Trump überzieht Amazon mit Steuer-Schelte

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Der mächtigste Mann der Welt attackiert den reichsten Mann der Welt: US-Präsident Donald Trump hat erneut Amazon ins Visier genommen und dem Versandportal vorgeworfen, zu wenig Steuern zu zahlen und der heimischen Wirtschaft zu schaden. Trump steht bereits seit langem auf Kriegsfuß mit Amazon-Besitzer Jeff Bezos. Beobachter vermuten deshalb, Trumps Attacke könnte sich in Wirklichkeit gegen Bezos richten.

Schon "lange vor der Wahl" zum Präsidenten habe er seine Bedenken gegenüber Amazon geäußert, schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter. Anders als andere Firmen zahle der Konzern "wenige oder gar keine Steuern" an Bundesstaaten und Kommunen. Amazon benutze das US-Postwesen "als Botenjungen (und fügt damit den USA riesige Verluste zu)", klagte der Präsident. Außerdem warf Trump Amazon vor, tausende Händler aus dem Markt zu treiben.

Bereits am Mittwoch hatte ein Bericht des Onlineportals Axios für Wirbel gesorgt, wonach sich Trump Amazon vorknöpfen will. Der Präsident sei von Amazon "besessen", er glaube, der Konzern zahle zu wenig Steuern und erhalte eine Vorzugsbehandlung der Post, berichtete Axios. Reiche Freunde hätten sich an Trump gewandt und sich über den Niedergang von Einkaufszentren und Einzelhändlern geklagt. Sie hätten ihn gebeten, mit Hilfe des Kartellrechts gegen den Online-Giganten vorzugehen.

Die Gerüchte über ein mögliches Vorgehen Trumps gegen Amazon hatte den Börsenwert des Konzerns am Mittwoch um 31,4 Milliarden Dollar einbrechen lassen - am Donnerstag stieg die Aktie aber wieder um 1,1 Prozent. Zuvor hatte eine Sprecherin des Weißen Hauses, Lindsay Walters, versichert, Trump plane derzeit keine "Maßnahmen" gegen Amazon.

Dass Trump schon seit langem mit Jeff Bezos über Kreuz liegt, ist kein Geheimnis. Während des Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2016 hatten sich Bezos und der republikanische Kandidat wiederholt gegenseitig beschimpft. Bezos ist außerdem Eigentümer der renommierten "Washington Post" - die mit ihren kritischen Berichten und Enthüllungen mehrfach den Zorn des Immobilienmilliardärs und späteren Präsidenten auf sich zog. Immer wieder unterstellt Trump der Zeitung, Lobbyarbeit für Amazon zu betreiben.

Kritik an dem Onlineriesen und seiner Marktpräsenz gibt es nicht nur von Trump. In der Vergangenheit wurde der Konzern immer wieder auch in Europa für seine Praktiken gerügt, jedes Schlupfloch zu nutzen, um weniger Steuern zu zahlen.

Mit den wachsenden Gewinnen des Konzerns änderte sich das allerdings: 2016 zahlte Amazon 412 Millionen Dollar an Bundessteuern. Laut den Berechnungen von Experten schuldet der Konzern dem Bund für 2017 aber keine Steuern - unter anderem wegen der vom US-Kongress verabschiedeten und dem Präsidenten abgesegneten Steuerreform. Mit den meisten US-Bundesstaaten einigte sich Amazon zudem nach langen Rechtsstreitigkeiten darauf, Umsatzsteuer zu zahlen.

Experten weisen auch darauf hin, dass Amazon zwar auf seine Paketsendungen von der Post Massenrabatt bekomme - seine Sendungen dem angeschlagenen Dienst aber massiv helfen.

Der auf den Technologie-Sektor spezialisierte Blogger Lou Kerner kritisierte Trumps Attacke als "populistisch". Alle Maßnahmen gegen den Konzern würden weder dem Verbraucher noch den "kleinen Geschäften" nutzen, erklärte Kerner. Früher habe der Supermarkt Walmart "die Kleinen vernichtet", heute wachse Amazon vor allem auf Kosten von Walmart. "Amazon würde einen Großteil seiner Steuern auf seine Kunden abwälzen - das wäre dann einfach ein Transfer des Vermögens von Millionen Verbrauchern zu einer kleinen Zahl von Ladenbesitzern (inklusive Walmart)."