„Trump hat nicht einen politischen Knochen im Leib“: Enthüllungsautor Michael Wolff zu Gast bei Markus Lanz

Zu Gast bei Markus Lanz waren CSU-Politikerin Dorothee Bär, Autor Michael Wolff, Journalist Robin Alexander und Theologe Manfred Lütz (v. l. n. r.) (Bild: Screenshot ZDF)

Mit seinem Buch „Feuer und Zorn“ sorgte der US-Autor weltweit für Aufsehen. Nun gab Wolff in der aktuellen Sendung von Markus Lanz Einblicke in die Trump-Präsidentschaft.

Über eine Million verkaufte Exemplare, Übersetzungen in 35 Sprachen: Das Enthüllungsbuch „Feuer und Zorn: Im Weißen Haus von Donald Trump“ von Michael Wolff entwickelte sich nach seiner Veröffentlichung im Januar schnell zu einem Bestseller. Der Journalist und Autor, der den US-Präsidenten bereits aus seiner Zeit als Kolumnist beim Magazin „New York“ in den Neunzigern kennt, schildert in dem Buch die ersten neun Monate Trumps im Weißen Haus.

Wenig versöhnliche Töne gegenüber Trump

Kurz nach Erscheinen von „Feuer und Zorn“ in Deutschland war Wolff nun zu Gast bei Markus Lanz, der dem US-Amerikaner einen großen Teil seiner Sendung widmete und schnell ins Schwärmen geriet. Das Buch sei zwar kontrovers, jedoch auch „brillant geschrieben – nicht geifernd, nicht aggressiv, nicht hämisch“, so der Moderator. Dennoch gab sich Michael Wolff gegenüber dem Präsidenten wenig versöhnlich: Trump sei nicht im Geringsten qualifiziert für einen Job im Weißen Haus. Ihn würden lediglich zwei Dinge interessieren: Ruhm und Aufmerksamkeit. „Frauen interessieren ihn auch“, schiebt der Autor noch nach.

Michael Wolff verbrachte während der ersten Monate der Trump-Administration viel Zeit im Weißen Haus. (Bild: Screenshot ZDF)

Als „Fliege an der Wand“ hat Wolff viele im Weißen Haus mitbekommen: Da dort nie jemand pünktlich sei, habe er viel herumgesessen und mit der Zeit einige Bekanntschaften geschlossen. Auch den Berufsalltag des Präsidenten kenne er dadurch: Trumps Arbeitstag im Oval Office umfasse fünf bis sechs Stunden, in denen er ausgewählte Gäste aus Politik und Wirtschaft empfange. Als „Zirkel von Schmeicheleien“ beschreibt er diese Termine, in denen sich Trump und seine Besucher gegenseitige Freundschaft und Unterstützung zusichern. „Das bedeutet jedoch nichts“, wiegelt Wolff ab.

Trumps Problem: “Der liest nicht”

Das Weiße Haus werde mittlerweile geführt wie ein Familienunternehmen, wobei kein Mitglied des Trump-Klans ein Polit-Profi sei. Dem unberechenbaren Präsidenten, der seine Meinung oftmals in kürzester Zeit ändert, fehle nicht nur das Interesse an Datenanalysen und politischen Informationen, sondern auch die intellektuelle Fähigkeit, sie zu verarbeiten. Der 71-Jährige habe den wohl „informationsträchtigsten Jobs auf der Erde“, so der Autor. „Das Problem mit Trump kommt dann sehr schnell: Der liest nicht.“ Da er seinen Beratern aber auch nicht zuhöre, gebe es keine direkte Weise, Informationen an ihn heranzubringen. Man müsse das indirekt tun, etwa über das Fernsehen, dem sich Trump mehrere Stunden am Tag widmet.

Aus der politischen Inkompetenz des Präsidenten leitet Michael Wolff jedoch auch einen Grund zur Hoffnung ab: „Ich glaube nicht, dass er die Fähigkeit hat, es zum Krieg kommen zu lassen.“ Dafür fehle ihm schlichtweg das Interesse an Informationen und die Fähigkeit, sie zu verstehen. Trump wolle niemandem wehtun, er habe jedoch „nicht einen politischen Knochen im Leib“. Eigentlich sei er auch gar nicht ernsthaft am Amt des Präsidenten interessiert gewesen – „Der will einfach noch ein bisschen berühmter werden“, resümiert der Autor.

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