äußerungen.

Trumps Team hat angesichts der Entwicklung in mehreren Staaten Klage gegen die Auszählung eingereicht. Der Präsident hatte sich bereits in der Wahlnacht zum Sieger erklärt und juristische Schritte angekündigt, was auch international als Angriff auf den demokratischen Wahlprozess gewertet wurde. Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU), nannte Trumps Verhalten in der Wochenzeitung "Das Parlament" "zutiefst besorgniserregend". 

Trumps ältester Sohn Don Junior heizte die Stimmung zusätzlich an und forderte einen "totalen Krieg" gegen den angeblichen Wahlbetrug. In vielen Städten gingen Trump-Anhänger und Trump-Gegner auf die Straße.

Biden rief seinerseits zur "Ruhe" auf. Auf Twitter schrieb er: "Niemand wird uns unsere Demokratie wegnehmen." Laut der "Washington Post" plante der Secret Service eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen für den 77-Jährigen. Biden wollte am Freitagabend in seiner Heimatstadt Wilmington im Bundesstaat Delaware eine Rede halten.

Sollte der frühere Vizepräsident die Wahl gewinnen, würde er am 20. Januar als 46. Präsident der US-Geschichte im Amt vereidigt. Er wäre mit dann 78 Jahren der älteste US-Präsident der Geschichte.

fs/isd