Trotz Sorgen um Corona-Variante zahlreiche Flüge aus Indien nach London

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LONDON (dpa-AFX) - Angesichts der Ausbreitung der zunächst in Indien entdeckten Corona-Variante in Großbritannien gerät die Regierung in London unter Druck. Obwohl Indien auf einer "roten Liste" von Ländern steht, aus denen die Einreise nach Großbritannien nur unter scharfen Auflagen möglich ist, landen täglich mehrere Direktflüge aus dem südasiatischen Land, wie britische Medien am Mittwoch berichteten. Nach Informationen des Nachrichtensenders LBC News von Dienstagabend landeten seit dem 23. April, als Indien auf die "rote Liste" gesetzt wurde, 110 Flüge aus dem Land in Großbritannien.

Im Gegensatz zu mehreren anderen "roten" Ländern wie Südafrika und Brasilien sind Direktverbindungen mit Indien nicht verboten. Die Vorschriften sehen für Einreisende aus diesen Ländern verpflichtend eine zehntägige Hotel-Quarantäne auf eigene Kosten vor.

Premierminister Boris Johnson steht ohnehin in diesem Fall unter Druck, weil seine Regierung Indien erst Wochen nach den Nachbarländern Bangladesch und Pakistan auf die "rote Liste" gesetzt hatte. Johnson wird vorgeworfen, er habe die Entscheidung wegen eines geplanten Besuchs in Indien, bei dem er über ein Freihandelsabkommen sprechen wollte, hinausgezögert. Die Reise wurde letztlich abgesagt. Mittlerweile hat Johnson angedeutet, dass sich die für 21. Juni geplante Aufhebung aller Corona-Restriktionen wegen der Ausbreitung der neuen Variante verzögern könnte.

Vor allem in den mittelenglischen Städten Bolton und Blackburn war die Zahl der Neuinfektionen mit der "indischen" Variante zuletzt stark gestiegen. Zur Eindämmung haben die Behörden allen Erwachsenen eine Corona-Impfung erlaubt, an Impfzentren bildeten sich lange Schlangen. Wissenschaftler warnen aber, dass Impfungen allein nicht reichen könnten. Im Gespräch sind auch regionale Lockdowns. Boltons Gemeinderatschef David Greenhalgh warnte im Sender BBC Radio 4, neue Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen könnten zu Unruhen führen.