Trump sendet widersprüchliche Signale in Richtung Nordkorea

Trump bei einer Pressekonferenz in Hanoi

Mit widersprüchlichen Äußerungen hat US-Präsident Donald Trump die Verwirrung um seinen Kurs im Nordkorea-Konflikt verstärkt. In einer aus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi abgesendeten Twitter-Botschaft beleidigte Trump am Sonntag den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un als "klein und dick", um ihm kurz darauf die Freundschaft anzubieten. Der Zickzack-Kurs im Atomstreit mit Nordkorea dominiert seit Tagen Trumps Asienreise.

Trump nahm am Sonntag direkt Bezug auf eine frühere Äußerung Kims, der ihn als "geistig umnachteten senilen Amerikaner" geschmäht hatte. "Warum sollte Kim Jong Un mich beleidigen, indem er mich 'alt' nennt, wenn ich ihn niemals als 'klein und fett' bezeichnen würde?", schrieb Trump mit ironischem Unterton in einer Twitter-Botschaft und fügte hinzu: Er versuche "so sehr, sein Freund zu sein - und vielleicht wird das eines Tages passieren!"

Das Freundschaftsangebot wollte Trump nicht als Ironie verstanden wissen: Auf Nachfrage sagte er auf einer Pressekonferenz mit seinem vietnamesischen Kollegen Tran Dai Quang in Hanoi: "Es wäre merkwürdig, wenn das passiert, aber es ist sicher eine Möglichkeit." Wenn es zu einem Freundschaftsschluss käme, wäre dies "eine gute Sache" für Nordkorea. "Ich weiß nicht, ob es passiert, aber es wäre sehr, sehr schön, wenn es das täte."

Seit Monaten liefern sich Trump und Kim Wortgefechte und drohen der anderen Seite mit Militärangriffen. Die jahrelangen Verhandlungen im Atomkonflikt mit Nordkorea tat Trump als Zeitverschwendung ab - andererseits schloss er auch ein Treffen mit Kim nicht aus. Im September drohte Trump Nordkorea in einer Rede vor der UN-Vollversammlung mit der "völligen Zerstörung", Pjöngjang wertete dies als Kriegserklärung.

Auch bei seinen Gesprächen in den vergangenen Tagen in Japan, Südkorea und China sowie beim Apec-Gipfel in Vietnam wechselten sich in Trumps Äußerungen militärische Drohungen mit Gesprächsangeboten an Nordkorea ab. Die Führung in Pjöngjang stufte Trumps Asienreise am Samstag als "kriegstreiberisch" ein. Der US-Präsident bewirke damit, dass Pjöngjang erst recht sein Atomprogramm vorantreibe.

Wie Trump am Sonntag ebenfalls auf Twitter schrieb, ist China zu einer Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea bereit. Dies habe Präsident Xi Jinping zugesagt. In Peking hatte Trump vor wenigen Tagen die Hoffnung geäußert, dass China im Atomkonflikt mit Nordkorea "schneller und effektiver als sonst irgendwer mit diesem Problem umgehen" werde. China gilt als einziger Verbündeter Nordkoreas.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang massiv verschärft. Nordkorea hatte Anfang September seinen sechsten und bisher gewaltigsten Atomwaffentest vorgenommen. Nach eigenen Angaben testete das Land eine Wasserstoffbombe. Zudem testete Pjöngjang in den vergangenen Monaten mehrfach Mittelstreckenraketen.

Am Samstag begannen die USA und Südkorea im Westpazifik ein dreitägiges Militärmanöver. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Seoul nahmen daran unter anderem drei US-Flugzeugträger und sieben südkoreanische Kriegsschiffe teil.

Nordkorea wirft den USA und Südkorea regelmäßig vor, mit ihren gemeinsamen Militärmanövern eine Invasion zu proben. Pjöngjang reagiert dann oft mit eigenen Manövern oder Raketentests auf die Übungen seiner Erzfeinde.

Angesichts des Streits zwischen verschiedenen asiatischen Staaten und China um Territorien im Südchinesischen Meer bot sich Trump als Vermittler an: "Wenn ich schlichten oder vermitteln kann, lassen Sie es mich bitte wissen, ich bin ein sehr guter Vermittler", sagte er in Vietnam, das ebenfalls Gebiete in der Region beansprucht.

Am Sonntag traf Trump auf den Philippinen ein, der letzten Station seiner ausgedehnten Asien-Reise. Dort wollte er am Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) teilnehmen.