Trump-Anwalt attackiert Handelsblatt

US-Sonderermittler Robert Mueller forscht nach Handelsblatt-Recherchen bei der Deutschen Bank nach Informationen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump – auch wenn ein Trump-Anwalt das dementiert.


Eigentlich war die Aktion seit Monaten erwartet worden. Aber als sie nun öffentlich wurde, war die Aufregung dennoch groß: Am Dienstag hatte das Handelsblatt berichtet, dass die Deutsche Bank eine Vorladung, eine sogenannte „Subpoena“, des US-Sonderermittlers Robert Mueller erhalten hatte. Das Frankfurter Geldhaus ist nicht nur die Hausbank von US-Präsident Donald Trump, sondern auch von weiteren Mitgliedern seiner Familie.

Der frühere FBI-Chef Mueller und sein Team untersuchen derzeit, ob Russland die US-Wahlen beeinflusste und ob Trumps Wahlkampfteam daran beteiligt war. Die Subpoena verpflichtet das Institut nach Informationen des Handelsblatts dazu, Auskunft über bestimmte Geld- und Kreditgeschäfte im Zusammenhang mit dem Trump-Komplex zu geben.

Der exklusive Bericht veranlasste Trumps persönlichen Anwalt John Dowd zu einer Stellungnahme: „Wir haben bestätigt, dass Meldungen, dass der Sonderermittler eine Subpoena für Finanzunterlagen mit Bezug auf den Präsidenten versandt habe, falsch sind. Keine Subpoena wurde ausgestellt oder erhalten. Wir haben das mit der Bank und anderen Quellen abgeklärt“, schreibt Dowd in einer E-Mail.



Das Handelsblatt hatte allerdings gar nicht geschrieben, dass sich die Subpoena auf den US-Präsidenten direkt beziehe. Wörtlich hieß es in dem Bericht: „Ob Mueller die Herausgabe von Kontounterlagen des US-Präsidenten selbst oder seines Umfelds forderte, ist unklar. Neben Trump zählen nach Informationen des Handelsblatts auch seine Frau Melania, seine Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner zu den Kunden der Vermögensverwaltung des Instituts.“ Es ist weiterhin unklar, ob sich die Subpoena auf eines der Familienmitglieder von Trump bezieht.

Das Handelsblatt bleibt bei seiner Darstellung

Das Auskunftsersuchen Muellers steht nach Informationen des Handelsblatts aber im Zusammenhang mit dem Trump-Komplex. Das Handelsblatt bleibt deshalb auch nach der Stellungnahme des Trump-Anwalts bei seiner Darstellung.

Die Subpoena hat die Bank nach Informationen des Handelsblatts bereits vor einigen Wochen erreicht, deutlich vor der jüngsten Zuspitzung der Untersuchung des Sonderermittlers. Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn hatte sich am vergangenen Freitag schuldig bekannt, das FBI belogen zu haben, als die Behörde ihn im Januar zu seinen Gesprächen mit dem russischen Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, befragt hatte. Flynn erklärte sich außerdem zur Kooperation mit Mueller bereit. Flynn machte unter anderem deutlich, dass ranghohe Mitglieder aus Trumps Team über seine Kontakte zu Kisljak Bescheid wussten.

Die Nervosität im Trump-Lager ist indes verständlich: Der Bericht des Handelsblatts hatte ein breites internationales Echo hervorgerufen. Nicht nur die Nachrichtenagentur Bloomberg, das „Wall Street Journal“ und die „Financial Times“ griffen den Artikel auf. Alle drei Medien berichten auch nach der Äußerung von Trumps Anwalt weiter, dass die Bank eine Subpoena von Muellers Team im Zusammenhang mit dem Trump-Komplex erhalten hat. Auch in den US-Nachrichtensendungen war der Handelsblatt-Bericht ein Thema.


Weder die Bank noch Mueller selbst hatten den Bericht kommentieren wollen. Ein Sprecher des Finanzinstituts sagte nur generell: „Die Deutsche Bank arbeitet immer und überall, in allen Ländern, kooperativ mit ermittelnden Behörden zusammen.“ Zu Einzelfällen gebe das Institut „aus Respekt gegenüber ermittelnden Behörden“ und juristischen Gründen keine Kommentare ab. Ein Sprecher Muellers wollte auch am Dienstag zu den neuen Entwicklungen nicht Stellung nehmen.

Unlautere Kontakte nach Russland?

Seit langem sind die Geschäftsverbindungen zwischen Trump und der Deutschen Bank Gegenstand heftiger politischer Kontroversen. Trumps Gegner verdächtigen den US-Präsidenten und seine Gefolgsleute, im Wahlkampf unlautere Kontakte mit Russland unterhalten zu haben. Sie suchen nach Belegen für dubiose Verbindungen zwischen dem Präsidenten und der russischen Staatsführung.



Zeitweise stand Trump bei der Deutschen Bank mit 340 Millionen Dollar in der Kreide, wie US-Medien berichteten. Mittlerweile soll das Engagement kleiner geworden sein. Als der Präsident vor einiger Zeit sein Vermögen und seine Schulden veröffentlichte, waren noch Kredite von rund 130 Millionen Dollar übrig.

Führende amerikanische Demokraten hatten die Bank mehrfach dazu aufgefordert offenzulegen, ob es Verbindungen zwischen Trump und Russland gibt. Sie hoffen, Indizien dafür in den Bankunterlagen Trumps zu finden. Die Deutsche Bank hatte sich vor Vorliegen der offiziellen Vorladung aber geweigert, Auskünfte zu geben und verwies darauf, dass sie damit gegen US-Gesetze verstoßen würde.

Der demokratische Kongressabgeordnete Adam Schiff, führendes Mitglied im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, sprach am Dienstag in Washington von einer „sehr bedeutsamen Entwicklung“ mit Blick auf das Verhältnis von Trump und seinem Umfeld zur Deutschen Bank. Sollten die Finanzbücher der Bank Hinweise liefern, dass Russland über den Trump-Konzern Geld wasche, „wäre das weitaus belastender als jede anzügliche Bemerkung des Präsidenten. Das könnte Trump, seine Mitarbeiter und seine Familie ernsthaft in Bedrängnis bringen“, betonte Schiff. Konkrete Belege für diesen Verdacht legte Schiff allerdings nicht vor. Auch für die früheren Vorwürfe der Demokraten gibt es bislang keinerlei Bestätigung.

Diese Unterlagen zu seinen Finanzen hatte Donald Trump als Präsidentschaftskandidat veröffentlicht