Trump bietet Kim Garantien für Machterhalt in Nordkorea

Trump mit Sicherheitsberater Bolton

Mit dem Angebot weit reichender Garantien will US-Präsident Donald Trump die nordkoreanische Führung zur weiteren Zusammenarbeit bewegen. Machthaber Kim Jong Un könne mit "sehr starken Absicherungen" für seinen Machterhalt rechnen, wenn er sich auf das für Juni anvisierte Gipfeltreffen mit ihm einlasse und eine Vereinbarung mit den USA abschließe, sagte Trump am Donnerstag in Washington. Sollte es allerdings keine Vereinbarung geben, drohe Kim dasselbe Schicksal wie Libyens Machthaber Muammar Gaddafi.

Mit seinen Äußerungen reagierte der US-Präsident auf die Drohung Nordkoreas, das für den 12. Juni geplante Spitzentreffen abzusagen. Die nordkoreanische Drohung war auch eine Reaktion auf Äußerungen von Trumps neuem Sicherheitsberater John Bolton gewesen.

Dieser hatte Libyen als Vorbild für den Umgang mit Nordkorea angeführt. Das nordafrikanische Land hatte 2003 eingewilligt, sein Atom- und Chemiewaffenprogramm einzustellen. 2011 wurde Machthaber Muammar al-Gaddafi dann im Zuge von Luftangriffen einer internationalen Militärallianz entmachtet und getötet.

Trump äußerte sich am Donnerstag in Gegenwart Boltons - und widersprach diesem teilweise. "Das libysche Modell ist überhaupt kein Modell, an das wir denken, wenn wir an Nordkorea denken", sagte er. "Wenn man sich das Modell mit Gaddafi anschaut, das war eine völlige Dezimierung. Wir sind da reingegangen, um ihn zu schlagen."

"Dieses Vorbild würde sehr wahrscheinlich greifen, wenn wir nicht zu einem Deal kommen", schränkte Trump ein. "Wenn wir aber einen Deal machen, dann wird Kim Jong Un sehr, sehr glücklich sein", fügte er hinzu. "Er wird in seinem Land sein und sein Land regieren. Sein Land wäre dann sehr reich."

Der US-Präsident verdächtigte China, hinter den plötzlich geäußerten Zweifeln Nordkoreas an dem Gipfel zu stecken. Es könne "sehr gut" sein, dass Chinas Präsident Xi Jinping den nordkoreanischen Machthaber "beeinflusst", sagte Trump. Xi und Kim hatten sich kürzlich zwei Mal getroffen. Peking hatte Kim allerdings öffentlich aufgerufen, an dem Gipfel festzuhalten.

Knapp einen Monat vor dem geplanten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim hatte Nordkorea am Mittwoch mit einer Absage gedroht. Sollte Washington weiterhin den "einseitigen" Verzicht Nordkoreas auf Atomwaffen fordern, "haben wir kein Interesse mehr an Gesprächen", hatte Nordkoreas Vize-Außenminister Kim Kye Gwan gesagt. Wegen eines Militärmanövers der USA mit Südkorea sagte Pjöngjang zudem Gespräche mit Seoul ab.

Trump sagte am Donnerstag, ungeachtet der Drohungen liefen die Vorbereitungen für den in Singapur geplanten Gipfel weiter. "Nordkorea spricht gerade mit uns über die Zeiten und alles andere, als ob nichts passiert wäre", sagte der US-Präsident. Es werde weiter über die Räumlichkeiten und andere Einzelheiten verhandelt.

Washington fordert die vollständige und unumkehrbare atomare Abrüstung Nordkoreas und bietet im Gegenzug wirtschaftliche Hilfen an. Das asiatische Land ist international weitgehend isoliert und ächzt unter einer veralteten Wirtschaft, die durch jahrelange UN-Sanktionen zusätzlich angeschlagen ist.

Der gefährliche Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm beschäftigt die Weltmächte seit Jahren. Bislang hat Pjöngjang nicht öffentlich erklärt, zu welchen konkreten Zugeständnissen das Land bereit ist. Zwar hatte sich Machthaber Kim bei einem Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Staatschef Moon Jae In im April zu einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel bekannt und angekündigt, die Äußerung lässt aber Raum für Interpretation. Bereits angekündigt hat Pjöngjang, kommende Woche ein Atomtestgelände zu schließen.