„Wall Street Journal“ lässt kein gutes Haar an Trumps Entscheidung – eine Presseschau


Donald Trump kündigt radikale Einfuhrzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte an. Die Entscheidung wird weltweit von den Medien kommentiert. Eine Auswahl.

Wall Street Journal: Eine Bestrafung für amerikanische Arbeiter

Die US-Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ ist nicht generell Trump-kritisch. Doch in einem Kommentar lässt die Redaktion kein gutes Haar an der Strafzoll-Ankündigung des US-Präsidenten. „Donald Trump hat den größten politischen Patzer seiner Karriere begangen“, schreibt das Blatt. Die Zölle auf Stahl und Aluminium würden amerikanische Arbeiter strafen, Gegenmaßnahmen anderer Länder provozieren und damit US-Exporte drücken.

Die vorgeschlagenen Zölle würden nur einer Handvoll Firmen nutzen, aber vielen weiteren schaden. Kurzfristig würden die USA zu einem Land des teuren Stahls und Aluminiums.


Trump scheine nicht zu verstehen, dass stahlverarbeitende Firmen 6,5 Millionen Menschen beschäftigten und stahlproduzierende Unternehmen nur 140.000. Eine Ausweichreaktion auf höhere Rohstoffpreise könne der Import bereits verarbeiteter Produkte sein - zum Nachteil der US-Industrie.

Süddeutsche Zeitung: Strafzölle als Relikt aus dem kalten Krieg

Offiziell nennen die USA als Grund für die geplanten Zölle die Abhängigkeit der USA von Stahl- und Aluminiumimporten, die die nationale Sicherheit gefährde. Laut SZ hatte die US-Rüstungsindustrie zuletzt tatsächlich Probleme, alle Teile für den Bau etwa von U-Booten im Inland einzukaufen. Viele Experten glaubten aber dennoch, dass es Trump vor allem darum gehe, die US-Wirtschaft öffentlichkeitswirksam vor Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen, schreibt die Zeitung. „Das Sicherheitsargument, ein Relikt aus dem Kalten Krieg, kam ihm dabei gelegen, da es ihm die Einführung von Zöllen ohne Rücksprache mit dem Kongress erlaubt.“

Nikkei Asian Review: Der Versuch die Basis vor den Kongresswahlen für sich zu gewinnen

Die japanische Wirtschaftszeitung macht darauf aufmerksam, dass Trumps Zollankündigung in einer Zeit kommt, in der er versucht, seine Basis vor den Kongresswahlen in diesem Herbst hinter sich zu versammeln. Das versuche er mit der Einlösung seines Wahlkampfversprechens, die amerikanische Industrie zu schützen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Financial Times: Maßnahmen zielen auf China

Die von Trump vorgeschlagenen Maßnahmen zielen vordergründig auf China, schreibt die Wirtschaftszeitung. Dabei würden die USA nur sehr wenig Stahl oder Aluminium von dort importieren. Das Blatt vermutet stattdessen, dass militärische Verbündete wie Kanada, Deutschland, Japan und Südkorea die Hauptlast der Trump’schen Maßnahmen tragen könnten.

Le Figaro: Handelsbarrieren treffen auch US-Firmen

Stahl aus China macht laut der französischen Tageszeitung nur zwei Prozent der US-Stahlimporte aus. Die massive Ausweitung der chinesischen Produktion in den vergangenen Jahren habe jedoch zu einem Überangebot an Metall auf den Weltmärkten geführt und damit die Preise gesenkt.


Die von Donald Trump errichteten Handelsbarrieren treffen laut Figaro jedoch nicht nur ausländische Stahl- und Aluminiumexporteure, sondern auch US-Firmen, die diese Metalle in ihren Produkten verarbeiten – etwa Autobauer oder Hersteller landwirtschaftlicher Geräte. Sie alle müssten nun Kostensteigerungen auffangen.

