Aus für den BVB! Jetzt geht es um Bosz' Job

Für Mario Götze (r., mit Gonzalo Castro) und den BVB ist nach der Vorrunde Schluss

Nächste Pleite, schrille Pfiffe - und das auch noch in der Derbywoche: Borussia Dortmund findet keinen Ausweg aus der Krise.

Der BVB schied durch ein 1:2 (1:0) gegen Tottenham Hotspur wie befürchtet vorzeitig aus der Champions League aus. Auch wegen der Art und Weise, wie Dortmund das Spiel aus der Hand gab, wackelt Trainer Peter Bosz nun bedenklich. Das Duell mit dem Erzrivalen Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr im LIVETICKER) könnte für Bosz bereits das Schicksalsspiel sein (Die Tabelle).

"Ich weiß, dass es wichtig ist, dass wir das Spiel gegen Schalke gewinnen - auch für meine Position", sagte Bosz bei Sky. "Nach dem 1:1 hat man gesehen, dass den Spielern das Selbstvertrauen gefehlt hat, weiter Fußball zu spielen." (Die Stimmen zum Spiel)

Schmelzer: "Wir Spieler sind verantwortlich"

Kapitän Marcel Schmelzer stärkte seinem Chef den Rücken. "Wir stehen hinter dem Trainer. Wir Spieler sind auf dem Platz verantwortlich", sagte Schmelzer. "Gerade in der ersten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir unbedingt dieses Spiel gewinnen wollten. Ich glaube, das sieht anders aus, wenn man nicht wirklich hinter dem Trainer steht.


Mario Götze suchte nach dem nächsten Nackenschlag nach Erklärungen: "Wir machen es lange sehr gut und führen. Dann kriegen wir aber zu schnell ein Gegentor. Ich kann es derzeit nicht erklären. Wir müssen uns alle ankreiden, dass wir wieder verloren haben. Solche Tore kannst du nicht alle drei Tage kassieren."

Aubameyang trifft bei Comeback

Der zuletzt suspendierte Pierre-Emerick Aubameyang vergab zunächst eine Großchance kläglich (19.), in der 31. Minute zeigte der störrische Stürmerstar aber seine Qualität: Mit einem unhaltbaren Flachschuss beendete er seine Phase 507-minütiger Torlosigkeit.

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Den verdienten Ausgleich der Spurs erzielte Harry Kane (49.), nachdem BVB-Rechtsverteidiger Jeremy Toljan gepatzt hatte. Heung-Min Son (76.) besorgte den endgültigen K.o. Die Londoner waren bereits zuvor für das Achtelfinale qualifiziert, in das es am Dienstagabend in der Gruppe H auch Madrid schaffte. (Spielplan und Ergebnisse)


Bürki auf Trage abtransportiert

In der 90. Minute musste zu allem Überfluss Schlussmann Bürki verletzt ausgewechselt werden. Der Schweizer, der im ersten Durchgang zweimal glänzend pariert hatte, wurde nach einem Zusammenprall mit Fernando Llorente auf einer Trage abtransportiert.

Bürki konnte anschließend aber eigenständig in die Kabine gehen und sich umziehen. Auch der Klub gab zunächst Entwarnung. "Vorbehaltlich einer genaueren Untersuchung, geht es Roman Bürki soweit gut", twitterte der BVB. Für Bürki kam Roman Weidenfeller zu seinem ersten Champions-League-Einsatz der Saison. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)


Minimalziel Europa League weiter möglich

Der in der Bundesliga auf Rang fünf abgestürzte BVB kann nach einer lange ordentlichen Leistung vor 65.849 Zuschauern aber im Fernduell mit APOEL Nikosia zumindest weiter auf den Einzug in die K.o.-Phase in der UEFA Europa League hoffen. Ein Sieg im letzten Spiel bei Real Madrid am 6. Dezember würde den dritten Gruppenplatz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit absichern, auch eine Niederlage könnte reichen.

"Wir wollen Druck machen und die Fans so schnell wie möglich hinter uns bringen", hatte Bosz vor dem Anpfiff bei Sky gesagt. Doch die recht verhalten singenden Anhänger auf der Südtribüne waren in Gedanken schon beim Duell mit Schalke: "Egal, was gestern war - egal, was heute geschieht - am Samstag zählt es: Alle für den Derbysieg!"

Bosz stellt sein System um

Alle. Also auch Aubameyang, der für das Ligaspiel beim VfB Stuttgart (1:2) nach erneuten Eskapaden einen Denkzettel erhalten hatte. Dan-Axel Zagadou ersetzte zudem den verletzten Abwehrchef Sokratis in der Innenverteidigung, Raphael Guerreiro spielte im linken Mittelfeld. Bosz zeigte seinen Kritikern, dass er doch flexibel sein kann: Er rückte vom 4-3-3-System ab und sortierte die Mannschaft in einem 4-1-4-1 mit Julian Weigl auf der Sechserposition.  


Das Spiel begann zäh. Die Spurs schonten keine Stars, legten aber mit Harry Kane und dem früheren Bundesliga-Profi Heung-Min Son im Sturm ein gemächliches Tempo vor, bis der Südkoreaner Roman Bürki prüfte (30.). Der BVB hatte mehr Ballbesitz und bemühte sich, daraus auch etwas zu machen - es gelang selten.

Aubameyang veredelt Traumvorlage

Aubameyangs Führungstreffer, den der Gabuner demonstrativ nicht bejubelte, fiel wie aus dem Nichts. Guerreiro hatte geschickt ein Loch gerissen, Andrey Yarmolenko brillant auf Aubameyang abgelegt. Kurz darauf zeigte Torhüter Bürki, der in Stuttgart ein Slapstick-Tor kassiert hatte, eine Glanzparade gegen Eric Dier (40.).

Nach der Pause schenkte der BVB die Führung umgehend wieder her, erneut patzte dabei die Abwehr. Toljan vertändelte den Ball auf der rechten Seite, Kane zog durch Zagadous Beine ab und erzielte den Ausgleich. Der englische Nationalstürmer hatte schon im Hinspiel (3:1) doppelt getroffen. In der Folge entglitt dem BVB das Spiel, die Spurs drückten und waren überlegen. Heung-Min Sons Siegtor war ebenso folgerichtig wie verdient.