Trump entlässt Außenminister via Twitter – Tillerson werde „jetzt viel glücklicher sein“


US-Präsident Donald Trump entlässt Außenminister Rex Tillerson. Nachfolger werde CIA-Direktor Mike Pompeo, twitterte Trump überraschend am Dienstag. „Danke an Rex Tillerson für seinen Dienst“, schrieb er. Als Grund für den Personalwechsel nannte der Präsident später vor Journalisten unterschiedliche politische Ansichten.

Trump erklärte am Dienstag, er sei mit Tillerson seit „einiger Zeit“ im Gespräch über dessen Zukunft. „Wir hatten unterschiedliche Ansichten“, sagte der Präsident vor Journalisten. Als ein Beispiel nannte er das Atomabkommen mit dem Iran. Er habe aus dem Deal aussteigen oder etwas anderes damit machen wollen, Tillerson sei anderer Meinung gewesen.

Die Entscheidung zum Rauswurf seines Chefdiplomaten habe er selbst getroffen, sagte Trump weiter. Tillerson und er hätten „seit langem darüber gesprochen“. Tillerson werde „jetzt viel glücklicher“ sein, so Trump. Der personelle Wechsel erfolgt inmitten der wichtigen Vorbereitungen auf das Treffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un.

Pompeo „wird einen fantastischen Job machen“, twitterte Trump. Später ergänzte er vor Journalisten, Pompeo und er hätten eine sehr ähnliche Denkweise. Nachfolgerin von Pompeo als CIA-Chefin werde Vize-Direktorin Gina Haspel, die laut Trump die erste Frau auf diesem Posten sein wird. Beide Posten müssen vom Senat bestätigt werden.


Tillersons Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Er habe nicht mit Trump gesprochen und kenne die Gründe für seine Entlassung nicht, teilte Tillerson mit. Er habe die Absicht gehabt, im Amt zu bleiben. Tillersons Staatssekretär im Außenministerium, Steve Goldstein, bestätigte diese Darstellung am Dienstag auf Twitter.

An den Märkten weitete der Euro als Reaktion auf die erneute Personalrochade in der US-Regierung seine Gewinne gegenüber dem Dollar aus. Der Goldpreis stieg: Die „Antikrisen-Währung“ drehte ins Plus und notierte 0,2 Prozent im Plus bei 1.325,85 Dollar je Feinunze. Zwar komme die Tillerson-Entlassung nicht überraschend, sagte ein Händler. Aber es zeige die vielen Unabwägbarkeiten in der Regierung von Präsident Donald Trump. Tillerson-Nachfolger soll der bisherige CIA-Chef Mike Pompeo werden.

Mit Pompeo setzt Trump auf einen ihm stets loyalen Mann. Der 54-Jährige gilt als stramm konservativ und liegt ganz auf Trumps harter Linie, was den Iran und Nordkorea angeht. Die US-Demokraten wünschen sich von Präsident Donald Trumps Kandidat für das Außenministerium eine härtere Gangart gegenüber Russland und dessen Präsident Wladimir Putin. Der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, brachte am Dienstag die Hoffnung zum Ausdruck, Pompeo werde als US-Außenminister ein neues Kapitel in der Russland-Politik der Trump-Regierung aufschlagen.

Im vergangenen Jahr hatte es immer wieder Spekulationen darüber gegeben, Tillerson könnte zurücktreten oder Trump könnte ihn feuern. Der gebürtige Texaner und frühere Vorsitzenden des Energieriesen ExxonMobil dementierte dies aber stets. Nach einem Bericht der „Washington Post“ forderte Trump Tillerson am vergangenen Freitag zu dem Rücktritt auf. Die Zeitung schrieb, der Präsident sei der Meinung gewesen, der Schritt sei wichtig gewesen. Er habe sicherstellen wollen, dass es vor den Gesprächen mit Nordkorea ein neues Team gebe.

Die Entwicklung reiht sich ein in eine Reihe zahlreicher Personalwechsel in den vergangenen Monaten. In der vergangenen Woche hatte Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn angekündigt, er werde das Weiße Haus verlassen.


Bereits am Montag wurde der persönliche Assistent von Trump, John McEntee, gefeuert. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, wurde er am Montag aus dem Weißen Haus eskortiert. Grund für die Entlassung sei ein nicht näher genanntes Sicherheitsproblem, berichtet die Zeitung. Das Weiße Haus wollte den Fall nicht kommentieren. McEntee gehört zu den dienstältesten Beratern Trumps und hatte schon in den Anfängen seines Wahlkampf für ihn gearbeitet.

In der Vergangenheit war es wiederholt zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und Tillerson gekommen. Immer wieder war über Tillersons Ablösung spekuliert worden. Tillerson hatte immer wieder Positionen vertreten, die sich von denen Trumps unterschieden, etwa was den Konflikt mit Nordkorea angeht.

Der Chefdiplomat warb stets vehement für eine diplomatische Lösung der Krise, während Trump auch immer wieder mit militärischen Schritten drohte. Der Präsident brüskierte seinen Minister im Herbst sogar öffentlich. Er schrieb auf Twitter, er habe Tillerson gesagt, dass dieser seine Zeit vergeude, indem er mit Nordkorea verhandeln wolle.

Im vergangenen Oktober berichtete der Sender NBC News, Tillerson habe Trump als „Schwachkopf“ bezeichnet. Der Minister dementierte diese Darstellung nie direkt und wich Fragen dazu stets aus.


Am Montag schloss er sich der Schlussfolgerung der britischen Regierung an, wonach Russland für den Giftanschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten in England verantwortlich ist. Kurz zuvor hatte das Weiße Haus es noch abgelehnt, sich dieser Lesart anzuschließen.

Tillerson galt als erster US-Außenminister ohne jede Erfahrung in der Politik. Der 65-Jährige Texaner war zuvor Chef von Exxon Mobil, eines der weltgrößten Ölkonzerne. Unter deutschen Diplomaten galt Tillerson gemeinsam mit Verteidigungsminister Mattis als Achse der Vernunft in der US-Regierung.

Einige der engsten Verbindungen hat Tillerson nach Russland, mit Präsident Wladimir Putin versteht er sich auch persönlich gut. 2013 zeichnete Putin ihn mit einem Orden der Freundschaft aus. Tillerson hält nichts von Sanktionen gegen Moskau.