Trump entlässt Außenminister Tillerson und macht Hardliner Pompeo zum Nachfolger

CIA-Chef Pompeo (rechts) ersetzt Tillerson

US-Präsident Donald Trump richtet seine Regierung auf einen harten außenpolitischen Kurs aus: Er entließ am Dienstag Außenminister Rex Tillerson und bestimmte mit CIA-Chef Mike Pompeo einen ausgewiesenen Falken zum Nachfolger. Trump begründete die Ablösung seines Außenministers mit Meinungsverschiedenheiten in zentralen außenpolitischen Fragen. An die Spitze des Auslandsgeheimdiensts CIA soll mit der bisherigen Vizedirektorin Gina Haspel erstmals eine Frau treten.

Die Umstände von Tillersons Entlassung deuteten auf tiefgreifende Differenzen hin. "Wir hatten Meinungsunterschiede", sagte Trump. "Unsere Denkweise ist nicht wirklich die gleiche." Als einen der Streitpunkte benannte der Präsident das Atomabkommen mit dem Iran. "Ich finde es schrecklich, er fand es okay", sagte er. "Ich wollte es entweder platzen lassen oder irgendetwas tun, er hat das etwas anders gesehen."

Aus dem Weißen Haus verlautete zudem, Tillersons Ablösung stehe in Zusammenhang mit Trumps Plan für ein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Vor dem Treffen habe der Präsident seine Mannschaft neu aufstellen wollen, verlautete aus Regierungskreisen.

Im US-Außenministerium hieß es, die Entlassung sei gegen Tillersons Willen erfolgt. "Der Minister hatte die Absicht, wegen der greifbaren Fortschritte in wichtigen Fragen der nationalen Sicherheit im Amt zu bleiben", erklärte Staatssekretär Steve Goldstein. Der Präsident und Tillerson hätten am Morgen nicht miteinander gesprochen, und der scheidende Minister kenne nicht die Gründe für seine Ablösung.

Wenige Stunden nach diesen Aussagen feuerte Trump auch Goldstein. Dieser sagte nach seiner Entlassung der Nachrichtenagentur AFP: "Ich freue mich auf etwas Ruhe." Seine Tätigkeit im US-Außenministerium sei "die größte Ehre meines Lebens" gewesen. Ein Grund für Goldsteins Entlassung wurde offiziell nicht genannt.

Tillersons Nachfolger Pompeo werde als neuer Außenminister einen "fantastischen Job" machen, schrieb Trump auf Twitter. Der Ex-Offizier steht Trump in außenpolitischen Fragen näher als Tillerson - so lehnt Pompeo etwa das Atomabkommen mit dem Iran klar ab.

"Er wird unser Programm weiterführen, Amerikas Ansehen in der Welt wiederherzustellen", sagte Trump. Schon als Abgeordneter im Repräsentantenhaus hatte Pompeo als "Falke" auf sich aufmerksam gemacht.

Über Tillersons Ablösung war schon seit Monaten spekuliert worden. Trumps Verhalten gab solchen Gerüchten immer wieder neue Nahrung: Der Präsident hatte seinen Minister wiederholt öffentlich brüskiert und damit den Eindruck erweckt, dass er gezielt an Tillersons Demontage arbeite. Im Oktober etwa schmähte Trump das Eintreten des Außenministers für eine diplomatische Lösung im Streit mit Nordkorea als "Zeitverschwendung".

Trumps spektakuläre Kehrtwende in der Nordkorea-Politik erfolgte vergangene Woche dann offenbar ohne Einbindung des Außenministers: Erst am Donnerstag hatte Tillerson gesagt, bis zu direkten Gespächen mit Nordkorea sei es noch "ein langer Weg" - wenige Stunden später nahm Trump eine Einladung Kims zu einem Gipfel an. Nach dieser Brüskierung sagte Tillerson seine weiteren Termine ab. Als Grund gab er "Unwohlsein" an.

Auch in anderen wichtigen Fragen der Außenpolitik machten Trump und Tillerson regelmäßig widersprüchliche Angaben. Dieser Umstand erweckte den Eindruck, dass es innerhalb der Trump-Regierung selbst bei zentralen außenpolitischen Dossiers an interner Koordination mangelt - und er warf die Frage auf, inwieweit der politische Quereinsteiger Tillerson überhaupt in die Entscheidungsfindung eingebunden war.

Tillerson selbst konnte die Unzufriedenheit mit seinem neuen Amt nicht immer verbergen. Schon nach einem halben Jahr gestand der öffentlich ein, "müde" zu sein. Zudem hegte der Außenminister offenbar Zweifel an den intellektuellen Fähigkeiten des Präsidenten: Bei Beratungen im Pentagon soll Tillerson den Präsidenten Berichten zufolge als "verdammten Deppen" beschimpft haben.