Die Nettoeffekte des Schutzes auf die Beschäftigung in den USA und die industrielle Produktion seihen daher fraglich. China könnte auf diese einseitigen US-Maßnahmen beispielsweise mit Sanktionen auf den Import von US-Agrarrohstoffen reagieren.

South China Morning Post: Trump läuft Gefahr, Unterstützung in wichtigen Landwirtschaftsstaaten zu verlieren

Vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen seitens Chinas warnt die South China Morning Post. Die Volksrepublik habe bereits eine Untersuchung der US-Importe von einer Hirsen-Art eingeleitet. Zudem untersuche sie, ob Lieferungen von US-Sojabohnen eingeschränkt werden sollen. Für Trump entstünde dadurch die Gefahr, an Unterstützung in einigen politisch wichtigen Landwirtschaftsstaaten zu verlieren. „China wird angemessene Maßnahmen ergreifen, um seine Rechte und Interessen zu schützen“, zitiert das Blatt eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.

New York Times: Die USA könnte in einen Handelskrieg hineinschlittern

Die Zölle hätten bereits Industrien, Arbeiter und politische Entscheidungsträger gespalten. Unter anderem amerikanische Stahl- und Aluminiumhersteller drängten das Weiße Haus, gegen Billigimporte vorzugehen, von denen sie behaupten, sie hätten sie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.

Gleichzeitig würden aber auch US-Firmen, die Stahl und Aluminium in ihren Produkten verarbeiten, davor warnen, dass die Zölle ihre Kosten steigen lassen und die Profite verringern würden. Außerdem könnten sie dazu gezwungen werden, die Preise zu erhöhen oder Arbeiter zu entlassen.

Trumps Ankündigung werde laut der Zeitung wohl für ein stürmisches Lobbying von anderen Staaten und multinationalen Unternehmen sorgen. Die könnten allesamt versuchen, die Trump-Regierung davon zu überzeugen, dass ihre Produkte von den Sanktionen verschont bleiben sollen.

Neue Zürcher Zeitung: Trump fällt dem Klüngel der Stahlindustrie zum Opfer

Die NZZ befasst sich in einem ausführlichen Kommentar mit den geplanten US-Strafzöllen. Darin ziehen die Schweizer einen Vergleich zu einer ähnlichen Entscheidung, die Trumps Vor-Vorgänger George W. Bush getroffen hatte.


Der „ordnete 2002 flächendeckende Zölle auf Stahlimporte an, die je nach Produkt 8 bis 30 Prozent betrugen“. Eine „viel zitierte Studie“ habe jedoch gezeigt, „dass damals mehr Amerikaner (200.000) ihren Job verloren hatten, als in der gesamten Stahlindustrie (187.500) beschäftigt waren. Laut der Studie haben Bushs Zölle in den USA Engpässe verursacht und die Stahlpreise explodieren lassen. „In der Folge büßten Stahl konsumierende Branchen an Wettbewerbsfähigkeit ein“, schreibt die NZZ.

Das Blatt erinnert zudem daran, dass kaum eine Branche „in den vergangenen Jahrzehnten mehr Rückendeckung von der US-Regierung“ erhalten habe als die Stahlindustrie. Derzeit seien bereits mehr als 200 verschiedene US-Antidumping- und -Ausgleichszölle auf Eisen- und Stahlprodukten aus aller Welt in Kraft. Trotzdem schreie die Branche ständig nach weiteren Schutzmaßnahmen.

Das Fazit der NZZ: „Das zeigt, dass Importbeschränkungen versagen und der Wettbewerbs- und Innovationskraft der Branche mittelfristig mehr schaden als nützen. Die US-Stahlindustrie ist seit Jahrzehnten zu eng mit dem Staat verbandelt, und auch Trump fällt nun dem Klüngel zum Opfer. Dabei hat der Präsident ja auch ihr soeben ein Riesengeschenk gemacht, indem er die Konzerngewinnsteuer von 35 Prozent auf noch 21 Prozent gesenkt hat.“